Mittelohrentzündung Kleinkind – wie behandeln?

Dr. med. Nadine Hess

Ist es schlimm, wenn es zu häufigeren Mittelohrentzündungen beim Kleinkind kommt oder das Trommelfell immer wieder kaputt geht? Unsere Expertin Dr. Nadine Hess klärt auf.

Kleiner Junge beim Ohrenarzt
Bei Kleinkindern und Babys kommen Mittelohrentzündungen häufig vor © iStock/SolStock
 

Mittelohrentzündung beim Kleinkind: Das sagt die Kinderärztin Dr. Nadine Hess

Dr. Nadine Hess
Kinderärztin Dr. Nadine Hess erklärt, was bei Mittelohrentzündungen bei Babys und Kleinkindern zu tun ist © Privat

Wiederkehrende Mittelohrentzündungen und chronische Flüssigkeit hinter dem Trommelfell (Seromukotympanon) sind etwas sehr Häufiges in der Kinderheilkunde. Selten betrifft die Mittelohrentzündung Kleinkind und Baby nur einmal – oft tritt sie mehrmals hintereinander auf. Was ist zu tun?

Ein Beispiel aus meiner Praxis: Es stellte sich ein gerade ein Jahr altes Mädchen vor, das bis vor Kurzem mit der Familie in den Niederlanden gelebt hatte. Mehrmals in der Vergangenheit war es dort wegen eines „laufenden“ Ohres behandelt worden – immer wieder hatte sie Mittelohrentzündungen (Otitis media), die das Trommelfell zum Einreißen gebracht hatten und mit antibiotischen Ohrentropfen behandelt werden mussten.Baby beim Ohrenarzt
Bei Kindern kehren Mittelohrentzündungen oft immer wieder© iStock/sdominick

 

Bei Mittelohrentzündung Kleinkind mit Antibiotika behandeln?

Da das Trommelfell gerissen war, konnte lokal-antibiotisch behandelt werden. Bei einer Mittelohrentzündung ohne Trommelfellperforation machen antibiotische Ohrentropfen keinen Sinn, denn das Antibiotikum dringt nicht zum Ort des Geschehens vor. Und Achtung! Verwenden Sie Ohrentropfen – egal welcher Art – bei Verdacht auf eine Trommelfellperforation nur nach vorheriger Absprache mit dem Arzt! Viele Ohrentropfen dürfen bei Trommelfellrissen nämlich nicht angewendet werden, weil sie das Mittelohr schädigen können.

Bei dem kleinen Mädchen war es so oft zu eitrigen Mittelohrentzündungen gekommen, dass nun gehandelt werden musste. Eine ständige antibiotische Therapie, selbst wenn sie in dem Fall nur lokal als Ohrentropfen erfolgte, ist selbstverständlich nicht erstrebenswert. Doch wiederkehrende Entzündungen waren selbstverständlich auch keine Alternative. Was also tun?

Mittelohrentzündung Kleinkind
Wenn Ihr Kleinkind häufig von Mittelohrentzündung betroffen ist, kann eine operative Paukenröhrcheneinlage und/oder Polypenentfernung sinnvoll sein© Fotolia
 

Mittelohrentzündung beim Kleinkind vorbeugen mit Operation?

Bei unserer kleinen Patientin war klar, dass eine Vorstellung bei einem HNO-Arzt erfolgen musste: Eine Operation mit Einlage von Paukenröhrchen und gegebenenfalls eine Polypenentfernung kam in Frage.

Oft befällt die immer wiederkehrende Mittelohrentzündung Kleinkind und Baby aufgrund einer Belüftungsstörung, die durch die sogenannten Adenoide (Polypen) verschlimmert wird. Darum macht es in einigen Fällen Sinn, die Polypen zu kappen, um weiteren Mittelohrentzündungen beim Kleinkind vorzubeugen. Auch bei unserer Patientin wurde die Indikation zur Paukenröhrcheneinlage gestellt. Ob auch eine Adenotomie (Polypen-OP) gleichzeitig stattfinden sollte, würde sich in der OP herausstellen.

 

Spätfolgen durch häufige Mittelohrentzündung: Kleinkind droht Hörverlust

Perforiert ständig das Trommelfell aufgrund von Mittelohrentzündungen, ist beim Kleinkind irgendwann mit Vernarbungen zu rechnen, die das Hörvermögen dauerhaft einschränken können. Zusätzlich kann auch das Mittelohr Schaden nehmen, was ebenfalls zu Schwerhörigkeit führen kann.

Durch die Paukenröhrcheneinlage können keine Sekrete mehr im Mittelohr verbleiben, es kommt in der Regel nicht mehr zu ausgedehnten Entzündungen und die Belüftung des Mittelohres ist ebenfalls verbessert – es gibt einige Bakterien, die keine Luft mögen und sich mit Paukenröhrchen also nicht mehr wohl fühlen. Meist werden Röhrchen eingesetzt, die nach circa sechs Monaten von alleine rausfallen, also ist keine erneute Operation zur Entfernung notwendig.

 
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