Minipille: Wirkstoffe, Anwendung und Nebenwirkungen

Michelle Kröger

Wie wirkt die Minipille? Was ist bei der Einnahme zu beachten und welche Nebenwirkungen sind möglich?

Eine Frau hält eine Pillenpackung in den Händen
Anders als andere Anti-Baby-Pillen enthält die Minipille kein Östrogen Foto:  iStock/RattankunThongbun
Inhalt
  1. Minipille: Unterschied zur Mikropille
  2. Wie wirkt die Minipille?
  3. Minipille-Einnahme: so geht sie richtig
  4. Minipille absetzen: Was ist zu beachten?
  5. Welche Vorteile und Nachteile hat die Minipille?
  6. Für wen ist die Minipille geeignet?
  7. Minipille: Nebenwirkungen, die auftreten können
 

Minipille: Unterschied zur Mikropille

Die Minipille zählt wie jede Antibabypille zur Klasse der hormonellen Verhütungsmittel. „Allerdings unterscheidet sie sich im Vergleich zur klassischen Kombi- oder Mikropille darin, dass sie nur aus einem Hormon, dem Gestagen, besteht”, sagt der Hamburger Frauenarzt Prof. Dr. med. Kai J. Bühling. Die Minipille ist somit östrogenfrei und generell niedriger dosiert als andere Präparate. Folgende zwei Arten werden unterschieden:

  • Erste Generation: Minipille mit Levonorgestrel
  • Zweite Generation: Minipille mit Desogestrel
 

Wie wirkt die Minipille?

Je nach Generation der Minipille unterscheidet sich auch ihre Wirkung. Das in beiden Präparaten enthaltene Gestagen sorgt wie auch bei der Mikropille dafür, dass sich der Schleim im Gebärmutterhals verdickt und zähflüssiger wird, sodass keine Spermien in die Gebärmutter eindringen können. Außerdem verhindert das Gestagen den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut. Das Desogestrel-Präparat hemmt den Eisprung und wirkt dementsprechend exakt wie die Kombipille. Bei Präparaten mit Levonorgestrel wird der Eisprung nicht unterdrückt.

 

Minipille-Einnahme: so geht sie richtig

Die Minipille wird durchgenommen. Das bedeutet, dass die siebentägige Einnahmepause entfällt. Außerdem enthält jede Tablette dieselbe Hormonkonzentration, was bei mehrstufigen Kombipräparaten nicht der Fall ist. Die Minipille muss regelmäßig alle 24 Stunden eingenommen werden, um ihre Wirksamkeit zu sichern. Die dauerhafte Hormonzufuhr kann zum Ausbleiben der Monatsblutung führen, was viele Frauen verunsichert, aber bei dieser Verhütungsmethode ganz normal ist.

Die Minipille-Einnahme startet am ersten Tag der Menstruationsblutung. Wie auch bei der Mikropille besteht ab diesem Tag der Schutz vor einer ungewollten Schwangerschaft. Je nach Präparat gibt es verschiedene Besonderheiten zu beachten:

  • Einnahme der Minipille mit Levonorgestrel: Die Einnahme der Minipille der ersten Generation erfordert Disziplin, denn die einzelnen Dragees müssen täglich zu immer derselben Uhrzeit eingenommen werden. Verzögert sich die Einnahme nur um drei Stunden, besteht bereits kein sicherer Empfängnisschutz mehr.
  • Einnahme der Minipille mit Desogestrel: Bei der „neuen” Minipille ist ein größeres Zeitfenster für die Einnahme möglich. Dennoch: Die Einnahme sollte sich nicht mehr als zwölf Stunden verzögern – denn dann ist kein sicherer Empfängnisschutz mehr gegeben.
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Minipille absetzen: Was ist zu beachten?

Wer die Minipille absetzen möchte, sollte diesen Schritt immer zunächst mit dem behandelnden Frauenarzt besprechen, um mögliche Nebenwirkungen zu erörtern. Anschließend sollte das Ende der Pillenpackung abgewartet werden, bevor die Einnahme beendet wird. Es kann einige Monate dauern, bis sich der Hormonhaushalt wieder eingependelt hat. Theoretisch ist eine Schwangerschaft aber direkt nach Absetzen der Pille möglich.

 

Welche Vorteile und Nachteile hat die Minipille?

„Die Minipille enthält kein Östrogen, sondern nur ein Gelbkörperhormon”, so Prof. Dr. med. Bühling. „Das hat zum Beispiel den Vorteil, dass das Thrombose- und Schlaganfallrisiko nicht ansteigt. So können auch Patientinnen mit Risikofaktoren diese Pille einnehmen.” Die Vorteile im Überblick:

  • Geringeres Thromboserisiko als bei Einnahme der Mikropille
  • Schutz ab dem ersten Tag der Einnahme
  • Linderung von Menstruationsbeschwerden
  • Verbesserung des Hautbildes (z.B. Wirkung gegen Akne)
  • Keine langfristige Beeinträchtigung der Fruchtbarkeit

Ein Nachteil: Die Patientinnen entwickeln eher mal Zwischenblutungen, denn letztlich ist das Östrogen in anderen Pillen nur enthalten, um die Blutung zu stabilisieren. „Das kann man jedoch kompensieren, in dem man der Patientin rät, zwei Minipillen auf einmal zu nehmen, wenn sie Zwischenblutungen hat. Häufig normalisiert sich das nach einiger Zeit”, so Prof. Dr. med. Bühling. 

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Für wen ist die Minipille geeignet?

Die Minipille wird vorrangig den Frauen verschrieben, die die Kombipille aus gesundheitlichen Gründen nicht nehmen können bzw. nicht vertragen. Sie bietet Frauen im fortgeschrittenen Alter eine gute Alternative, genauso wie Raucherinnen, die als vorbelastet gelten. Besonders geeignet ist die niedrig dosierte und östrogenfreie Pille für Mütter in der Stillzeit, da sie keinen Einfluss auf die Qualität, Zusammensetzung oder Menge der Muttermilch hat.

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Minipille: Nebenwirkungen, die auftreten können

Neben den positiven Eigenschaften der Minipille müssen selbstverständlich auch mögliche Risiken und Nebenwirkungen beachtet werden. Zwar fallen die Nebenwirkungen aufgrund der geringen Hormonkonzentration geringer aus als bei anderen Arten der Antibabypille, trotzdem sind diese nicht zu unterschätzen. Folgende negative Wirkungen können auftreten:

  • Unregelmäßiger Zyklus
  • Schmier- und Zwischenblutungen
  • Blutungen können in ihrer Stärke und Dauer variieren
  • Kopfschmerzen
  • Stimmungsschwankungen
  • Libidoverlust
  • Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten
Unsere Experten

Prof. Dr. med. Kai J. Bühling, Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe in Hamburg (prof-buehling.de).

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