Misgav-Ladach-Methode: Die sanfte Kaiserschnitt-Methode

Michael van den Heuvel Medizin- und Wissenschaftsjournalist

Im Vergleich zum herkömmlichen Kaiserschnitt gilt die Misgav-Ladach-Methode bei Gynäkologen als sanfte Technik. Der Eingriff geht schneller und die Heilung verläuft meist problemloser. Aber nicht für jede Frau eignet sich diese Methode.

Bauch, Kaiserschnitt
Die Misgav-Ladach-Methode ist eine sanfte Technik beim Kaiserschnitt Foto:  iStock/dashamuller
Inhalt
  1. Wie funktioniert die Misgav-Ladach-Methode?
  2. Was sind die Vorteile der Misgav-Ladach-Methode?
  3. Bei welchen Frauen eignet sich die Misgav-Ladach-Methode nicht?

Die Misgav-Ladach-Methode gilt wohl als Meilenstein bei Kaiserschnitt-Geburten. Noch vor 100 Jahren starben die meisten Frauen bei Kaiserschnitten. Ab dem Beginn des 20. Jahrhunderts verbesserten sich Operationstechniken und Techniken zur Desinfektion immer weiter.  

Heute zählen Kaiserschnitte zu den Routineeingriffen mit geringem Risiko. Dennoch erholen sich manche Patientinnen nur langsam und haben nach der Operation Schmerzen. Am Misgav-Ladach-Krankenhaus in Jerusalem (Israel) wurde deshalb ab 1994 ein neues, schonenderes Verfahren entwickelt und über die Jahre weiter verbessert. Auch in Deutschland wird die Misgav-Ladach-Methode eingesetzt. 

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Wie funktioniert die Misgav-Ladach-Methode?

Wie genau funktioniert die Misgav-Ladach-Methode? Der Chirurg beginnt mit einem rund zwölf Zentimeter langen horizontalen Hautschnitt oberhalb des Schambeins. Dabei schneidet er – anders als beim klassischen Kaiserschnitt – tiefere Gewebeschichten nur leicht ein, ohne diese zu durchtrennen. Dann zieht er diese Schichten auseinander. Durch diesen Trick bleiben Nerven und Blutgefäße weitgehend intakt. Die Gebärmutter wird mit einem kurzen Schnitt geöffnet, und das Kind herausgezogen.

Dann wird die Gebärmutter inklusive der sie umgebenden Bindegewebshülle vernäht. Bauchfell, Muskulatur und Fettgewebe muss der Operateur aber nicht künstlich schließen, weil diese Schichten nicht durchtrennt werden. 

Foto: iStock
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Was sind die Vorteile der Misgav-Ladach-Methode?

Bei der Misgav-Ladach-Methode werden im Vergleich zum normalen Kaiserschnitt weniger biologische Strukturen, wie Muskeln, Nerven oder Blutgefäße, durchtrennt. Auch ist das Risiko geringer, dass die Blase oder der Darm in Mitleidenschaft gezogen werden. Komplikationen treten seltener auf, sodass weniger Folgeeingriffe durchgeführt werden müssen.

Die Operationszeit ist mit 15 Minuten deutlich kürzer als bei normalen Kaiserschnitten mit 20 bis 30 Minuten. Das heißt, Patientinnen werden durch die Narkose weniger belastet. Zudem können sie das Krankenhaus in der Regel schneller verlassen. Während der Heilungsphase haben sie meist weniger Schmerzen und benötigen auch weniger Schmerzmittel.

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Bei welchen Frauen eignet sich die Misgav-Ladach-Methode nicht?

In Deutschland setzen Gynäkologen die Misgav-Ladach-Methode bei geplanten Kaiserschnitten ein. Sie eignet sich nicht bei Frauen mit Vorerkrankungen oder mit früheren Operationen im Bereich des Bauchraums. Daher ist eine gründliche Beratung und Untersuchung im Vorfeld erforderlich. Entscheiden sich Ärzte für Notfallkaiserschnitte, setzen sie die Misgav-Ladach-Methode eher selten ein.

Quellen

Gätje, Regine et al. (2015): Kurzlehrbuch Gynäkologie und Geburtshilfe, Stuttgart: Thieme-Verlag.

Rath, Werner & Strauss, Alexander (2017): Komplikationen in der Geburtshilfe, Berlin: Springer-Verlag.

Weber, Stefanie (2017): BASICS Gynäkologie und Geburtshilfe, München: Elsevier/Urban&Fischer.

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