Mumps – gibt's das noch?

Kinderärztin Dr. Nadine Hess rät, Mumps durch Impfung vorzubeugen
Expertin Dr. Hess: „Da es sich bei dem Mumpserreger um ein Virus handelt, gegen den es kein spezifisches Virustatikum gibt, kann man nur symptomatisch behandeln“ © privat

Was löst die Mumpserkrankung aus und welche Symptome verursacht sie? Welche Medikamente können eingesetzt werden, wenn es zu einer Mumpsinfektion gekommen ist? Was sind mögliche Komplikationen, die durch eine Impfung verhindert werden können?

 

Das sagt die Kinderärztin Dr. Nadine Hess:

Glücklicherweise sind die Infektionsraten von Mumps in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen – dank der hohen Impfraten für die Masern-Mumps-Röteln-Impfung.

Die Mumpsinfektion – oder auch Parotitis epidemica genannt ­– wird ganzjährig durch Viren aus der Gruppe der Paramyxoviridae ausgelöst. In den 70er Jahren, also vor Einführung der Impfung, waren pro Jahr ca. 200 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner zu verzeichnen, aktuell erkrankt bei uns nur eine Person pro 100.000 Einwohner [1].
 

 

Wie gut schützt die Masern-Mumps-Röteln-Impfung?

Kleiner Junge mit geschwollener Wange durch Mumpserkrankung
Eine schmerzhafte Entzündung und Schwellung der Ohrspeicheldrüse (Parotitis) verursacht die für Mumps typischen „Hamsterbacken“. Als Komplikation kann eine Entzündung der Hoden auftreten © Shutterstock

Für den deutlichen Rückgang der Erkrankung ist die seit 1976 offizielle Empfehlung der STIKO (Ständige Impfkommission) für die Impfung gegen Masern-Mumps-Röteln verantwortlich. Die Impfung gegen Mumps schützt nicht zu 100 Prozent: Ansteckend ist ein Infizierter bereits zwei Tage vor Ausbruch der Erkrankung bis vier Tage danach. Die Inkubationszeit (die Zeit zwischen Ansteckung und den ersten Krankheitssymptomen) beträgt etwas mehr als zwei Wochen (16-18 Tage). Der Mensch ist der einzige Wirt für das Mumpsvirus.

Hauptsymptom bei Mumps ist eine schmerzhafte Schwellung der Ohrspeicheldrüse (Parotitis), teilweise nur einseitig, meist jedoch beidseitig, die bis zu einer Woche anhält. Darüberhinaus besteht oft ein allgemeines Krankheitsgefühl mit Fieber, Gliederschmerzen, etc., was der Parotitis auch vorausgehen kann. Da es sich bei dem Mumpserreger um ein Virus handelt, gegen den es kein spezifisches Virustatikum  gibt, kann man nur symptomatisch behandeln, also Fieber und Schmerzen mit Ibuprofen oder Paracetamol senken.

 

Welche Komplikationen können bei Mumps auftreten?

Gefürchtete Komplikationen einer Mumpserkrankung sind eine Beteilung des zentralen Nervensystems mit einer Entzündung der Hirnhäute (Meningitis) oder schlimmer, des Gehirns (Enzephalitis), die laut Robert-Koch-Institut in 1,5% der Fälle tödlich verläuft. Bekannt ist, dass das Mumpsvirus zu einer Entzündung der Hoden führen kann – manchmal nur einseitig, oft jedoch beidseitig. Dies kann dauerhaft zu einer reduzierten Spermienzahl führen, sehr selten jedoch zur kompletten Zeugungsunfähigkeit. In einem von 20.000 Erkrankten kann es zu einer einseitigen Taubheit nach einer Mumpserkrankung kommen.  Weitere, seltene Komplikationen sind eine Pankreatitis (Entzündung der Bauchspeicheldrüse), Nephritis (Entzündung der Niere), Myokarditis (Herzmuskelentzündung) oder vorübergehende Veränderungen des Blutbilds.

 

Ist eine Booster-Impfung sinnvoll?

Durch eine zweimalige Impfung zusammen mit Masern/Mumps/Röteln (und Windpocken) ab dem 12. Lebensmonat – die zweite Booster-Impfung sollte frühestens vier Monate später, idealerweise bis zum 23. Lebensmonat erfolgen – können Sie eine Mumpsinfektion und deren Komplikationen in den meisten Fällen verhindern. Auch bei Erwachsenen, die nach 1970 geboren sind und nur eine nachgewiesene Impfung oder einen völlig unklaren Impfstatus haben, ist eine Booster-Impfung sinnvoll. Sprechen Sie vertrauensvoll mit Ihrem Kinder- oder Hausarzt, wenn Sie Fragen zur Impfung haben.

[1] Zahlen vom Robert-Koch-Institut - RKI - www.rki.de, siehe besonders: Ratgeber Mumps

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