Multiresistente Keime: Größere Bedrohung als Corona?

Clara Dembinski

Es sind Horror-Szenarien, die Forscher aller Welt der Menschheit prophezeien – doch eines scheint sicher: Corona war erst der Anfang. Multiresistente Keime entwickeln sich weltweit zu einem globalen Problem, das für die Menschheit weitaus gefährlicher werden kann, als die Corona-Pandemie.

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Inhalt
  1. Multiresistenz: Was bedeutet das?
  2. Können multiresistente Keime bekämpft werden?
  3. Resistent gegen Antibiotika: So kann man sich schützen

Eine Bedrohung durch multiresistente Keime ist längst zur Realität geworden. Ein Beispiel: Wer mit einer Verletzung in ein Krankenhaus eingeliefert wird, der braucht Hilfe – das ist klar. Doch was ist, wenn kein Medikament, das der Arzt verschreibt, Wirkung zeigt? Diesen Alptraum müssen täglich Menschen auf der ganzen Welt durchleiden – Hilfe gibt es für Betroffene nur wenig. Der Grund: Mutierte Bakterien, die resistent gegen Antibiotika geworden sind.

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Multiresistenz: Was bedeutet das?

„Antibiotika sind die wichtigste Waffe bei der Behandlung bakterieller Infektionen, einschließlich Krankenhausinfektionen,“ stellt das Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz klar. Doch genau da liegt auch das Problem. Viel zu häufig werden Antibiotika unnötig verschrieben, um Krankheitserreger zu bekämpfen.

Auch in der Landwirtschaft wird Tieren Antibiotika zugeführt. Die Rückstände lassen sich dann in unserem Essen wiederfinden. Schon lange warnt das Robert Koch-Institut (RKI): „Wenn Antibiotika zu oft, über einen zu langen Zeitraum oder unsachgemäß angewandt werden, begünstigt das die Entstehung und Verbreitung von resistenten Erregern.“

Die Gefahr: Bakterien, Parasiten und Pilze wehren sich zunehmend gegen unsere Antibiotika, indem sie mutieren und werden dadurch resistent. Sie werden zu sogenannten „Superbugs“ oder multiresistenten Keimen.

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Können multiresistente Keime bekämpft werden?

Forscher sind sich schon lange einig, dass der Kampf gegen multiresistente Keime die Zukunft bestimmen wird. „Bis zum Jahr 2050 wird die Gesamtzahl der Toten in Deutschland aufgrund antimikrobieller Resistenzen (AMR) geschätzte 92 300 erreichen“, vermeldet die OECD im Auftrag der Europäischen Union dazu. Zum Vergleich: An Corona sind bislang in Deutschland 9 421 Menschen verstorben. 

Neue Studien zeigen, dass jetzt schon jährlich 700 000 Menschen weltweit an AMR sterben. Die internationale Pflegevereinigung sieht antimikrobielle Resistenzen deshalb sogar als „eine der größten Bedrohungen für die weltweite Gesundheit und Entwicklung der Völker.“ Corona ist also erst der Beginn aufstrebender Krankheitserreger, die das Potential haben, viele Todesopfer zu fordern.

Dabei haben sich schon 2017 beim G20-Gipfel 2017 alle Mitgliedsstaaten dazu verpflichtet, „den Kampf gegen Antibiotika-Resistenzen mit gezielten Maßnahmen gemeinsam voranzutreiben und die Erforschung und Entwicklung neuer Antibiotika, alternativer Therapiemethoden und Impfstoffe zu verstärken.“

 

Resistent gegen Antibiotika: So kann man sich schützen

Da sich Keime vermehrt in Krankenhäusern tummeln, ist auch dort die Ansteckungsrate am höchsten – und das, obwohl das Immunsystem vieler Patienten sowieso schon angegriffen ist. Resistente Krankenhauskeime sind also besonders gefährlich.

Keime im Krankenhaus
Übersicht Multiresistente Keime: So schützen Sie sich

Doch jeder kann darauf achten, möglichst selten und nur mit ärztlicher Zustimmung Antibiotika einzunehmen. Auch Menge und Einnahmedauer sind ausschlaggebend. Für die kommende Grippe-Saison ist entscheidend: „In neun von zehn Fällen wird eine Erkältung durch Viren verursacht. Auch die Grippe wird durch Viren ausgelöst. Antibiotika sind dann nutzlos“, erklärt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Bei einer Infektion sollten deshalb erst dann Antibiotika eingenommen werden, wenn ganz klar ist, dass der Infekt durch ein Bakterium verursacht wird. 

Um multiresistente Keime zu minimieren, ist es darum besonders wichtig, den Krankheitserreger zu identifizieren und sich an die mit dem Arzt vereinbarte Dosis zu halten.

Quellen:

Positionspapier „Antimikrobielle Resistenzen“, in: Internationale Pflegegesellschaft.

F&E zu Antimikrobiellen Resistenzen (AMR), in: Bundesministerium für Bildung und Forschung

Antimikrobielle Resistenzen, in: OECD.de

Alle reden von Antibiotika-Resistenzen... Aber was ist das eigentlich?, in: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

Antworten auf häufig gestellte Fragen zu Krankenhausinfektionen und Antibiotikaresistenz, in: Robert Koch Institut

Antimikrobielle Resistenzen, in: Bundesministerium Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz

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