Moderne Therapie lindert Clusterkopfschmerzen

Redaktion PraxisVITA
Moderne Therapie lindert Clusterkopfschmerzen
Heide kann wieder lachen: Dank der modernen Therapien muss sie heute keinen Clusterkopfschmerz mehr länger als zehn Minuten ertragen © Fotolia

Clusterkopfschmerz beginnt ohne Vorwarnung, oft während des Schlafs. Die Symptome: extrem starke Schmerzen, meist pochend oder bohrend. Die Betroffenen fühlen sie immer auf derselben Kopfseite. Erfahren Sie hier, welche Methode den Clusterkopfschmerz bereits nach 10 Minuten verschwinden lassen kann.

Heide Jannecks* Vorfreude ist groß – zum ersten Mal seit 20 Jahren plant sie einen Urlaub! Der Grund dafür, warum die 41-Jährige so lange mit dem Verreisen gewartet hat, ist eine schwere Krankheit. Früher wäre das Risiko zu hoch gewesen, unterwegs vom Clusterkopfschmerz überfallen zu werden – dem schlimmsten Kopfschmerz, den es gibt. An den ersten Anfall erinnert sich die Angestellte genau. Während einer Autofahrt spürte sie plötzlich einen stechenden Schmerz hinter dem Auge. Nach einer Stunde verschwand er zwar, kehrte in den folgenden Monaten aber ständig wieder zurück. Die Symptome betrafen immer nur eine Gesichtshälfte und wurden schließlich so stark, dass es kaum mehr auszuhalten war: Sie wirkten wie ein Hieb mit einem Beil. Das Auge rötete sich und tränte, die Nase begann zu laufen. Ein bis zwei Stunden dauerten die Anfälle, die Heide Janneck nun jede Nacht gegen drei Uhr aus dem Schlaf rissen. Sie machten einen normalen Alltag unmöglich. Zu allem Unglück stellten die Mediziner, die Heide Janneck aufsuchte, falsche Diagnosen. Sie vermuteten einen Schlaganfall, Gehirntumor oder Erkrankungen von Augenmuskeln – erst nach vier Jahren erkannte ein Notarzt den Clusterkopfschmerz.

 

Der Biorhythmus ist bei Patienten mit Clusterkopfschmerzen aus dem Takt

Ihren Namen bekam diese Krankheit, weil sie wochenlang gehäuft (das englische Wort „cluster“ bedeutet Anhäufung) immer zur selben Uhrzeit auftritt, um die Betroffenen dann einige Monate in Ruhe zu lassen. Über die Ursachen gibt es nur Vermutungen: Entzündungen in Blutbahnen des Hirns und Störungen des Hormonhaushalts werden verantwortlich gemacht. Eine neuere Theorie besagt: Der so genannte Biorhythmus, der körperliche Vorgänge nach einer inneren Uhr regelt, könnte bei den Patienten aus dem Takt geraten sein. Die Ärzte wussten nun, unter welcher Krankheit Heide Janneck litt, doch dies half ihr vorerst wenig: Sie schluckte viele Medikamente – Acetylsalicylsäure und Paracetamol gegen Schmerzen, Johanniskraut gegen seelische Tiefs und zwei Mittel, die eigentlich nur bei Migräne helfen. Trotzdem kehrte die Krankheit immer wieder zurück. In diesen Zeiten erlitt die Frau innerhalb von vier Wochen mehrere Clusterkopfschmerz-Attacken täglich. Ihre Erfahrungen ähneln denen anderer Betroffener: Viele Ärzte wissen über die richtige Behandlung der quälenden Symptome zu wenig Bescheid. Deshalb ist es wichtig, sich an Mediziner mit schmerztherapeutischer Ausbildung zu wenden.

 

Die Therapie mit Sauerstoff unterstützt die Clusterkopfschmerz-Behandlung

Heide Janneck schilderte endlich den Experten von der Kopfschmerzambulanz der Universitätsklinik Essen ihren Fall. Hier hatte sie zum ersten Mal das Gefühl, dass Ärzte sich mit ihrer Krankheit gut auskennen. Sie empfahlen ihrer Patientin, Entzündungsherde durch eine mehrwöchige Cortison-Behandlung einzudämmen. Auf diese Weise wollten sie die Anfälligkeit für Kopfschmerzen senken. Cortison kann bei langfristiger Einnahme Nebenwirkungen wie Knochenbrüchigkeit und Bluthochdruck haben, ist kurzfristig angewandt allerdings unbedenklich. Zusätzlich machte Heide Janneck eine Sauerstofftherapie. „Bei einigen Patienten verschwinden die Cluster-Schmerzen, wenn sie bei den ersten Anzeichen hundertprozentigen Sauerstoff über eine Gesichtsmaske einatmen“, erklärt die Neurologin Dr. Astrid Gendolla von der Schmerzambulanz. Sauerstoffbehandlungen kann jeder Cluster-Patient auch bei sich zu Hause durchführen – Atemmasken gibt es in Apotheken.

 

Schon nach zehn Minuten verschwindet der Clusterkopfschmerz

Um Anfälle sicher zu stoppen, bekam Heide Janneck zusätzlich Medikamente. Vor allem Triptane, die ursprünglich gegen Migräne entwickelt wurden. Sie lernte, sich die Mittel selbst unter die Haut zu spritzen. Dann tritt bei schweren Anfällen am schnellsten Erleichterung ein. Bewährt hat sich außerdem die Methode, ein lokales Betäubungsmittel direkt auf die Nasenschleimhaut zu träufeln.

Dank der modernen Therapien muss Heide Janneck heute keinen Kopfschmerz mehr länger als zehn Minuten ertragen. Anderen will sie mit ihren Erfahrungen Mut machen und gründete deshalb inzwischen eine Selbsthilfegruppe.

*Name von der Redaktion geändert

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