Motorische Entwicklung bei Babys

Verena Elson Medizinredakteurin

Greifen, krabbeln, laufen: Was Babys im ersten Lebensjahr lernen, ist erstaunlich. Und jeder Meilenstein in der motorischen Entwicklung bedeutet harte Arbeit. Wie verläuft die motorische Entwicklung beim Baby und wie können Eltern sie fördern?

Ein Baby liegt auf einer Krabbeldecke und hält seinen Fuß fest
Schau, was ich schon kann: Babys freuen sich über jeden Meilenstein in ihrer motorischen Entwicklung Foto:  iStock/brunette
Inhalt
  1. Motorische Entwicklung verläuft unterschiedlich
  2. Motorische Entwicklung 0-3 Monate
  3. Motorische Entwicklung 4-6 Monate
  4. Motorische Entwicklung 7-9 Monate
  5. Motorische Entwicklung 10-12 Monate
  6. Grobmotorik fördern: Tipps
  7. Feinmotorik fördern: Tipps
 

Motorische Entwicklung verläuft unterschiedlich

Für alle Meilensteine in der motorischen Entwicklung gilt: Sie können von Kind zu Kind zu ganz unterschiedlichen Zeitpunkten auftreten. Jedes Kind ist einzigartig und das spiegelt sich auch in seiner Entwicklung wieder. Der nachfolgende Überblick bezieht sich darauf, in welchem Alter Babys die entsprechenden Entwicklungsschritte frühestens machen – lassen sie länger auf sich warten, ist das noch kein Grund zur Beunruhigung.

 

Motorische Entwicklung 0-3 Monate

Grobmotorik

  • Beim Neugeborenen zum größten Teil unwillkürliche Bewegungen: Reflexe wie Saug-, Schluck- und Greifreflex 
  • Ab dem zweitem Monat kräftiges Strampeln zur Kommunikation (Freude, Aufregung, Nervosität, Müdigkeit) und zum Muskeltraining
  • Mit drei Monaten den Kopf in Bauchlage und auf dem Arm selbstständig halten
  • Ab drei Monaten auf die Seite drehen

Feinmotorik

  • Ab dem zweiten Lebensmonat Greifen üben – mit etwa acht Wochen wird das Greifen gezielter
  • Mit drei Monaten die Finger zum Mund führen, um an ihnen zu saugen.
 

Motorische Entwicklung 4-6 Monate

Grobmotorik

  • Ab vier Monaten gezielt greifen
  • Ab etwa fünf Monaten vom Bauch auf den Rücken drehen
  • Mit fünf bis sechs Monaten in Bauchlage überstrecken und durch Rudern der Arme und Beine im Kreis drehen
  • Mit sechs Monaten in Rückenlage Füße in die Hand oder in den Mund nehmen
  • Im Vierfüßlerstand wippen als Training für das Krabbeln
  • Mit sechs Monaten erste Versuche zu krabbeln oder robben

Feinmotorik:

  • Immer bessere Hand-Mund-Koordination
  • Hände in Rückenlage vor dem Gesicht zusammenführen
  • Ab vier Monaten erster Handwechsel beim Greifen
  • Ab fünf Monaten in Bauchlage greifen
 

Motorische Entwicklung 7-9 Monate

Grobmotorik:

  • Ab sieben Monaten vom Rücken auf den Bauch drehen
  • Ab acht Monaten selbstständig aufsetzen
  • Ab neun Monaten Hochziehen und erste Schritte

Feinmotorik:

  • Ab etwa acht Monaten Buch umblättern
  • Mit 9-10 Monaten Pinzettengriff anwenden (kleine Gegenstände mit Daumen und Zeigefinger aufheben)
  • Gegenstände fallen lassen
 

Motorische Entwicklung 10-12 Monate

Grobmotorik:

  • Tanzen
  • Frei gehen möglich

Feinmotorik:

  • Winken und klatschen 
  • Bauklötze stapeln
  • Erstes eigenständiges Essen mit dem Löffel
 

Grobmotorik fördern: Tipps

  • Tragetuch: Im Tragetuch kann das Baby von Anfang an die Bewegungen der Mutter miterleben und lernen, sich im Raum zu orientieren.
  • Lagewechsel: Liegt der Säugling auf der Krabbeldecke, wechseln Sie seine Körperposition zwischen der Bauch- und Rückenlage ab. So kann er mal seinen Körper erkunden und mit seinen Händen spielen und mal seine Familienmitglieder beobachten; beim Strampeln und „Rudern“ kann er verschiedene Muskeln trainieren. Der Autositz schränkt die Bewegungsfähigkeit des Babys ein – das Baby sollte nur darin sitzen, wenn es nicht anders geht.
  • Abwechslung bieten: Babymassage, Babyturnen und Baden bieten dem Baby unterschiedliche Umgebungen und Anreize, seine Muskeln auszuprobieren – und stärken nebenbei die Eltern-Kind-Bindung.
  • Sicheren Platz zum Krabbeln und Robben schaffen: Entfernen Sie Gefahren aus dem Raum, in dem Ihr Baby seine neue Mobilität erprobt, sodass es Platz hat zu trainieren. Krabbeltunnel oder kleine Hindernisse können das „Training“ noch abwechslungsreicher und spannender machen.
  • Ausflüge in die Natur: Auf dem Waldboden krabbelt es sich anders als im Wohnzimmer – lassen Sie Ihr Baby verschiedene Umgebungen erkunden. 
 

Feinmotorik fördern: Tipps

  • Anreize zum Greifen bieten: Wenn das Baby zufrieden auf dem Rücken liegt, weckt ein vor ihm hingehaltener Gegenstand seine Neugier und es möchte danach greifen. Bieten Sie ihm Abwechslung – ein Greifball, ein Stoffbuch, eine Rassel oder Mamas Finger.
  • Mit dem Essen spielen lassen: Lassen Eltern Ihr Baby den Brei alleine essen, ist das Ergebnis eine riesengroße Schweinerei. Doch das Baby trainiert dabei seine Feinmotorik: Es schmiert mit dem Brei auf dem Tisch und lernt dabei, dass es „Spuren hinterlassen“ kann – die erste Vorstufe des Malens.
  • Fingerfood anbieten: Im zweiten Lebenshalbjahr mag das Baby Fingerfood wie weich gekochte Möhren, Avocado oder Bananen. Mit den Fingern zu essen macht Spaß und fördert die Feinmotorik.

Quellen:
Largo, Remo H. (2019): Babyjahre, München: Piper Verlag.

Das könnte Sie auch interessieren
Themen
Copyright 2020 praxisvita.de. All rights reserved.