Migräne selbst heilen mit Nervenstimulation?

Redaktion PraxisVITA
Eine Frau hat Kopfschmerzen
Bei Migräne kann die Stimulation des sogenannten Vagusnervs helfen, zeigt eine aktuelle Studie © iStock

Die Stimulation des Vagusnervs kann Migräneattacken lindern oder sogar stoppen, zeigt eine aktuelle Studie. Wie funktioniert die Vagusnerv-Stimulation?

An der Studie des Forscherteams um Professor Cristina Tassorelli an der Universität Pavia in Italien nahmen 248 Migräne-Patienten teil. Die Probanden bekamen die Anweisung, ihre Schmerzattacken für vier Wochen mit einem speziellen Gerät zu behandeln, das den sogenannten Vagusnerv stimuliert.

 

Wie funktioniert die Vagusnerv-Stimulation?

Bis vor wenigen Jahren war die Vagusnerv-Stimulation nur durch die Implantation von Elektroden möglich. Inzwischen kann die Methode nicht-invasiv mit einem Elektrostimulator durchgeführt werden, den der Patient sich links oder rechts an den Hals im Bereich der Halsschlagader hält. Der Stimulator sendet schwache Stromimpulse an den Vagusnerv, der am Hals direkt unter der Haut verläuft. Bei der Behandlung mit dem Elektrostimulator verspürt der Patient ein leichtes Kribbeln am Hals.

Der Vagusnerv transportiert die Stromimpulse zu dem sogenannten Trigeminuskern – dieser gilt als Ursprung der Migräne-Kopfschmerzen. Dort werden durch die Stimulation Botenstoffe unterdrückt, die am Aufrechterhalten des Schmerzes beteiligt sind.

 

Vagusnerv-Stimulation wirkte besser als Placebo

In der italienischen Studie waren 12,7 Prozent der Probanden, die ihre Attacken mit dem Elektrostimulator behandelten, nach 30 Minuten ohne Schmerzen, 21 Prozent waren nach einer Stunde schmerzfrei. In einer Kontrollgruppe hielten sich Probanden ein identisch aussehendes Gerät an den Hals, das jedoch keine Stromimpulse sendete, sondern lediglich das typische Kribbeln auf der Haut verursachte. In dieser Kontrollgruppe erreichten nur halb so viele Probanden Schmerzfreiheit nach einer halben beziehungsweise einer Stunde. Vergangene Studien attestierten der Vagusnerv-Stimulation ebenfalls eine Wirksamkeit, die vergleichbar mit der von Medikamenten ist. Doch anders als bei medikamentösen Therapien traten bei diesem Verfahren keine Nebenwirkungen auf. Die Vagusnerv-Stimulation kann bei akuten Attacken, aber auch vorbeugend angewendet werden.

 

Kann man den Vagusnerv auch anders stimulieren?

Die bisherigen Studien befassten sich ausschließlich mit der Vagusnerv-Stimulation per Elektrostimulator. Allerdings gibt es auch andere Techniken, die den Vagusnerv stimulieren können – ihre Anwendung gegen Migräne ist wissenschaftlich jedoch nicht untersucht. So soll Kälte anregend auf den Vagusnerv wirken – beispielsweise in Form von Wechselduschen. Auch tiefes Atmen, Yoga und andere Meditationstechniken können helfen, den Vagusnerv zu stimulieren.

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