Mein Kind schielt – welche Behandlung hilft?

Dr. med. Nadine Hess

Im schlimmsten Fall können Folgeschäden entstehen, wenn ein Kind schielt. Daher sollte die Fehlstellung des Auges immer ärztlich abgeklärt werden. Kinderärztin Dr. Nadine Hess erklärt, worauf Eltern achten sollten und wie die Behandlung erfolgt.

Kinderärztin Dr. Nadine Hess
Kinderärztin Dr. Nadine Hess: „Wenn ein Kind schielt, können dadurch Folgeschäden entstehen. Deshalb sollte die Augenfehlstellung so früh wie möglich behandelt werden.“ © Privat
 

Das sagt die Kinderärztin Dr. Nadine Hess

Das Sehvermögen kann durch Schielen erheblich gestört werden. Denn: Normalerweise fügt das Gehirn die Bilder, die es von beiden Augen erhält, zu einem dreidimensionalen Gebilde zusammen. Schielt ein Auge, verschiebt sich die Perspektive jedoch – und das Gehirn kann die Bilder nicht mehr zusammenfügen. Dadurch entsteht ein Doppelbild. Gerade, wenn ein kleines Kind dauerhaft schielt, ist das gefährlich, denn durch Doppelsichtigkeit kann sich das dreidimensionale Sehen nur schlecht bis gar nicht entwickeln.

 

Mein Kind schielt: Ist eine Behandlung wirklich nötig?

Da das Gehirn stets versucht, Fehlfunktionen auszugleichen, unterdrückt es die Sehleistung des schielenden Auges weitgehend und konzentriert sich auf die des anderen. Die Folge: Das schielende Auge wird schwächer – eine Kurzsichtigkeit stellt sich ein. Wird diese nicht von einem Augenarzt behandelt, kann sie immer schlimmer werden – in seltenen Fällen bis hin zu einer starken Fehlsichtigkeit. Deshalb ist eine frühzeitige Behandlung wichtig, wenn ein Kind schielt. Die Therapie erfolgt – wenn möglich – mit dem Abdecken des nicht schielenden Auges. Führt das zu keinem Erfolg oder ist der Schielwinkel zu groß, muss langfristig eine Operation des Augenmuskels erfolgen. Es gilt: Je eher behandelt wird, desto höher ist die Chance, dass sich der Sichtwinkel wieder richtig anpasst.

Kind schielt
Ihr Kind schielt absichtlich, wenn es Grimassen schneidet? Das muss Sie nicht beunruhigen, da absichtliches Schielen keine Auswirkungen auf das Sehvermögen hat© Alamy
 

Formen des Schielens

Man unterscheidet zwischen dem sogenannten Begleitschielen sowie dem Lähmungsschielen. Bei letzterem ist der Augenmuskel meist durch einen Unfall verletzt worden. Begleitschielen dagegen kann angeboren sein, aber auch in den ersten beiden Lebensjahren auftauchen. Ob ein Kind schielt, ist für Laien nicht immer direkt erkennbar – daher muss der Nachwuchs gemäß der neuen Vorsorgerichtlinien für Kinder bereits ab der ersten Vorsorgeuntersuchung auf Auffälligkeiten im Bereich der Augen untersucht werden. Dies geschieht schmerzfrei mittels des sogenannten Brückner-Tests auf eine Linsentrübung (dabei schaut man mit einer speziellen Lampe aus geringer Entfernung in das Auge) und auf eine Kurz- oder seitenungleiche Fehlsichtigkeit (aus drei bis vier Meter Entfernung, gleiche Lampe, wie bei der Untersuchung aus der Nähe). Kommt es da zu Auffälligkeiten, muss eine Überweisung zum Augenarzt erfolgen. Eine Ausnahme ist es, wenn ganz kleine Kinder (bis zu sechs Monaten) hin- und wieder mal schielen, besonders, wenn sie etwas fixieren. Das darf so sein – auch das Auge muss das „Scharfsehen“ trainieren und das klappt nicht immer gleich. Wichtig ist aber, dass das Kind nur ab und zu mal schielt und nicht über längere Zeit oder nach dem Alter von sechs Monaten noch. Dann muss unbedingt ein Augenarzt aufgesucht werden.

Übrigens: Absichtliches Schielen verändert die Augenstellung nicht, da der Augenmuskel willentlich verwendet wird. Wenn Ihr Kind also Grimassen zieht und dabei absichtlich schielt, sollten Sie sich keine Sorgen machen.

 

Latentes Schielen

Nicht nur Kinder schielen, sondern auch Erwachsene: Das sogenannte latente Schielen tritt immer dann auf, wenn das Auge zum Beispiel durch stundenlange Computerarbeit überlastet wird. In der Regel muss diese Form des Schielens nicht behandelt werden und ist auch kaum für Laien zu erkennen. Wichtig ist nur, dass man den Augen in solchen Fällen Zeit zur Erholung gibt. Wenn Sie lange auf den Bildschirm starren müssen, lassen Sie den Blick also beispielsweise alle paar Minuten aus dem Fenster in der Ferne schweifen, blinzeln Sie bewusst und kneifen Sie die Augen öfter zusammen, um die Belastung zu vermindern.

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