Milcheiweißallergie erkennen und behandeln

Dr. med. Nadine Hess

Durch welche Symptome zeigt sich eine Milcheiweißallergie? Wie unterscheidet sich eine Milcheiweißallergie von einer Laktoseintoleranz? Ist eine Allergie gegen Milcheiweiß heilbar? Und was ist zu tun, um bei Säuglingen die Diagnose Milcheiweißallergie zu stellen?

Baby mit Milcheiweißallergie
Etwa drei Prozent aller Säuglinge leiden an einer Milcheiweißallergie oder einer Allergie gegen Eier © Fotolia
 

Milcheiweißallergie: Das sagt die Kinderärztin Dr. Nadine Hess

Es ist sehr selten: Etwa drei Prozent aller Säuglinge leiden an einer wirklichen Nahrungsmittelallergie – wenn, dann in den allermeisten Fällen gegen (Kuh-)Milcheiweiß oder Eier. Eine Milcheiweißallergie ist nicht zu verwechseln mit einer Laktoseintoleranz. Bei der Laktoseintoleranz liegt ein Enzymmangel zur Spaltung des Milchzuckers vor, bei der Milcheiweißallergie eine wirkliche Allergie.

Kinderärztin Dr. Nadine Hess
Expertin Dr. Hess: „Die Diagnose einer echten Milcheiweißallergie ist nicht einfach und orientiert sich vor allem an der klinischen Präsentation und der Besserung der Symptome nach Weglassen von Kuhmilch.“© privat
 

Milcheiweißallergie – das sind die Symptome

Die Symptome einer Milcheiweißallergie bei Säuglingen sind sehr unterschiedlich. Einige Kinder mit Milcheiweißallergie haben anhaltende Durchfälle von Geburt an oder erbrechen immer wieder, reagieren mit Rötungen um den Mund herum, andere haben ein schweres atopisches Ekzem (Neurodermitis). Wieder andere Babys mit Milcheiweißallergie werden durch Atemwegsinfekte mit obstruktiven Bronchitiden und ständigem Schnupfen auffällig.

Diese vermeintlichen Erkältungen sind im Grunde keine Infekte, sondern Symptome der allergischen Reaktion. Manche Kinder zeigen direkt nach der Nahrungsaufnahme Auffälligkeiten, wie oben beispielhaft genannt, andere erst nach mehreren Tagen.

Mädchen mit Eiweißallergie
Die Symptome einer Milcheiweißallergie können sehr unterschiedlich sein. Einige Kinder haben anhaltende Durchfälle von Geburt an oder erbrechen immer wieder© istock/Sasiistock
 

Diagnose einer Milcheiweißallergie

Die Diagnose einer echten Milcheiweißallergie ist nicht einfach und orientiert sich vor allem an der klinischen Präsentation und der Besserung der Symptome nach Weglassen von Kuhmilch. Eine Milcheiweißallergie zeigt sich meistens schon sehr früh – wenn das Kind noch voll gestillt oder mit Formulanahrung ernährt wird. Hat man den Verdacht auf eine Milcheiweißallergie, wird man die Mutter (bei voll gestillten Kindern) bitten, für zwei Wochen auf sämtliche Milchprodukte (auch Ziegenmilch etc.) zu verzichten.

Bekommt das Kind Formulanahrung, muss es auf eine spezielle Nahrung umgestellt werden, die der Arzt verordnet. Der Zeitraum von zwei Wochen ist notwendig und sinnvoll, damit auch Spätreaktionen erfasst werden können, weil die sich eben manchmal erst nach mehreren Tagen zeigen, beziehungsweise nach einiger Zeit bessern, wenn das Allergen weggelassen wird.

Allergietest beim Kind
Auch, wenn der Allergietest negativ ausfällt, ist es möglich, dass Ihr Kind eine Milcheiweißallergie hat. Darum müssen zusätzlich zwei Wochen lang die Symptome genau beobachtet und erfasst werden© Fotolia
 

Allergie- und Pricktest bei Verdacht auf Milcheiweißallergie sinnvoll

Zusätzlich ist ein Allergietest im Blut (Rast und Bestimmung von IgE) sinnvoll bei einer Milcheiweißallergie und ein Pricktest auf der Haut. Verwirrender Weise kann auch bei negativ ausfallenden Allergietests eine Kuhmilchallergie vorliegen – wenn das Kind sonst klassische Symptome gezeigt hat, die sich durch Weglassen deutlich bessern oder gar gänzlich verschwinden.

 

Ist die Milcheiweißallergie heilbar?

Wichtig zu wissen ist, dass bis zum Schulalter 90 Prozent aller Milcheiweißallergien wieder verschwinden. Ab dem zweiten Lebensjahr sollten in regelmäßigen Abständen Reexpositionsversuche unter ärztlicher Aufsicht stattfinden: Dabei wird Milch in kleinen, stetig gesteigerten Mengen wieder verabreicht.

Grundsätzlich finde ich, dass ein Kind mit dem dringenden Verdacht auf eine Milcheiweißallergie von einem erfahrenen Kinderallergologen mitbetreut werden sollte. Zudem sind auf die kindlichen Bedürfnisse angepasste Ernährungsberatungen notwendig, um eine ausreichende Zufuhr vor allem von Calcium sicherzustellen.

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