Morbus Basedow:"Die Schilddrüse brachte mich fast um!"

Dank der Traditionellen Chinesischen Medizin konnte Angelika Müller die Schilddrüsenkrankheit Morbus Basedow in den Griff bekommen
Dank der Traditionellen Chinesischen Medizin konnte Angelika Müller die Schilddrüsenkrankheit Morbus Basedow in den Griff bekommen © shutterstock

Eine Fehlfunktion des winzigen Organs hat Angelika Müller (36) fast das Leben gekostet: Sie litt an der Schilddrüsenkrankheit Morbus Basedow.

Schon mit 14 Jahren fielen Angelika Müller büschelweise die Haare aus – ein Albtraum! Herzstechen, ständige Bauchschmerzen und hochgradige Nervosität veranlasste ihre Mutter, sie zum Hausarzt zu schicken. "Doch der fand die Ursache nicht und meinte, das sei vom Stress. Doch ich hatte gar keinen Stress", erinnert sich die Kinderbuchberaterin. Erst zwei Jahre später, als ihre Augen schmerzhaft hervorquollen, zeigte sich bei einem erneuten Bluttest: Angelika litt an der Autoimmun-Erkrankung Morbus Basedow, der hochgradigen Überfunktion der Schilddrüse.

 

Lebensgefährliche Krise endet knapp

"Ich konnte nur noch mit einer Sonnenbrille herumlaufen, hatte permanent Schweißausbrüche und extreme Gedächtnislücken", erzählt die junge Frau aus Crailsheim im Schwarzwald. Mit 17 Jahren musste sie die Fachoberschule abbrechen, weil sie sich an fast nichts mehr erinnern konnte. Das Medikament, das ihr verschrieben wurde, zeigte keine Wirkung. Ständig musste sie zum Arzt, ständig wurde ihr Blut abgenommen – doch die Schilddrüsenwerte blieben sehr schlecht. Durch das stetige Herzrasen war die junge Frau so kurzatmig, dass sie keine Treppe mehr steigen konnte, ohne nach Luft zu japsen. Eine Operation kam nicht in Frage, da die Schilddrüse zu aktiv war. Sie kann erst teilweise chirurgisch entfernt werden, wenn die Medikamente anschlagen. "Außerdem hatte ich Angst, dass meine Stimmbänder beschädigt werden", gibt Angelika zu.

 

Die Hoffnung auf ein Kind war zerstört

Wie ein Schock allerdings wog für Angelika, dass eine Schwangerschaft sehr schwierig würde. Denn: "Ich war am Boden zerstört, als kinderlieber Mensch wollte ich so gern eigene Kinder!". Im November 1998 brach sie zusammen und wurde mit dem Notarzt ins Krankenhaus eingeliefert. "Ich hatte eine sogenannte thyreotoxische Krise mit Herzrhythmusstörungen. Das war lebensbedrohend", blickt Angelika heute zurück. Ihr Ehemann Bernd war sehr besorgt.

 

Kein Ausweg mehr aus der Krankheit

Im Sommer 2001 wurde klar: Angelika hatte eine Unverträglichkeit gegen das Medikament. Nach jeder Einnahme kämpfte sie mit Bauchschmerzen und Übelkeit. Ihr Arzt schlug ihr daraufhin vor, es mit Traditioneller Chinesischer Medizin (TCM) zu probieren. "Ich wollte alles versuchen – auch, wenn ich nicht an so etwas glaube". Zunächst behandelte ihr Hausarzt sie nach den Regeln der Traditionellen Chinesischen Medizin, doch bald zeigte sich, dass Angelika besser in einer Spezialklinik aufgehoben wäre.

Schilddrüsenüberfunktion

Die Zahl der Menschen, die an einer Schilddrüsenüberfunktion leiden, ist in Deutschland sehr hoch. Die Ursache der als Morbus Basedow bezeichneten Krankheit ist unklar. Die Autoimmunerkrankung führt dazu, dass Antikörper gegen das Schilddrüsengewebe gebildet werden. Sie heizen die Produktion der Schilddrüsenhormone an. Medikamentös kann die Überfunktion durch Carbimazol gehemmt oder mittels Radio-Jodtherapie unterbunden werden. Schlagen die Medikamente an, wird per Operation der größte Teil des Drüsengewebes entfernt. Die Schilddrüse reguliert den gesamten Hormonhaushalt, unter anderem die Produktion der Geschlechtshormone. Diese ist bei einer Überfunktion im Ungleichgewicht oder ganz außer Kraft gesetzt. Eine Schwangerschaft wird damit unwahrscheinlich. Kommt es zu einer Überschwemmung des Körpers mit Schilddrüsenhormonen, droht eine thyreotoxische Krise: gefährliche Herzrhythmusstörungen, hohes Fieber und extremer Bluthochdruck. Ein Drittel bis die Hälfte der Patienten verstirbt an den Folgen dieser Krise.

 

Die Herzstiche waren wie weggeblasen

Im September 2001 ließ sich Angelika für drei Wochen in die Klinik am Steigerwald in Gerolzhofen einweisen. "Ich war überrascht: Die Ärzte fragten mich, wie die Schwangerschaft meiner Mutter war, wie meine Geburt ablief und welche Kinderkrankheiten ich hatte", berichtet sie. "Erst nach dieser Anamnese erstellen wir ein individuelles Behandlungskonzept", erläutert Dr. Christian Schmincke, Buchautor und ärztlicher Leiter der Klinik. Angelika erhielt chinesische Arzneien. Die auf ein Milligramm genau zusammengestellten Pflanzenteile kochte sie erst unter Anleitung, später dann selbst als Sud ab und trank das sogenannte Dekokt in kleinen Schlucken, jeden Tag. "Mit diesen exakt zusammengestellten Arzneien holen wir die Krankheit aus der Tiefe an die Oberfläche", erklärt Dr. Christian Schmincke. Zudem bekam Angelika Müller auch noch Shiatsu- Massage. "Dieses Drücken, Schieben und Rütteln tat mir gut. Ich konnte plötzlich so viel schlafen, wie nie zuvor", spürte Angelika bereits die Veränderungen in ihrem Körper. Die Ruhe, die Abkehr vom hektischen Alltag und die ausgedehnten Spaziergänge empfand sie als zusätzliche Wohltat. Drei Wochen später zeigte sich der Erfolg: "Meine Aufregung und Nervosität, die Herzstiche – alles war wie weggeblasen", sagt sie.

 

Gleich zwei Mal wurde sie schwanger

Ende 2002 brauchte Angelika keine Dekokte mehr, die sie sich bis dahin zu Hause zubereitet hat. "Ich fühlte mich wie neugeboren. Freunde sprachen mich an und sagten, ich sei so ruhig geworden", erzählt sie. Bei einer Kontrolluntersuchung stellte ihr Arzt fest: "Sie sind ein medizinisches Phänomen! Sie haben eine Schilddrüsenunterfunktion". Als Angelika im Januar 2005 von ihrer Schwangerschaft erfuhr, gab es keine größere Freude mehr. "Unser Sohn ist wirklich ein Wunschkind. Das ist wie Weihnachten und Geburtstag zusammen!", strahlt Angelika. Doch das Glück setzt sogar noch einen drauf. Im Oktober 2007 wurde Angelika zum zweiten Mal schwanger.

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