Mumps – So wurde John Franklin Enders zum Schutzengel der Kinder

1948 entwickelte John Franklin Enders die Mumps-Impfung
1948 entwickelte John Franklin Enders die Mumps-Impfung © Fotolia

"Die alltäglichen Probleme zu lösen", das war nach seiner eigenen Aussage der größte Antrieb von Nobelpreis-Träger John Franklin Enders bei seiner Arbeit als Virologe und Bakteriologie. Doch bis er sich tatsächlich mit diesem Fachgebiet befasste und Impfstoffe für Mumps, Masern und Röteln fand, machte der am 10. Februar 1897 in West Hartford (USA) geborene Enders einige Umwege.

 

Der lange Weg zur Medizin

Als Spross einer äußerst wohlhabenden Familie (sein Großvater war Freund und Förderer von Mark Twain, unter anderem "Tom Sawyer"), absolvierte er eine standesgemäße Ausbildung. Bis zu seinem Eintritt in die Armee 1918 studierte er an der Elite-Universität Yale. Dann trat er als Pilot der US-Luftwaffe bei. Auch wenn er nie einen Kampfeinsatz miterlebte – das Fliegen allein war damals schon pures Abenteuer. "In dieser Zeit habe ich mein Glück in der Luft aufgebraucht", sagte Enders später – Flugzeug verabscheute er seitdem.

Nach Kriegsende ging er an die Universität zurück, machte seinen berufsqualifizierenden Abschluss und kehrte der Wissenschaft den Rücken zu. Er arbeitete als Immobilien-Makler und versuchte sich in anderen Berufen. Später schrieb er sich in Harvard für englische Literatur, Germanistik und keltische Sprachen ein. 1922 machte er seinen Abschluss. Kurz vor seiner Doktorarbeit lernte er Professor Hans Zinsser kennen. Zinsser war Direktor der Abteilung Bakteriologie und Immunologie. "Ein Mensch mit einem goldenen Herzen und brillantem Verstand", schrieb Enders nach dem ersten Treffen. Beeindruckt von dessen Enthusiasmus begann Enders Bakteriologie zu studieren, 1933 – mit immerhin schon 36 Jahren – machte er seinen Doktor in Mikrobiologie und widmete sich fortan der medizinischen Forschung.

 

Impfstoff gegen Mumps

Er begann, sich mit dem Mumps-Virus zu beschäftigen. Bald gelang ihm die Entwicklung eines Bluttests zum Nachweis des Erregers. Enders fand heraus, dass der Kontakt mit abgeschwächten Mumps-Viren vor dem Ausbruch der Krankheit schützt. 1946, Enders hatte an der Bostoner Kinderklinik ein eigenes Labor, entwickelten er und Joseph Stokes den ersten Impfstoff gegen Mumps. 1954 fand er ein Impfstoff gegen Röteln, 1954 erhielt Enders gemeinsam mit seinen ehemaligen Studenten Thomas H. Weller und Frederick C. Robbins den Nobelpreis dafür, dass es ihm 1949 gelungen war, das Polio-Virus zu isolieren. So konnte die Schluckimpfung entwickelt werden, die weltweit Kinder vor Kinderlähmung bewahrt. Trotz unzähliger Misserfolge und deprimierenden Jahren im Labor schaffte John F. Enders es 1957, auch einen Impfstoff gegen Masern zu entwickeln.

Noch bis zum Alter von 80 Jahren arbeitete John F. Enders als Professor in Harvard. Am 8. September 1985 starb er plötzlich und unerwartet mit 88 Jahren beim Lesen in seinem Haus in Waterford. Gerade hatte er einem neuen Leiden dem Kampf angesagt: AIDS.

 

Zuverlässiger Schutz vor Kinderkrankheiten wie Mumps und Masern

Viele der Impfungen, die auf die Arbeit von John Franklin Enders zurückgehen, gehören heute in Deutschland zur medizinischen Grundversorgung:

MMR: Die kombinierte Impfung gegen Mumps, Masern und Röteln wird bei Kindern im Alter zwischen 11 und 14 Monaten durchgeführt. Eine zweite Impfung ist zwischen 15 und 23 Monaten erforderlich.

Kinderlähmung (Poliomyelitis): Vier Impfungen zwischen dem 2 und dem 14 Monat werden empfohlen. Bei Kindern zwischen dem neunten und 17. Lebensjahr muss eine Auffrisch-Impfung erfolgen.

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