Microneedling: Schöne Haut durch Nadelbehandlung?

Michelle Kröger

Beim sogenannten Microneedling sollen feine Nadelstiche die Selbstheilungskräfte der Haut anregen. Das Ziel: eine reine, möglichst faltenfreie Haut. Doch wie genau funktioniert Microneedling? Was sind die Vorteile, was die Nachteile? Und für wen ist es geeignet? Hautexpertin Susanne Martens beantwortet die wichtigsten Fragen.

 

Microneedling – was ist das?

„Microneedling ist das Öffnen der Hautkanäle mit feinsten Nadeln (0,1-2,0 mm) und das Einschleusen von Wirkstoffen, welche durch die Perforierung in die tieferen Hautschichten transportiert werden”, sagt Susanne Martens, medizinische Kosmetikerin in der Hamburger Praxis für Ästhetische Medizin Dr. med. Eveline Urselmann. „Die kleinen Mikroverletzungen in der Haut regen zudem die Kollagen- und Elastinproduktion in der Tiefe an und führen zu einer Verbesserung der Hautqualität”, so die Expertin. Das Microneedling fördert demnach ein schönes Hautbild sowie die Aufnahme von Pflegewirkstoffen. Zudem kann es Hautschäden korrigieren.

 

Microneedling mit Dermapen oder Microneedle-Roller

Beim Microneedling kommt in der Regel ein sogenannter Dermapen zum Einsatz: ein elektrischer Microneedling Pen, also ein mit feinsten Nadeln besetzter Stift.  Außerdem gibt es sogenannte Microneedle-Roller, die sich wie Miniwalzen über die Haut rollen lassen. Beim Microneedling dringen sehr viele feine Nadeln in die Haut ein, verletzen diese leicht und sorgen für eine Reizung der Zellen. Durch die Behandlung werden natürliche Wachstumsfaktoren freigesetzt – außerdem werden Durchblutung, Zellerneuerung und Regeneration angeregt. Zudem kommt es zur Neubildung von Collagen und (körpereigener) Hyaluronsäure.

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Wann und wie werden Erfolge sichtbar? 

Direkt nach der Behandlung mit dem Dermapen oder Microneedle-Roller ist das Gesicht gerötet und es dauert einige Zeit, bis der Effekt tatsächlich sichtbar wird. Je nach Ausgangssituation beziehungsweise Schweregrad des Hautproblems sind unterschiedlich viele Sitzungen nötig – meist werden zwischen einer und fünf Behandlungen im Abstand von etwa vier Wochen durchgeführt. Narbengewebe reagiert langsamer, deshalb kann hier auch sechs bis zehn Wochen mit der Nachbehandlung gewartet werden. Folgende Effekte können durch Microneedling erzielt werden:

  • Anti Aging: Die Haut kann bereits kurz nach der Behandlung deutlich straffer wirken. Feine Falten erscheinen weniger tief und insgesamt wirkt der Teint jünger, frischer und gesünder. Anschließend kann die Haut Pflegestoffe besser aufnehmen. Je nach Einstichtiefe der Nadeln fällt das Ergebnis allerdings unterschiedlich aus: Beim rein kosmetischen Microneedling dringen die Nadeln nur in die sogenannte Epidermis, die oberste Hautschicht, ein (bis zu 0,3 Millimeter). Auf diese Weise kann die Kollagenproduktion nur in sehr geringem Maße angeregt werden. Beim medizinischen Microneedling werden die Nadeln bis zu drei Millimeter tief in die Haut gestochen – so wird auch die tiefer liegende Lederhaut erreicht. Eine solche Behandlung kann auch bei stärker ausgeprägten Falten wirkungsvoll sein.
  • Narben und Pigmentstörungen: Narben und Verfärbungen werden durch das Microneedling an den Rest der Haut angepasst: Narben werden flacher und bräunliche Hautpigmente heller.
  • Schwangerschaftsstreifen: Dehnungsstreifen infolge einer Schwangerschaft können durch die Behandlung mit dem Dermapen weniger auffällig, flacher und schmaler werden.
 

Für wen ist Microneedling geeignet?

Microneedling ist für jeden geeignet, der seine Hautstruktur (vergrößerte Poren, Aknenarben), Hautelastizität (Linien und Fältchen) und Hautfeuchtigkeit verbessern möchte. „Auch Hyperpigmentierungen wie zum Beispiel Melasmen können durch bleichende Wirkstoffe wie etwa Kojisäure und Retinol gut aufgehellt und nachhaltig reduziert werden”, sagt Susanne Martens.

Die Hautexpertin fügt hinzu: „Microneedling ist grundsätzlich für jeden Hauttyp geeignet. Nur bei besonderen Hautzuständen wie zum Beispiel Entzündlichkeiten sollte eine sanfte Einstiegstherapie gewählt werden.”

Auf diesen Anwendungsgebieten kann Microneedling erfolgreich sein:

  • Narben (Aknenarben, Brandnarben, Operationsnarben u.a.)
  • Striae (Dehnungsstreifen), Schwangerschaftsstreifen
  • Falten und schlaffes Bindegewebe
  • Kopfhautprobleme und Haarausfall
  • Pigmentstörungen, Melasmen und Hautverfärbungen
  • Cellulite
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 Microneedling: Was sind Vor- und Nachteile?

„Von Vorteil ist die Vermehrung der Kollagen- und Elastinfasern, welche zu einer Steigerung der Hautfestigkeit und zu feineren Poren führt”, sagt Martens. Außerdem können durch die geschaffenen Hautkanäle gezielt Wirkstoffe in die Haut gebracht werden, sodass Linien und Fältchen gemildert und zum Beispiel Pigmentflecken aufgehellt werden. „Die Hautstruktur wird nachhaltig verbessert und die hauteigene Produktion von Anti-Aging-Faktoren angeregt.”
 
Ernsthafte Risiken und Nebenwirkungen bestehen bei fachmännischer, professioneller Anwendung und Nachbehandlung nicht. Laut der Expertin sind Nachteile lediglich bei Patienten mit einer Neigung zu Hyperpigmentierung zu erwarten – so kann es an den Einstichstellen zu einer Pigmentierung kommen. „Auch empfindliche Häute könnten auf den mechanischen Reiz reagieren. In diesen Fällen muss mit einer geringeren Eindringtiefe begonnen werden”, so die Expertin. 

Ganz wichtig: In den ersten Tagen nach der Behandlung reagiert die Haut empfindlicher auf Sonneneinstrahlung. „Dabei ist ein hoher Lichtschutzfaktor und der Verzicht auf direkte Sonnendisposition unabdinglich.” Auf Sport und Sauna sollten Patienten in den ersten drei Tagen nach dem Microneedling lieber verzichten.

 

Wann darf kein Microneedling durchgeführt werden?

Zwar handelt es sich bei einem Microneedling um eine recht risikoarme Behandlung, doch einige Menschen sollten dennoch lieber darauf verzichten: 

  • Menschen mit einer Neigung zu übermäßiger Narbenbildung (der Dermapen kann sogenannte Keloide, also wuchernde Narben, hinterlassen)
  • Menschen mit ansteckenden Krankheiten (z.B. Hepatitis oder HIV)
  • Menschen, die blutverdünnende Medikamente einnehmen (Markumar, Aspirin, Ibuprofen, Vitamin E hochdosiert, Gingko o.ä.), aufgrund eines erhöhten Risikos für Blutergüsse
  • Menschen mit akut entzündeter Haut (z.B. bei Herpes, Wunden, Sonnenbrand, Schnittverletzungen)
Unsere Experten

Susanne Martens: Hautexpertin
Praxis für Ästhetische Medizin Dr. med. Eveline Urselmann

 

 

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