Motopädie: Was ist das?

Bettina Micka Medizin- und Wissenschaftsjournalistin

Motopädie ist eine Behandlungsmethode bei Leistungs-, Wahrnehmungs- und Verhaltensstörungen von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Die Methode beruht auf der Wechselwirkung zwischen dem Körper in Bewegung und der Psyche. Daher ist Bewegung der zentrale Ansatz des Therapiekonzeptes.

Kind macht Sport
Motopädie ist eine ganzheitliche Präventions- und Therapiemethode für Menschen, die in ihren Wahrnehmungs- und Bewegungsfunktionen eingeschränkt sind Foto:  iStock/dekiart
Inhalt
  1. Was ist Motopädie?
  2. Wann kommt Motopädie zum Einsatz?
  3. Was kann Motopädie für Kinder leisten?
 

Was ist Motopädie?

Motopädie wird als präventive und therapeutische Methode bei Leistungs-, Bewegungs- Wahrnehmungs- und Verhaltensstörungen bei Menschen aller Altersgruppen eingesetzt. Die Methode wurde Mitte der 1950er Jahre von dem Sportpädagogen Ernst J. Kiphard gemeinsam mit den Kinder- und Jugendpsychiatern Elisabeth Hecker und Helmut Hünnekens entwickelt. Ursprünglich war Motopädie eine für Kinder und Jugendliche konzipierte Therapie.

Es gibt heute zwei Richtungen mit unterschiedlichem Schwerpunkt: die pädagogisch-vorbeugende und die therapeutisch-rehabilitierende. Zur Frage „Motopädie – was ist das?“ lässt sich also sagen: Die Methode ist ganzheitlich – sie berücksichtigt die Einheit von Körper, Bewegung, Psyche und Umwelt eines Menschen. Die Motopädie setzt nicht bei den Defiziten eines Klienten an, sondern bei seinen Ressourcen. Sie verbindet psychologische, pädagogische, sport- und erziehungswissenschaftliche Inhalte mit medizinischen Erkenntnissen und Methoden. 

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Wann kommt Motopädie zum Einsatz?

Ziel der motopädischen Förderung sind die Verbesserung und Erweiterung..

  • der Wahrnehmungsverarbeitung und -integration,
  • des Körpererlebens und der emotionalen Ausdrucksfähigkeit,
  • der Bewegungsmöglichkeiten und
  • der geistigen Abläufe und des Lernvermögens

Motopäden entwickeln dafür differenzierte Wahrnehmungs- und Bewegungsangebote für Einzelne oder auch Gruppen. Motopädie wird zum Beispiel eingesetzt in Beratungs- und Frühförderstellen, Psychiatrien, Therapiezentren, klinischen Einrichtungen mit speziellen Abteilungen wie Psychiatrie und Psychosomatik, integrativen Kitas, heilpädagogischen Einrichtungen, sozialpädiatrischen Zentren, Förderschulen, Ganztagsgrundschulen, Senioren- und Pflegeheimen.

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Was kann Motopädie für Kinder leisten?

Motopädie eignet sich für Kinder, die durch Bewegungs- und Wahrnehmungsstörungen in ihrer körperlichen und seelischen Entwicklung beeinträchtigt sind und infolgedessen Probleme beim Lernen und im Sozialverhalten haben. Es ist Ziel der Motopädie, Kinder bei der (Weiter-) Entwicklung eines positiven Selbstwertgefühls zu unterstützen, sodass sie selbstständiger werden und ihre Wahrnehmungsfähigkeit verbessern.

Bei spielerischer und sportlicher Aktivität lernen die Kinder durch Motopädie, ihren eigenen Körper besser zu spüren, Stärken und Schwächen genauer einzuschätzen. Zudem lernen sie, die Grenzen anderer wahrzunehmen und zu respektieren. Bewegungsangebote im Rahmen der Motopädie können beispielsweise Klettergärten oder Trampolinspringen sein.

Meist werden die Eltern intensiv mit einbezogen, etwa durch Gespräche, in denen die Motopäden mehr über das soziale Umfeld des Kindes erfahren. Typisch für eine Motopädie-Behandlung sidn Beratungen zu Erziehungsfragen und Eltern-Kind-Stunden, in denen die Eltern bei gemeinsamen Aktivitäten ein besseres Verständnis für die Probleme ihrer Kinder entwickeln können.

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Quellen:

Berufsbild Motopäde, in Motopädie Schule

Motopädie, in: Das Kita-Handbuch 

Motopädie (Psychomotorik), in Werner Otto Institut

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