Mit der Hypnotherapie durch schwere Lebenskrise

Hypnosetherapie
Die Hypnotherapie kann bei schweren Lebenskrisen helfen. Zudem wird der Blutdruck gesenkt, Magengeschwüre verkleinern sich, und der Pegel an Stresshormonen im Blut nimmt ab © shutterstock
Kapitel
  1. 1. Hypnose als Ausweg aus der Angststörung
  2. 2. Mit Hypnotherapie meisterte sie ihre schwerste Lebenskrise

Hypnose wird von vielen Menschen noch immer mit Skepsis betrachtet. Doch hilft diese Therapieform wirklich bei Krankheiten? Marita Engel meisterte dank dieser Therapie ihre Krankheit. Lesen Sie hier ihre Geschichte.

 

Sie konnte den Stress nicht mehr abbauen

Acht Jahre ist es her, da kam Marita Engel an einen Punkt, an dem nichts mehr ging. Ihr Mann war seit Längerem manisch-depressiv. Seine extremen Stimmungsschwankungen belasteten die Ehe und die gemeinsame Arbeit im Baufachhandel. Abends eilte die sie zu ihrer demenzkranken Mutter, um sie zu pflegen. Intuitiv wusste sie, dass sie dringend einen Ausgleich brauchte, um den Stress in der Familie besser bewältigen zu können. Doch seit ihrer Kindheit litt sie an einer steifen Hüfte. Sport war für sie ein Tabuthema, obwohl eine sanfte Gymnastik für sie sicherlich gut gewesen wäre. Heute sagt sie rückblickend: "Ich wusste eigentlich, dass ich etwas verändern musste, habe aber nicht danach gehandelt." Sie hatte nur noch funktioniert, sich für andere aufgeopfert. Als Ärzte bei ihr einen Gehirntumor entdeckten, zog sie endlich die Notbremse. Wenn du jetzt nichts für dich tust, überlebst du das nicht, dachte sie.

Sie musste ruhiger werden, Stress abbauen. Aber wie? Die Ärzte empfahlen ihr daraufhin eine Hypnotherapie.

 Seit 2006 ist diese Behandlungsmethode wissenschaftlich anerkannt. An der Uni Jena wurden 80 Studien ausgewertet. Das Ergebnis: Hypnotherapie wirkt nicht nur psychisch, etwa bei Ängsten oder Sucht. Auch körperlich lassen sich Veränderungen messen. Hypnose senkt den Blutdruck, verkleinert Magengeschwüre, der Pegel an Stresshormonen im Blut nimmt ab. Selbst bei Operationen nutzen Mediziner diesen schlafähnlichen Zustand, um auf Narkosemittel verzichten zu können.



 

Probleme rückten plötzlich weit weg



Auch Marita Engel unterzog sich der Behandlung. Als sie erstmals in Trance versank, schaffte sie etwas, das ihr seit Jahren nicht gelungen war: Sie konnte loslassen, entspannen. "Ich hatte plötzlich das Gefühl, dass da eine Glaswand ist, an der alle Probleme abprallen", erklärt sie. Plötzlich konnte sie negative Emotionen ausblenden und sich auf das Wesentliche konzentrieren. Auf sich, auf ihren Körper, ihre Gesundheit. "Ich wollte meine Selbstheilungskräfte wecken", berichtet sie. Sie war sich sicher: Nur so würde sie die Operation am Gehirn überstehen.



 

Die Knoten in der Seele wurden gelöst



Hilfe fand Marita Engel bei ihrer Hypnotherapeutin. Wenn sie Patienten in Trance versetzt, entspannen sie auf einer bequemen Liege, in einem spartanisch eingerichteten Raum mit fliederfarbenen Wänden. Es duftet nach indischem Tee, im Hintergrund erklingt Harfenmusik. "Es ist mir ganz wichtig, dass Patienten sich hier wohlfühlen", sagt sie. Vertrauen schaffen, das sei der Schlüssel zur erfolgreichen Hypnotherapie. Mit Marita Engel gab es mehrere Vorgespräche. Darin ging es nicht nur um ihre Erkrankung, sondern auch um private Dinge. Ihre Therapeutin wollte Marita Engel die Angst nehmen. "Unter Hypnose sind Menschen anfällig für Suggestionen", sagt sie. Der Verstand ist ausgeschaltet, oft treten verdrängte Erinnerungen zutage, die uns unbewusst belasten oder blockieren. In Trance ließen sich Ängste recht gut positiv beeinflussen.


 

Der Angst begegnen

Rund zwei Stunden dauert jede Sitzung. In dieser Zeit sind die Patienten ganz bei sich, die Therapeutin wandert mit ihnen an Orte in der näheren oder ferneren Vergangenheit. Gespräche unter Hypnose bringen oft erstaunliche Dinge hervor. "Meist sind es Erlebnisse, die einem im Alltag gar nicht so bewusst sind. Belastungen, die unter Hypnose deutlicher werden." 

So war es auch bei Marita Engel, als sie erzählte, dass sie früher wegen ihrer Unsportlichkeit gehänselt wurde. "Du bist so ungelenkig und faul", hieß es oft. Dabei war eine Schiefstellung des Beckens der eigentliche Grund. Erst mit 20 konnte sie behandelt werden. Zurück blieb das mangelnde Vertrauen in die eigenen motorischen Fähigkeiten. Daraus hatte sich bei ihr die Angst vor dem Treppensteigen entwickelt. "Ohne die Hypnotherapie hätte ich diese schwere Zeit nicht durchgestanden", sagt Marita Engel. Sie hatte Glück: Der Gehirntumor konnte vollkommen entfernt werden. Durch die Therapie gewann sie außerdem ihre Souveränität zurück. "Ich hatte mich bei den Verpflichtungen, die ich eingegangen war, selbst vergessen", sagt sie.

 

Grenzen setzen

Als es ihr gesundheitlich besser ging, brachte sie den Mut auf, Grenzen zu setzen. Sie trennte sich von ihrem Mann, schied aus der Firma aus. Bei der Betreuung ihrer Mutter unterstützen sie jetzt Pfleger. "Seither verstehen wir uns auch wieder richtig gut", sagt sie. Dass sie ungelenkig sei, lässt sie sich heute von niemandem mehr einreden – und steigt täglich die Treppen zu ihrer neuen Wohnung hinauf.


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