Michelle Hunziker wieder schwanger: Doppeltes Risiko für Mutter und Kind

Michelle Hunziker wieder schwanger
Die TV-Moderatorin Michelle Hunziker ist nur sieben Monate nach ihrer letzten Geburt wieder schwanger. Welche Risiken damit verbunden sein können, erklärt Ihnen Praxisvita © Corbis

Seit Wochen kursieren Gerüchte, wonach TV-Moderatorin Michelle Hunziker wieder schwanger ist. In einem Interview erklärte die zweifache Mutter nun, dass sie im vierten Monat sei und es sich um ein Wunschkind handelt. Doch so sehr die Freude darüber verständlicher Weise auch ist, bedeutet die Schwangerschaft aus medizinischer Sicht ein Risiko für Mutter und Kind – und das gleich aus zwei Gründen. Praxisvita hat für Sie die Fakten.

Gibt es aus medizinischer Sicht überhaupt ein Intervall, das zwischen zwei Geburten bestehen sollte?

 

Warum für Michelle Hunziker ein Risiko besteht

Eine aktuelle Studie der University of Cincinnati in Ohio zeigt, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen dem Risiko für Komplikationen während der Schwangerschaft und dem sogenannten „Interpregnancy Interval“ (IPI) – der Zeitraum zwischen dem Tag der letzten Geburt und dem Tag, an dem eine Frau wieder schwanger wurde – besteht. Für die breit angelegte Untersuchung wurden die Daten von mehr als 450.000 Frauen, die mindestens zweimal schwanger waren, ausgewertet.

Konkret fanden die Forscher heraus: Je weniger Zeit zwischen einer Geburt und einer neuen Schwangerschaft liegt, desto geringer fällt die Schwangerschaftszeit – von normalerweise rund 39 Wochen – aus. Das wieder bedeutet ein erhöhtes Risiko für Früh- und Fehlgeburten.

 

Die optimale Zeit?

Die optimale Zeit, um nach einer Geburt wieder schwanger zu werden, liegt ungefähr bei 18 bis 23 Monaten. Intervalle von weniger als 12 Monaten und mehr als 59 Monaten gelten daher als problematisch.

Die Studie zeigt außerdem, dass bei 53 Prozent der Frauen, deren IPI unter 12 Monaten lag, die Schwangerschaft verkürzt verlief – bei über 20 Prozent der Frauen kam es zu Frühgeburten.

 

Metastudie bestätigt die Gefahr

Eine andere, in Fachkreisen stark beachtete Metastudie unter der Leitung von Professor Agustin Conde-Agudelo (Universität Fundación Santa Fe de Bogotá) untersuchte die Daten von mehr als elf Millionen Frauen, die mindestens zweimal schwanger waren. Die Auswertung belegte, dass die Gefahren für Komplikationen bei einer Schwangerschaft erheblich stiegen, wenn das IPI bei sechs Monaten oder weniger lag.

Im Vergleich zu einem IPI von 18 bis 23 erhöht sich die in solchen Fällen die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einer Frühgeburt kommt, um rund 40 Prozent – die Wahrscheinlichkeit, dass das neugeborene Kind deutlich untergewichtig ist, steigt dagegen um 60 Prozent.

 

Erholung für die Mutter

Diese erhöhten Risikowerte ergeben sich bei einem zu geringen IPI – das zeigt die 2014 veröffentlichte Studie der University of Cincinnati – aus der zu geringen Erholungsphase für die Mütter nach einer Geburt. So sind beispielsweise die Folsäure-Depots dieser Mütter nicht rechtzeitig wieder aufgefüllt – ein Mangel, der während einer Schwangerschaft nachweislich zu Missbildungen am Embryo führen kann (z.B. offener Rücken).

Die Forscher aus Cincinnati schätzen zudem, dass rund 12 Prozent der seltenen kindlichen Todesfälle verhindert werden könnten, wenn Mütter einen Abstand von mindestens einem Jahr zwischen einer Geburt und einer erneuten Schwangerschaft verstreichen lassen würden. Sollte dieser IPI unterschritten werden, sei es deswegen wichtig, dass die werdenden Mütter Lebensmittel mit viel Folsäure zu sich nehmen. Nahrungsmittel mit entsprechend viel Folsäure sind z.B. Spinat, Kichererbsen oder Kirschen.

 

Das Alter als Risikofaktor

Neben der Tatsache, dass Michelle Hunziker rund sieben Monate nach ihrer letzten Geburt wieder schwanger wurde und deswegen in den Problembereich des sogenannten „Interpregnancy Interval“ (IPI) fällt, ist sie bereits 37 Jahre alt. Ein Faktor, der grundsätzlich eine Risikoschwangerschaft bedeutet.

Ab einem Alter von 35 wird aus medizinischer Sicht von einer Schwangerschaft mit erhöhtem Risiko ausgegangen. Eine Metastudie der Kuopio University – auch abrufbar in einer Auswertung der Mayo Clinic in Rochester – zeigt, dass Mütter nach einer Geburt in diesem Alter Gefahr laufen, an Diabetes oder Bluthochdruck zu erkranken. Für die Neugeborenen bedeutet eine „späte Schwangerschaft“ ebenfalls erhöhte Risiken. Demnach steigt für sie das Risiko, untergewichtig oder mit Gendefekten – wie z.B. dem Down-Syndroms – geboren zu werden. Darüberhinaus kommt es bei solchen Risikogeburten eher zu Kaiserschnitten (dazu hier mehr) sowie zu Fehl- und Totgeburten.

Hamburg, 8. September 2014

Das könnte Sie auch interessieren
Themen
Copyright 2018 praxisvita.de. All rights reserved.