MERS: Kommt jetzt die neue Killer-Seuche?

Besteht die Gefahr einer MERS-Pandemie?
Besteht die Gefahr einer MERS-Pandemie? © Fotolia

Das sogenannte Middle East Respiratory Syndrome (MERS) breitet sich zurzeit rasant in Südkorea aus. Es ist der größte Ausbruch außerhalb der arabischen Halbinsel. Hat sich der Virus verändert?

Die südkoreanische Regierung hat mehr als 230 Schulen vorrübergehend geschlossen aus Angst vor einer weiteren Ausbreitung von MERS. Das verkündeten Landesvertreter am Mittwoch.

 

Mehrere Todesfälle

Insgesamt 30 Koreaner wurden bisher positiv auf das Virus getestet. Davon starben bereits zwei Patienten am Montag, drei weitere schweben in akuter Lebensgefahr. Die Regierung wartet außerdem noch auf Testergebnisse von 99 weiteren Personen. Weit über 1000 müssen zu Hause in Quarantäne bleiben.

Das Virus ist bislang hauptsächlich in Saudi Arabien aufgetreten, wo es einen Großteil der über 430 bestätigten Todesopfer forderte. Die Weltgesundheitsorganisation berichtet von insgesamt 1152 bestätigten Fällen – die wirkliche Zahl wird jedoch weit höher liegen, da in entlegenen Gebieten nur selten Tests gemacht werden. 

 

24 Personen angesteckt

In Südkorea sind fast alle MERS-Fälle bei Ärzten, Krankenschwestern, Patienten oder Krankenhausbesuchern aufgetreten. Dass jetzt auch Schulen geschlossen werden, führen Experten auf ein weit in der Bevölkerung verbreitetes Misstrauen gegenüber der Regierung zurück. Ein wichtiger Grund: der sogenannte Indexpatient (die Person, die die Krankheit vermutlich nach Korea brachte) konnte sich lange unbehelligt bewegen. Obwohl er nach einem Aufenthalt in Qatar mit eindeutigen Symptomen zurückkam, dauerte es mehrere Wochen bis Ärzte MERS als Auslöser vermuteten und ihn isolierten. Bei 24 Patienten konnten nachgewiesen werden, dass sich diese direkt an dem Indexpatienten ansteckten.

In Deutschland kam es bislang zu drei MERS-Fällen – alle wurden durch von der arabischen Halbinsel eingereiste Personen mitgebracht.

MERS wird durch das Coronavirus hervorgerufen. Es gibt bislang keine Impfung gegen die Krankheit, die laut dem Robert Koch-Institut (RKI) in etwa 40 Prozent der Fälle tödlich verläuft. Die auffälligsten Symptome sind eine schwere Lungenentzündung, Atemnot, Fieber, Husten und Durchfall. Das RKI schreibt, dass fast alle der Primärfälle Kontakt zu Dromedaren hatten. Also die Übertragung von Tier zum Mensch Ausgangspunkt ist – sie schränken jedoch ein: „ein nicht unerheblicher Teil dieser Primärfälle ist zurzeit nicht über eine zoonotische Quelle erklärbar“.

Bislang gingen Experten mehrheitlich davon aus, dass ein Patient im Schnitt weniger als eine weitere Person ansteckt – und es darum zu keiner anhaltenden Übertragung in einer Bevölkerung kommt. Doch es gab auch kritische Wissenschaftler, die warnten, dass die meisten Studien die Gefährlichkeit des Erregers unterschätzen. Die aktuelle Situation in Korea gibt zurzeit eher der zweiten Gruppe Recht.  

Hamburg, 03. Juni 2015

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