Milien bei Babys und Kindern: Grund zur Beunruhigung?

Dr. med. Nadine Heß

Viele Erwachsene kennen die weißen kleinen Pickelchen im Gesicht. Dabei handelt es sich um sogenannte Milien. Doch kriegen auch schon Kinder diese kleinen Zysten? Sollte man dagegen etwas tun, oder sind Milien bei Babys und Kindern völlig harmlos?

Dr. Nadine Hess
Expertin Dr. Hess: „Wie bei Erwachsenen verschwinden diese Milien meist nicht mehr von alleine. Wenn es als kosmetisch störend empfunden wird, sollten Sie die Behandlung fachgerecht durchführen lassen.“ © privat
 

Das sagt die Kinderärztin Dr. Nadine Hess

Erwachsene kennen sie – besonders Frauen sind von ihnen genervt: Milien, gerade wenn sie im Gesicht auftreten. Dabei handelt es sich um kleine Zysten, die mit Hornmaterial gefüllt sind und sich an den Ausgängen von Talgdrüsen befinden. Grundsätzlich können Milien fast überall am Körper vorkommen, bei Erwachsenen sind sie jedoch besonders häufig periokulär, das heißt im Bereich um die Augen herum zu finden.

Milien sind in erster Linie ein optisches Problem. Auch, wenn die Zysten Sie stören – drücken Sie nicht daran herum. Ohne vorheriges Anritzen der Milie entleert sich das Hornmaterial nicht. Im Gegenteil: Meistens verschlimmert man das Problem so noch, indem man den Inhalt tiefer drückt und so eine Entzündung auslöst. Die Behandlung von Milien gehört also in jedem Fall in die Hände eines Fachmannes. Am besten wenden Sie sich mit dem Problem an einen Hautarzt. Bei unkomplizierten Stellen, die nicht direkt am Auge liegen, kann auch eine gute Kosmetikerin helfen.

 

Auch bei Kindern treten Milien auf

Auch Kinder und Babys können Milien bekommen – bei den meisten bilden sich die Zysten sogar direkt nach der Geburt. Dabei ist besonders der Bereich auf der Nase betroffen, aber auch an den Wangen können sich Milien bilden. Unternehmen kann und sollte man dagegen nichts: Diese Milien bei Babys und Kindern gehen immer von alleine wieder weg. Ebenso verhält es sich, wenn sich eine Milie im Bereich einer Verletzung entwickelt. Bei Kindern passiert das häufiger, wenn der Nachwuchs beispielsweise draußen beim Spielen eine Platzwunde am Kinn abbekommen hat. Auch diese Milien platzen irgendwann schmerzfrei auf, entleeren sich und sind danach für immer beseitigt.

Mutter liebkost ihr Neugeborenes
Die Milien, die sich nach der Geburt auf der Nase und den Wangen bilden, verschwinden irgendwann von alleine und müssen nicht behandelt werden© Fotolia
 

Teenager und Erwachsene sollten behandelt werden

Anders liegt der Fall, wenn es sich um einen Teenager handelt. Wie bei Erwachsenen verschwinden diese Milien meist nicht mehr von alleine. Wenn es als kosmetisch störend empfunden wird, sollten Sie die Behandlung fachgerecht durchführen lassen. Das Anritzen und ausdrücken der Milien ist, wenn es korrekt gemacht wird, kaum schmerzhaft – lediglich an empfindlichen Stellen, wie direkt am Auge, kann es unangenehm sein.

Bei den bei Säuglingen so häufig auftretenden sogenannten Epstein-Perlen ist es übrigens ähnlich. Bis zu 80 Prozent der Neugeborenen sind von den kleinen, wie Perlen aussehenden Keratinzysten im Bereich der Mundschleimhaut betroffen. Sie verlaufen meist entlang der Gaumenmittellinie und entstehen während der Embryogenese, also in den ersten Lebenswochen im Mutterleib. Genau wie Milien sind sie aber völlig harmlos –  und verschwinden irgendwann schmerzfrei von ganz alleine.

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