Mögliche Ebola-Medizin: Das Blut der Überlebenden

Blutspende
Das Blut Überlebender könnte andere Ebola-Patienten retten © Fotolia

Mediziner diskutieren eine neue Therapiemethode für Ebola-Patienten: Welche Rolle die Überlebenden der Epidemie dabei spielen, erfahren Sie hier.

Zwei Wochen nachdem er seine Ebola-Erkrankung überstanden hat, ist der Brite Will Pooley in die USA geflogen, um seinen Kollegen zu retten. Der amerikanische Arzt ist ebenfalls an Ebola erkrankt – eine Blutspende von Will Pooley soll ihn nun heilen. Die beiden hatten zuvor im selben medizinischen Zentrum in Sierra Leone gearbeitet.

 

Antikörper als Medizin

Im Kampf gegen die Krankheit hat Will Pooleys Körper Abwehreiweiße, sogenannte Antikörper, gebildet – injiziert in das Blut des amerikanischen Arztes könnten sie dessen Genesung herbeiführen.

Die Methode ist noch nicht großflächig erprobt, in Einzelfällen hat sie aber schon zu Heilungserfolgen geführt. Der US-amerikanische Arzt Kent Brantly erhielt nach seiner Ebola-Ansteckung in Liberia eine Blutspende von einem 14-jährigen Jungen, der die Krankheit überlebt hatte. Kent Brantly wurde wieder gesund – allerdings war er zuvor mit dem noch nicht zugelassenen Medikament ZMapp behandelt worden. Es ist also unklar, welche der beiden Maßnahmen zur Genesung führten. Auch in früheren Fällen von Ebola-Erkrankungen in den Jahren 1976 und 1995 zeigte die Behandlung mit Überlebenden-Blut Erfolge.

 

Umsetzung in Westafrika umstritten

Unter den Medizinern ist die Blutspende umstritten. Einige drängen auf ihren großflächigen Einsatz – andere haben Zweifel bezüglich ihrer Wirksamkeit und ihrer Umsetzung in Westafrika. Die erste Herausforderung ist das Fehlen ausreichend vieler Spender: Wöchentlich erkranken zurzeit mehr Menschen an Ebola, als es Überlebende gibt.

Ein weiteres Hindernis ist der logistische und organisatorische Aufwand: Jede Blutspende müsste erst gekühlt, einer Blutgruppe zugeordnet und auf Krankheitserreger wie HIV, Hepatitis B und Malaria getestet werden. Viele Mediziner beschreiben die derzeitigen Zustände in Westafrika als chaotisch und halten einen derartigen Aufwand für nicht umsetzbar.

 

Bluthandel auf dem Schwarzmarkt

Auf dem westafrikanischen Schwarzmarkt wird bereits ein Serum angeboten, das aus dem Blut von Überlebenden hergestellt wurde. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt davor: Es könnte zur Verbreitung anderer Infektionen führen. Die Organisation setzt sich dafür ein, den illegalen Handel zu unterbinden.

Derweil hat der UN-Sicherheitsrat Ebola als „Gefahr für Frieden und Sicherheit in der Welt“ eingestuft. In einer einstimmig beschlossenen Resolution fordert er mehr Nothilfen aus dem Ausland.

Hamburg, 19. September 2014

Das könnte Sie auch interessieren
Themen
Copyright 2018 praxisvita.de. All rights reserved.