Medizinische Sensation enthüllt – Forscher entwickeln künstliches Blut für jedermann

Wissenschaftler schaffen künstliches Blut
Britische Forscher haben einen künstlichen Blutersatzstoff entwickelt. Nach Aussagen der Forscher sollen mit der Entdeckung des künstlichen Bluts nicht nur die bisherigen Transfusionsstandards revolutioniert, sondern weltweit Patientenleben gerettet werde © Fotolia

Britische Forscher haben künstliches Blut entwickelt. Wie die Wissenschaftler in einer kürzlich veröffentlichten Studie herausfanden, ist das synthetisch gewonnene Hämoglobin unabhängig von Blutgruppen verwendbar und wurde in manchen Ländern bereits patentiert. Praxisvita hat für Sie die Fakten dieser medizinischen Sensation zusammengefasst.

Einem Forscherteam der University of Essex gelang es, einen künstlichen Blutersatzstoff zu entwickeln, der nicht nur sehr einfach gelagert werden kann, sondern auch für alle Blutgruppen geeignet ist. Der im Rahmen des Projekts "Haem02" gewonnene sogenannte "one-size-fits-all" Blut-Ersatzstoff überstand bereits die klinische Testphase und wurde kürzlich in einer Studie vorgestellt. Nach Aussagen der Wissenschaftler stellen die Ergebnisse der Haem02-Studie in ihrer medizinischen Tragweite eine echte Sensation dar. 

 

Künstliches Blut: Eine Entdeckung verändert die Welt

Die Mediziner betonen in ihrer Studie, dass die Bluttransfusion im klinischen Betrieb oder in Notfallsituationen zu den wichtigsten medizinischen Behandlungsmöglichkeiten gehört. Mithilfe von Spendern retten Blutkonserven rund um den Globus jedes Jahr unzählige Menschenleben. Doch das Verfahren der Bluttransfusionen besitzt aus medizinischer Sicht Schwachstellen. Das synthetisch gewonnene Hämoglobin aus Essex soll diese Probleme nun lösen.

Die Vorteile liegen nach Meinung des Studienleiters Professor Chris Cooper auf der Hand. Zuallererst wären Mediziner in Zukunft nicht mehr auf Blut von Spendern angewiesen – ein Vorteil, wenn man den großen Aufwand der sicheren Blutabnahme sowie die jedes Jahr sinkende Zahl geeigneter Blutspender berücksichtigt. Zudem sei der Einsatz des synthetischen Hämoglobins unabhängig von Blutgruppen bei jedem Menschen möglich, was die umständliche Blutgruppenbestimmung überflüssig machen würde.

 

So sollte das künstliche Blut gelagert werden

Neben den direkten Anwendungsvorteilen würde das künstliche Blut auch die Lagerung und damit die Zugänglichkeit von Blutkonserven revolutionieren. Nach Aussagen der Wissenschaftler kann die synthetische Blutalternative bei Zimmertemperatur über zwei Jahre gelagert werden. Ohne die bisher notwendige, kostenintensive und logistisch häufig schwierige Kühllagerung von Blutkonserven sei es nun möglich, große Hämoglobin-Mengen zu lagern und im Notfall – zum Beispiel bei einer Naturkatastrophe – vor Ort einsetzen zu können. Beim Einsatz des künstlichen Blutes bestehe zudem keine Infektionsgefahr für Spender und Empfänger durch verunreinigte Abnahmebestecke oder bereits infizierte Blutkonserven.

 

Der Schlüssel zum künstlichen Blut

In der Studie bezeichnen die Mediziner Hämoglobin als das Schlüsselprotein der menschlichen Blutversorgung. Als lebenswichtiger Bestandteil der roten Blutkörperchen ist das Hämoglobin verantwortlich für den Transport von Sauerstoff in alle Bereiche des Körpers. Das Team um Professor Chris Cooper fand nach jahrelanger Forschung ein künstliches „Vehikel“, um Sauerstoff über das Blut zu transportieren.

Die Schwierigkeit des künstlichen Bluts bestand nach Aussagen der Wissenschaftler darin, einen proteinbasierenden Ersatzstoff zu finden, der sich in die bestehende Blutstruktur einfügen ließ. Isoliertes Hämoglobin – ob synthetisch oder natürlich – kann für den Körper sehr schädlich sein.

Die jetzt entwickelte Variante wird allerdings vom Immunsystem des Körpers selbst "entgiftet".

 

Künstliches Blut: Das gute Ende einer langen Suche

Die Suche nach künstlichem Blut beschäftigte in den vergangenen Jahrzehnten ganze Wissenschaftlergenerationen. Nach Aussagen von Professor Chris Cooper wurden in den letzten 25 Jahren rund 2,5 Milliarden Euro in die Entwicklung eines synthetischen Hämoglobins investiert.

Das nun vorgestellte Produkt ist überdies nicht nur für die Medizinforschung ein Meilenstein, sondern soll bereits in Kürze weltweit Patientenleben retten. In Australien und den USA wurden für das künstliche Hämoglobin bereits Patente erteilt. In der EU ist ein entsprechendes Patent angemeldet, die Entscheidung über die Zulassung steht noch aus. Auf dem afrikanischen Kontinent und in Russland wurden bereits Lizenzen zur Behandlung von Patienten ausgegeben.

Hamburg, 11. Juni 2014

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