Metformin: Gibt es bald ein Medikament gegen das Altern?

Rasmus Cloes Medizinredakteur
Junger Mann blickt auf sein altes Spiegelbild
Wer würde sich nicht über eine Pille freuen, die länger jung hält? © Fotolia

In den USA soll ein Anti-Aging-Medikament zugelassen werden. Es wäre weltweit das erste Mal – und eine medizinische Revolution. Aber hält es, was es verspricht?

Eines der bei Diabetes am häufigsten eingesetzten Medikamente heißt Metformin. Das orale Antidiabetikum wird seit 60 Jahren erfolgreich bei der Therapie des Typ-2-Diabetes eingesetzt, um den Blutzuckerspiegel zu regulieren. Doch nicht nur bei Diabetes scheint es zu helfen: Einige Studien weisen darauf hin, dass es auch das Risiko mancher Krebserkrankungen senkt und möglicherweise Herzinfarkten und Demenz vorbeugt.

 

Zulassung für das Medikament gegen das Altern

Alles Krankheiten, die besonders mit einem fortschreitenden Lebensalter in Verbindung stehen. Jetzt berichtet die Fachzeitschrift Nature in einer Juni-Ausgabe von einem Vorstoß des Alters-Wissenschaftlers Nir Barzilai. Der möchte in einer groß angelegten Studie beweisen, dass Metformin nicht nur direkt gegen einzelne Krankheiten wirkt, sondern das Altern selber bekämpft. Aber damit nicht genug. Barzilai strebt an, dass die US-Arzneimittelbehörde FDA, die über die Zulassung von Medikamenten entscheidet, die „Pille gegen das Altern“ zulässt.

Bis zu 3000 Menschen im Alter von 70 bis 80 Jahren will er mit seinem Team dazu untersuchen. Sie sollen alle an einer von drei Alters-Krankheiten leiden: Koronare Herzkrankheiten, Krebs oder Störungen der Kognition (leichte Gedächtnisstörungen bis hin zu Demenz). Menschen mit Diabetes schließt er aus. Das Ziel seiner Studie ist, herauszufinden, ob Metformin altersassoziierte Krankheiten lindert oder gar verhindert. Letztlich, ob es die Alterung selber verlangsamt. Die Studie soll über einen Zeitraum von fünf bis sieben Jahre laufen und etwa 50 Millionen Dollar kosten. 

 

Ist das Altern eine Krankheit?

„Es wäre das erste Mal, dass die FDA eine Studie über ein Medikament genehmigt, das nicht zur Verhinderung, Behandlung oder Heilung einer Erkrankung dient“, sagt Professor Dr. Helmut Schatz, Sprecher der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE). Er sieht das Projekt von Barzilai kritisch: Es sei zwar nicht überraschend, dass es unter den Medikamenten, bei denen man Anti-Aging-Effekte vermutet, ausgewählt wurde. Auch gebe es viele Hinweise darauf, dass der Arzneistoff nicht nur bei Diabetes günstig wirkt. Doch: Das Altern als nicht umkehrbarer biologischer Prozess werde als eine behandelbare Krankheit umgedeutet, gibt Schatz zu bedenken.

Barzilais Kollegin Stephanie Lederman sieht das entspannter: „Meine Wahrnehmung ist, dass wir alle nach einem Jungbrunnen suchen.“ Wir planen nicht das ewige Leben, sondern eine Erweiterung der natürlichen Lebenserwartung.

 

Wie stark sind die Nebenwirkungen?

Ob ein Medikament dafür der richtige Weg ist, bezweifelt Schatz. Zwar wurde an Würmern und Mäusen bereits eine positive Wirkung von Metformin auf die Lebensspanne gezeigt. Allerdings gebe es auch Hinweise, dass die Einnahme mit Vitamin B12-Mangel und kognitiven Einschränkungen verbunden sein kann. Hinzu kommen weitere Nebenwirkungen wie Durchfall, Übelkeit und bisweilen starkes Schwitzen. Generell stellt sich bei Medikamenten gegen das Altern immer die Frage nach den Langzeit-Nebenwirkungen. Diese kann man erst nach vielen Jahren oder sogar erst Jahrzehnten erkennen.

Der Sprecher der DGE empfiehlt daher, sich viel und möglichst im Freien zu bewegen und beim Essen maßvoll zu bleiben. Damit könne man sein Leben auf ganz natürliche Weise verlängern.

Hamburg, 30. Juni 2015

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