Milchzucker: Wieso macht er überhaupt Beschwerden?

Redaktion PraxisVITA
Eine Unverträglichkeit gegen Milchzucker kann sehr schmerzhaft sein
Eine Unverträglichkeit gegen Milchzucker kann sehr unangenehm und schmerzhaft sein, sie ist jedoch nicht lebensbedrohlich © Fotolia

Eigentlich müsste es Laktasemangel-Syndrom heißen. Denn die Unverträglichkeit von Milchzucker beruht auf einem Mangel an dem Enzym Laktase. Das ist unangenehm, aber nicht gefährlich.

 

Unverträglichkeit gegen Milchzucker ist keine Allergie

Viele Menschen verwechseln die Laktoseintoleranz mit einer Milch- bzw. Milcheiweißallergie. Eine Allergie ist die Unverträglichkeit gegen Milchzucker aber nicht. Bei einer Allergie reagiert das Immunsystem überschießend auf eine eigentlich harmlose Substanz. Bei Laktoseintoleranz bleibt das Immunsystem außen vor. Die Beschwerden beruhen darauf, dass der Dünndarm gar keine oder zu wenig Laktase produziert. Dieses Enzym ist aber notwendig, um Milchzucker, also die Laktose, in leicht verdauliche Unterzucker aufzuspalten. Laktose selbst ist nämlich nicht resorbierbar, sprich: Die Darmschleimhaut kann den Milchzucker nicht aufnehmen. Er gelangt ungespalten in den Dickdarm und löst dort Beschwerden aus: Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall und viele weitere.

 

Reaktion des Darms auf Milchzucker von 5 Faktoren abhängig

Wie stark ein Mensch auf eine laktosehaltige Mahlzeit reagiert, hängt von fünf Faktoren ab: Der Menge des enthaltenen Milchzuckers, Fettgehalt und Temperatur der Speisen, der Darmflora, dem subjektiven Schmerzempfinden und der sogenannten Restlaktaseaktivität. Mehrmals am Tag kleine Mengen Milchzucker sind besser verträglich als eine große. Dazu sollten Betroffene den Laktosegehalt möglichst vieler Lebensmittel kennen.

 
 

Restaktivität der Laktase

Die wenigsten Menschen mit Laktoseintoleranz produzieren gar keine Laktase mehr, sondern verfügen über eine Restlaktase-Aktivität. Wie groß diese ist, muss individuell ausgetestet werden. Im Alter nimmt sie im Allgemeinen weiter ab. Etwa 10 Gramm Laktose pro Tag werden von den meisten Betroffenen aber gut vertragen.

 

Fett ist besser

Vollfette Milchprodukte werden oft besser vertragen als die mageren Varianten. Grund: Fett verzögert die Magenentleerung und verlängert die Dünndarmpassage. Dadurch wird ein Teil des Milchzuckers vorverdaut. Denselben Effekt haben sehr kalte Speisen.

 

Stärke der Beschwerden hängt von Darmflora ab

Ob und wie stark Laktose im Dickdarm gärt, hängt von der Zahl und Zusammensetzung der Bakterien unserer Darmflora ab. Diese ist von Mensch zu Mensch verschieden und kann schwanken – z. B. durch eine Antibiotikabehandlung, Darmentzündungen oder Pilzinfektionen.

Milchzucker
Wer Milchzucker nicht verträgt, ist auf bestimmte Tabletten angewiesen, um Milchprodukte ohne Folgebeschwerden verzehren zu können© iStock
 

Schmerzempfindlichkeit bei Lakoseintoleranz

Gährt der Milchzucker, entstehen Gase. Dadurch wird der Darm gedehnt. Ob diese Dehnung als schmerzhaft empfunden oder noch nicht einmal wahrgenommern wird, ist abhängig von der Schmerzempfindlichkeit des Einzelnen.

 

Die Diagnose-Methoden

Gelangt Milchzucker unverdaut in den Dickdarm, stürzen sich Millionen Bakterien (Darmflora) darauf, zersetzen und vergären ihn. Dabei entstehen Gase wie Wasserstoff (H2). Dieser gelangt über die Darmschleimhaut ins Blut, damit in die Lunge und wird dort ausgeatmet. Das nutzt der H2-Atemtest: Der Patient trinkt eine Lösung mit 50 Gramm reiner Laktose. Nach 30, 60, 90, 120 und 180 Minuten wird dann die H2-Menge in der Ausatemluft gemessen. Bei 15 von 100 Menschen funktioniert dieser Test jedoch nicht. Ihr Körper produziert keinen H2 oder schleust ihn auf anderem Wege aus, so dass er nicht in die Atemluft gelangt. Deshalb misst der Laktose-Resorptionstest den Blutzuckeranstieg nach Einnahme der Laktose-Lösung. Auch ein Gen-Test ist verfügbar: Anhand einer Blut- oder Speichelprobe zeigt dieser, ob eine Laktase-Gen-Mutation vorliegt – aber nicht die Intoleranz an sich. Experten empfehlen eine Kombination aus H2-Atemund Laktose-Resorptionstest.

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