Mediziner fordern 5 Diabetes-Typen

Verena Elson
Alle Diabetiker müssen regelmäßig ihren Blutzuckerspiegel kontrollieren. Doch die Behandlung sollte sich individueller gestalten, als es bisher der Fall ist, fordern schwedische Forscherr
Alle Diabetiker müssen regelmäßig ihren Blutzuckerspiegel kontrollieren. Doch die Behandlung sollte sich individueller gestalten, als es bisher der Fall ist, fordern schwedische Forscherr © iStock/vgajic

Schwedische Forscher schlagen eine neue Klassifizierung der Subtypen bei Diabetes vor. Statt der bisherigen zwei Typen fordern sie die Einführung von fünf Kategorien.

Diabetes ist eine Krankheit, die individuell sehr unterschiedlich ausfällt - und eine zu einheitliche Behandlung wird dem nicht gerecht, so das Fazit von Wissenschaftlern der schwedischen Lund-Universität. In einer aktuellen Forschungsarbeit analysierten sie die Daten von 14.775 Diabetes-Patienten aus Skandinavien, die im Rahmen von vier verschiedenen Studien erfasst wurden. Die Ergebnisse der Auswertung wurden in dem Fachmagazin "The Lancet Diabetes & Endocrinology" veröffentlicht.

 

Neuer Ansatz: Fünf statt zwei Subtypen

Bei der Auswertung der Daten fiel dem schwedischen Forscherteam auf, dass Behandlungsfehler wie etwa der zu späte Beginn einer Insulintherapie häufig vorkommen. Ihrer Ansicht nach liegt das daran, dass  die unterschiedlichen Ausprägungen der Krankheit zu wenig berücksichtigt werden.

Die bisherige Unterteilung in Typ-1-Diabetes und Typ-2-Diabetes richtet sich nach der Ursache der Erkrankung. Eine Schlüsselrolle spielt dabei in beiden Fällen das Hormon Insulin: Es hat die Aufgabe, den Blutzuckerspiegel zu regulieren, indem es sich an die Oberfläche der Körperzellen bindet und sie dazu veranlasst, Zucker aus dem Blut zu filtern.

Beiden Typen ist gemeinsam, dass der Körper es mit dem ihm zur Verfügung stehenden Insulin nicht schafft, den Blutzuckerspiegel in einem gesunden Bereich zu halten. Doch während bei Typ-1-Diabetikern ein Insulinmangel der Grund dafür ist (das Immunsystem zerstört die insulinherstellenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse), reagiert der Körper bei Typ-2-Diabetes nicht mehr richtig auf das Insulin und der Blutzuckerspiegel bleibt trotz funktionierender Bauchspeicheldrüse zu hoch - Mediziner sprechen dann von einer Insulinresistenz.

Leichte Formen von Typ-2-Diabetes können mit einer Ernährungsumstellung und gegebenenfalls Medikamenten (z.B. Metformin) auch ohne Insulingabe unter Kontrolle gebracht werden. Bei schwereren Formen müssen auch Typ-2-Diabetiker regelmäßig Insulin spritzen.

 

"Diabetes-Cluster" richten sich nach Symptomen

Wichtiger als die Ursache der Erkrankung ist  aus Sicht der schwedischen Forscher aber ihre Symptomatik - darum basieren ihre als "Cluster" bezeichneten Kategorien vor allem auf den Symptomen, die sich bei den Patienten zeigen:

Zu Cluster eins gehören Patienten mit dem "herkömmlichen" Typ-1-Diabetes - bei ihnen liegt ein Insulinmangel vor und zusätzlich lassen sich in ihrem Blut Antikörper gegen körpereigene Enzyme nachweisen (was auf die für Typ-1-Diabetes typische Fehlfunktion des Immunsystems hindeutet).

Cluster zwei trifft meist junge Patienten. Auch sie haben einen Insulinmangel - bei ihnen lässt sich jedoch kein Angriff des Immunsystems auf den eigenen Körper feststellen. Betroffene haben ein besonders hohes Risiko für die sogenannte diabetische Retinopathie, bei der Netzhautschäden auftreten, die bis zur Erblindung führen können.

Bei zu Cluster drei gehörenden Patienten liegt eine schwere Insulinresistenz vor. Sie haben ein erhöhtes Risiko für Nierenerkrankungen als Folge ihres Diabetes. Patienten dieser Gruppe müssen mit Insulin behandelt werden. 

Die Cluster vier und fünf beschreiben leichtere Diabetes-Formen, die beide auf eine (mildere) Insulinresistenz zurückzuführen sind. Während Cluster vier Patienten betrifft, die relativ jung aufgrund ihres Übergewichts an Diabetes erkranken, tritt Cluster fünf meist bei älteren Patienten auf.

Am meisten würden von einer solchen Kategorisierung Patienten in Cluster drei profitieren, so die Forscher - denn diese würden zurzeit am häufigsten falsch behandelt.

Themen
Das könnte Sie auch interessieren
Copyright 2018 praxisvita.de. All rights reserved.