Mobbing: Was bedeutet das für Betroffene?

Michelle Kröger

Es kann in der Schule, an der Uni oder am Arbeitsplatz passieren: Mobbing. Ob verbal, non-verbal oder körperlich: Mobbing setzt Betroffenen extrem zu und kann sie nicht nur psychisch, sondern auch körperlich krank machen. 

Frau sitzt am Schreibtisch, Kopf in den Händen, Gruppe von Menschen unscharf im Hintergrund
Mobbing am Arbeitsplatz kann zu Kündigung und psychischen Problemen führen Foto:  iStock/praetorianphoto
Inhalt
  1. Ab wann spricht man von Mobbing?
  2. Wie entsteht Mobbing?
  3. Was sind mögliche Mobbing-Handlungen?
  4. Welche Folgen kann Mobbing haben?
  5. Wo kommt Mobbing am häufigsten vor?
  6. Was können Opfer tun?
  7. Was können Außenstehende tun?

Das systematische Fertigmachen belastet Mobbing-Opfer meist so stark, dass sie sich aus dem sozialen Umfeld zurückziehen und vom Rest der Welt isolieren. Welche Auswirkungen kann Mobbing haben? Was können Betroffene und Außenstehende tun?

 

Ab wann spricht man von Mobbing?

Eine einmalige Lästerei oder ein Schubser stellt noch kein richtiges Mobbing dar. Anders sieht es hingegen aus, wenn die Beleidigungen, das Ausgrenzen oder die körperlichen Übergriffe regelmäßig vorkommen. Dann ist von Mobbing die Rede. Dabei haben die Täter immer dasselbe Opfer im Blick und schikanieren mit System.

“In Abgrenzung zu Konflikten und üblichen Ärgernissen am Arbeitsplatz sprechen wir erst dann von Mobbing, wenn feindselige, demütigende Handlungen über einen längeren Zeitraum zielgerichtet und systematisch erfolgen”, sagt Lothar Drat vom Verein gegen psychosozialen Stress und Mobbing (VPSM).

Ein Beispiel? “Das Lästern über eine Person oder die unberechtigte Kritik an der Arbeitsleistung wird erst dann Bestandteil eines Mobbing-Prozesses, wenn es über einen längeren Zeitraum mit dem Ziel oder dem Effekt der Entfernung durch Kündigung oder Selbstkündigung erfolgt.”

 

Wie entsteht Mobbing?

Die Ursachen liegen meistens nicht beim Opfer. Mobbing entstehe laut dem Experten auf dem Hintergrund eines Ursachen-Bündels: “Nicht selten werden auch Personen gemobbt, die eher wegen besonders guter Leistung und hoher Kompetenz auffallen”, betont Lothar Drat.

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Ebenso häufig würde er auch oft auf Teams treffen, die unter einem hohen Leistungsdruck stehen und in denen Neid und Missgunst besonders ausgeprägt sind. “Wenn sich dies in der Organisation mit einer fehlenden gelebten positiven Unternehmenskultur und einem mangelhaften Konfliktmanagement paart, haben wir den idealen Nährboden für Mobbing.”

 

Was sind mögliche Mobbing-Handlungen?

Die Mehrzahl der Handlungen bewegen sich im gezielten Verbreiten von Gerüchten, die im Einzelfall sogar den Tatbestand von Verleumdung und übler Nachrede (Rufmord) erfüllen. “In fortgeschrittenen Prozessen wird in 52 Prozent der Fälle der oder die Betroffene von Beteiligten verdächtigt, psychisch krank zu sein”, schiebt Drat ein. Im Allgemeinen unterscheidet man folgende Mobbing-Arten:

  • Verbales Mobbing: Beschimpfungen und Beleidigungen, die durch Sprache geäußert werden
  • Nonverbales Mobbing: beispielsweise abfällige Blicke, Nachäffen, Ausgrenzen oder Tuscheleien
  • Körperliches Mobbing: regelmäßige Schubsereien, Tritte oder Schläge
 

Welche Folgen kann Mobbing haben?

In jedem Fall ist Mobbing mit Folgen verbunden. Schließlich leiden die Betroffenen extrem unter den Erniedrigungen. Das Opfer fühlt sich allein gelassen, schwach und machtlos. Das Selbstwertgefühl nimmt immer mehr ab. Die Folge: psychische Beschwerden.

Häufig kommt es zu Angstzuständen und/oder Depressionen – vor allem bei lange andauerndem Mobbing. Aber Mobbing kann sich auch körperlich bemerkbar machen. Mögliche Beschwerden sind:

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Ob im Arbeitsumfeld oder in der Schule, die Folgen können laut dem Mobbing-Experten wie folgt aussehen: “Neben der Verschlechterung des Klimas, der Motivation und Leistungsbereitschaft entstehen zum Beispiel in den Unternehmen zunächst erhöhte Betriebskosten durch Fehlzeiten, Krankenstände und Fluktuation.”

Weiterhin könnten auch Wettbewerbsnachteile durch Qualitätsminderung und Schädigung des Ansehens erfolgen. “Betroffene und Beteiligte leiden unter zunehmenden und länger anhaltenden psychosozialen Stress-Faktoren, mit innerer oder tatsächlicher Kündigung”, sagt er.

 

Wo kommt Mobbing am häufigsten vor?

Wissenschaftlichen Forschungen zufolge kommt Mobbing am häufigsten am Arbeitsplatz vor. “Das deckt sich mit unserer 24-jährigen Erfahrung. Sprich: 37.000 Stunden Beratung, Coaching, Schlichtung, Vermittlung, Mediation”, erzählt Drat. Es stehe im Vordergrund, dass zirka 3,5 Prozent der Beschäftigten aktuell davon betroffen sind, jeder Vierte einmal in seinem Berufsleben hiervon betroffen sein wird und “wohl auch jeder sechste Suizid einen Mobbing-Hintergrund hat.”

Lothar Drat erklärt weiterhin, dass Mitarbeiter im sozialen Bereich und im Gesundheitswesen ein noch höheres Risiko tragen als diejenigen, die in Bereichen tätig sind, in denen Leistung nicht klar messbar ist. “Die uns vorliegenden Studien zum Thema ‘Mobbing in der Schule’ erscheinen uns nicht so aussagekräftig. ‘Cyber-Mobbing’ und ‘Mobbing in der Schule’ – das sind aktuell zwei Mode-Begriffe, die in den Medien gut platziert sind”, sagt der Experte.

Trotz vieler Ähnlichkeiten im Hinblick auf die Ursachen und Folgen sieht er hier deutliche Unterschiede zum Thema “Mobbing am Arbeitsplatz”. “Bei den Handlungen steht hier deutlich häufiger die Anwendung von körperlicher Gewalt im Vordergrund. Daneben auch Amokläufe als Folge von Mobbing. Beides rangiert im Bereich ‘Mobbing am Arbeitsplatz’ deutlich tiefer”, gibt Drat zu verstehen.

 

Was können Opfer tun?

Mobbing kann wirklich jeden Menschen treffen. Ob Schulkind, Student oder Arbeitnehmer. Doch nun tut sich in Ihnen sicherlich eine Frage auf: Was tun, wenn ich Opfer von Mobbing werde? Allein kann meist keiner etwas ausrichten. Suchen Sie sich Verbündete. Menschen, die Ihnen zuhören und ihnen den Rücken stärken können. Starke physische und psychische Kräfte, ein gesundes Selbstvertrauen und ein gutes soziales Netzwerk sind gute Rahmenbedingungen, sich zu wehren und zu schützen. 

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“Ein Patentrezept gegen Mobbing gibt es nicht. Es braucht zunächst eine sorgfältige Analyse, der Situation, der beteiligten Personen, der Ursachen. Um die vorhandenen Handlungsspielräume entsprechend zu nutzen und eine Strategie zu entwickeln”, sagt Lothar Drat. Ein guter Leit- und Lehrsatz sei laut dem Experten: Raus aus der reinen Reaktion, rein in die Aktion – so könne man Handlungsgewalt erzielen. Außerdem wichtig: “Frühzeitig Unterstützung holen, bei internen und externen Experten.”

 

Was können Außenstehende tun?

Wer mitbekommt, dass jemand regelmäßig gemobbt und schikaniert wird, der sollte auf keinen Fall wegschauen. Klar, die Gefahr, sich unbeliebt zu machen ist gegeben. Doch kein Grund, um den Mund zu halten oder womöglich entgegen der eigenen Gesinnung mitzumachen.

Wenden Sie sich an andere Unbeteiligte, Führungskräfte oder anderen Vertrauenspersonen. Greifen Sie direkt ein und sprechen Sie die Mobber gegebenenfalls direkt an. Weisen Sie die Personen auf ihr Fehlverhalten hin. Es kann auch helfen, dem Opfer sein Ohr zu schenken. Hören Sie ihnen zu, machen Sie ihnen Mut und helfen Sie, wenn erwünscht.

Quellen:

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