Mit offenem Fenster schlafen: 6 überraschende Fakten!

Annika Hansen Medizinredakteurin

Mit offenem Fenster zu schlafen, ist ein großes Streitthema in vielen Schlafzimmern. Ist das gesund – auch im Winter? Nicht immer! Welche Faktoren eine entscheidende Rolle spielen.

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Mit offenem Fenster schlafen: ja oder nein? Darüber streiten sich die Gemüter. Die einen mögen es warm, die anderen meinen, ohne frische Luftzufuhr nicht schlafen zu können. Doch ob es eine gute Idee ist, mit geöffnetem Fenster zu schlafen, hängt von verschiedenen Faktoren ab.

 

Mit offenem Fenster schlafen – ist das überhaupt gesund?

Ob nachts das Fenster geöffnet werden sollte oder nicht, hängt von verschiedenen Faktoren wie Frischluft, Lärm, Temperatur, Pollenbelastung und auch Schimmelbildung ab. Eine pauschale Antwort gibt es nicht und auch aus der Wissenschaft gibt es unterschiedliche Empfehlungen.

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Wichtig ist es deshalb, die eigene Schlafqualität zu beobachten und auf seine Bedürfnisse zu hören: Fühle ich mich morgens ausgeschlafen und erholt? Oder wache ich völlig gerädert auf und bin immer noch müde? Wer schlecht schläft sollte daher prüfen, ob möglicherweise das geöffnete Fenster dafür verantwortlich ist.

 

Nachts mit offenem Fenster schlafen: 6 überraschende Fakten

Mittlerweile klagt etwa jeder dritte Erwachsene in Deutschland über Ein- oder Durchschlafschwierigkeiten – ein Leiden, das auch mit dem geöffneten Fenster zusammenhängen kann. Frische Luft kann aber auch die Schlafqualität fördern. Wer nachts mit offenem Fenster schlafen möchte, sollte diese 6 Fakten kennen.

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1. Mit offenem Fenster schlafen: Halsschmerzen und Erkältung vorprogrammiert?

Hartnäckig hält sich das Gerücht, von kalter Zugluft Halsschmerzen und eine Erkältung zu bekommen. Dafür gibt es aus wissenschaftlicher Sicht keine Hinweise. Vielmehr wird eine Erkältung durch Viren ausgelöst. Richtig ist jedoch, dass Frieren das Immunsystem schwächen kann – und so haben es Krankheitserreger leichter, in den Körper einzudringen.

 

2. Bei Minusgraden mit offenem Fenster schlafen: Ratsam oder nicht?

Fakt ist: Wer friert (oder auch schwitzt), schläft schlechter. Daher sollte das Fenster bei Eiseskälte in Winternächten lieber geschlossen bleiben. Denn wichtig für einen guten Schlaf ist unter anderem, dass die Zimmertemperatur zwar kühl ist, jedoch nicht unter 12 Grad Celsius fällt. Ratsam ist es, tagsüber zwei- bis dreimal mit Stoßlüftung für frische Luft zu sorgen.

Bei sommerlicher Hitze verhält es sich etwas anders: Tagsüber sollten die Fenster geschlossen und der Raum abgedunkelt sein, um die Hitze fern zu halten. Dafür können sie in der Nacht geöffnet werden. So kann der Raum optimal runtergekühlt werden.

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Da jedoch jede:r Kälte und auch Wärme unterschiedlich empfindet, sollte man am besten selbst ausprobieren, bei welchen Minustemperaturen man noch gut schlafen kann.

Gut zu wissen: Laut der US-amerikanischen „Sleep Foundation“ liegt die ideale Schlafzimmertemperatur bei exakt 18,3 Grad Celsius. Säuglinge mögen es etwas wärmer: Bei Babys sind bis zu 20,5 Grad Celsius optimal.

 

3. Frische Luft fördert Schlafqualität

Eine Studie der Technischen Universität Eindhoven aus dem Jahr 2017 kommt zu dem Ergebnis, dass das Fenster in der Nacht offenbleiben sollte. Der Grund: Der Schlaf verbessert sich, wenn die Luftzirkulation gut ist und verbrauchte Atemluft regelmäßig gegen frischen Sauerstoff ausgetauscht wird. In einem geschlossenen Raum ist der Sauerstoffanteil gering und der Stickstoffgehalt steigt entsprechend an – die Folge können Kopfschmerzen und Müdigkeit am Morgen sein.

Frische Luft sorgt also nachweislich für besseren Schlaf: Je niedriger das CO2-Level im Schlafzimmer ist, desto tiefer, effizienter und durchgehender ist der Schlaf.

 

4. Lärm schadet Herz und Kreislauf

Verkehrslärm kann krank machen. Insbesondere kann nächtlicher Lärm ein wesentlicher Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sein, wie Forscher:innen des Zentrums für Kardiologie der Universitätsmedizin Mainz in einer Übersichtsstudie 2020 festgestellt haben. Denn durch den Nachtlärm wird die innere Uhr, die sogenannte zirkadiane Rhythmik, gestört und infolgedessen kommen körperliche Parameter wie zum Beispiel Blutdruck, Appetit oder Körpertemperatur durcheinander. Bei einer gestörten inneren Uhr weiß der Körper nicht mehr, wann Tag oder Nacht ist.

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So beeinflusst Nachtlärm Herz und Kreislauf negativ:

  • Blutdruck erhöht sich
  • Stresshormone werden freigesetzt
  • Entzündungsreaktionen in Gehirn, Herz und Gefäßen werden beeinflusst
  • Gefäße verlieren an Elastizität

Zudem können Depressionen oder Angststörungen entstehen, da der nächtliche Lärm negative Gefühle auslösen kann.

 

5. Bei geöffnetem Fenster steigt die Pollenbelastung

Pollen können durch das geöffnete Fenster ins Schlafzimmer gelangen. Vor allem nachts zwischen zwei und drei Uhr ist die Pollenbelastung im Durchschnitt besonders hoch. Daher sollten Allergiker das Fenster beim Schlafen lieber schließen. Wer dennoch nicht auf Frischluft verzichten kann: Ein Pollenschutzgitter hilft bis zu 85 Prozent, den Blütenstaub fernzuhalten, sodass der Schlaf nicht gestört wird.

Tipp für Allergiker: Die beste Zeit zum Lüften auf dem Land liegt zwischen 19 Uhr und Mitternacht, da die Pollenkonzentration dann am niedrigsten ist. In der Stadt ist die ideale Zeit zwischen 6 und 8 Uhr morgens.

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6. Schlafen mit offenem Fenster: Risiko Schimmelbildung

Während des Schlafens sondert man durch Atmen und Schwitzen etwa einen halben bis zwei Liter Flüssigkeit ab. Infolgedessen nimmt die Luftfeuchtigkeit im Schlafzimmer in der Nacht stark zu. Die Flüssigkeit sammelt sich vor allem an den Fensterscheiben, an den Wänden und an Möbeln im Schlafzimmer. Das Problem: Je höher die Luftfeuchtigkeit, desto eher kann sich unliebsamer Schimmel bilden.

Muss das Fenster also nachts geöffnet sein, um Schimmelbildung zu vermeiden? Nicht unbedingt: Denn wer richtig lüftet – vor allem abends vor dem Zubettgehen und morgens nach dem Aufstehen –, kann Schimmel auch so vorbeugen, ohne nachts bei offenem Fenster schlafen zu müssen.

Das offene Fenster kann vor allem im Winter zum Schimmelproblem werden. Wenn das Schlafzimmer viel kühler ist als der Rest der Wohnung, strömt wärmere Luft aus anderen Räumen dort hinein. Wärmere Luft enthält eine höhere Luftfeuchtigkeit – und zu viel Luftfeuchtigkeit kann zu Schimmel führen und somit die Gesundheit gefährden.

Als Orientierungshilfe: Eine Luftfeuchtigkeit von bis zu 50 Prozent in Räumen ist optimal. Liegt der Wert dauerhaft über 60 Prozent, ist eine Schimmelbildung wahrscheinlich. Mit einem Hydrometer können Sie die Luftfeuchte ganz einfach messen.

Das geöffnete Fenster bei Nacht kann Vor-, aber auch Nachteile haben. Prüfen Sie daher für sich, wie Sie mit offenem Fenster schlafen können und ob Sie morgens ausgeruht sind.

Quellen:

Münzel, T., et. al. (2020). Adverse cardiovascular effects of traffic noise with a focus on nighttime noise and the new WHO noise guidelines. Annual review of public health, 41, 309-328

Mishra, A. K., et.al. (2018). Window/door opening‐mediated bedroom ventilation and its impact on sleep quality of healthy, young adults. Indoor Air, 28(2), 339-351

Best Temperature of sleep, in: sleepfoundation.org

Schimmel im Schlafzimmer, in: verbraucherzentrale-niedersachsen.de

Heuschnupfen Vorbeugung, in: lungenaerzte-im-netz.de

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