Mehrfach mit Corona infiziert: Immunologe warnt vor Reinfektionen

Sind Reinfektionen mit dem Coronavirus wirklich harmlos? Ein Experte zieht einen drastischen Vergleich. Was Mehrfachansteckungen mit dem Körper machen.

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Die neue Omikron-Subvariante BA.5 sorgt aktuell für eine Sommerwelle in Deutschland mit steigenden Infektionszahlen. Zeitgleich scheinen die meisten Menschen entspannter mit dem Virus und möglichen (erneuten) Infektionen umzugehen.

Carsten Watzl, Professor für Immunologie an der Universität Dortmund, warnt jetzt aber davor, Reinfektionen als harmlos einzustufen.

Corona-Sommerwelle: Jetzt noch schnell infizieren?

Vor rund einer Woche hatte der Münchner Virologe Klaus Stöhr im "ZDF" gesagt, es sei unklug, eine Corona-Infektion jetzt zu verhindern – da es dann im Winter, "wo der Infektionsdruck und die Infektionswahrscheinlichkeit größer ist", vermehrt zu Infektionen käme.

Carsten Watzl sieht das anders. Einmal Corona gehabt zu haben, schützt schließlich nicht vor weiteren Ansteckungen zu einem späteren Zeitpunkt. Der Immunologe wählte auf Twitter ein leicht verständliches Bild dafür, was Reinfektionen mit Corona so gefährlich macht.

Watzl: Reinfektionen sind wie zu schnelles Autofahren

Online schreibt der Experte: "Eine Corona-Infektion ist wie zu schnell durch eine Kurve fahren. Es kann zum Unfall führen (schwere Erkrankung), hat aber auch Trainingseffekte (Immunität)."

Steckt man sich ein weiteres Mal an, heißt das nicht automatisch, dass die Infektion mild verläuft. "Bei der 2. zu schnellen Kurvenfahrt macht man es daher etwas besser, es kommt bei einigen aber immer noch zu Unfällen. Durch eine Trainingsrunde wird man nicht Formel1-Pilot. Daher ist Gesundheitsrisiko bei Personen mit Reinfektionen ca. 2x höher als bei 1x Infizierten."

Experte: Corona-Mehrfachsteckungen sind nicht harmlos

Spinnt man das Bild vom Auto in der Kurve weiter, dann ergibt sich: Jede zu schnell genommene Kurve ist unabhängig vom Trainingseffekt ein Risiko für sich. "Wir werden es wohl nie schaffen, 100% sicher zu schnell durch die Kurve zu kommen", macht Watzl deutlich. "Jetzt vorzuschlagen, man solle sich absichtlich infizieren, finde ich fahrlässig."

Auf die Frage, ob Reinfektionen harmlos sind, kann der Experte nur eine Antwort geben: "Nein!"

RKI definiert Reinfektionen, zählt sie aber nicht

Noch wird in Deutschland nicht dokumentiert, wie häufig sich Menschen mehrfach mit Corona infizieren. Das liegt unter anderem daran, dass es vor allem bei Omikron immer wieder zu sehr milden oder sogar symptomlosen Krankheitsverläufen kommt. Ob also eine Erst-, Zweit- oder gar Drittinfektion vorliegt, kann nicht immer mit Sicherheit gesagt werden.

Aktuell hat das RKI Reinfektionen lediglich definiert und dabei in drei Kategorien unterteilt: sichere/bestätigte, wahrscheinliche und mögliche Reinfektionen.

Reinfektionen mit Corona werden immer häufiger

Immer häufiger kommt es dazu, dass sich Menschen zum wiederholten Male mit Covid-19 anstecken. Besonders bei der hoch ansteckenden, aber milderen Omikron-Variante ist das Risiko zweier Infektionen innerhalb weniger Monate größer.

Der Grund: Die Schwere des Krankheitsverlaufs korreliert mit der Menge der gebildeten Antikörper: Das heißt, dass ein milder Verlauf zur Bildung von weniger Antikörpern führt, die auch noch schneller abgebaut werden. Der Körper kann sich schlechter an das Virus „erinnern“ und es kommt leichter zu einer Reinfektion. Das Risiko einer erneuten Ansteckung ist also desto höher, je milder die Symptome bei der ersten Infektion ausgefallen sind.

Dazu kommt, dass zurzeit nicht nur ein Subtyp von Omikron im Umlauf ist, sondern mehrere. Zunächst hatten Wissenschaftler:innen die Subtypen BA.1 und BA.2 entdeckt, inzwischen breitet sich BA.5 aus. Auch das führt dazu, dass kurz hintereinander zwei Infektionen möglich sind.

Long Covid ist nach jeder Infektion möglich

Nach jeder neuen Corona-Infektion besteht auch ein erneutes Risiko für Long Covid. Dieses ist bei geimpften Personen deutlich geringer als bei Ungeimpften – es gibt darum Vermutungen, dass auch wiederholte Infektionen das Long-Covid-Risiko senken können. Gesicherte Daten dazu fehlen allerdings noch.