Mediziner entwickelt und verabreicht eigenen Corona-Impfstoff: Anklage erhoben!

Ines Fedder Medizinredakteurin

Nicht genügend Impfstoff für alle? Ein Labormediziner verabreicht sich und weiteren Probanden eigens hergestellten Impfstoff gegen das Coronavirus, der auch noch Wirkung zeigt – nun wird gegen ihn ermittelt.

Inhalt
  1. Eigens hergestellter Corona-Impfstoff zeigt Wirkung
  2. Klage gegen Labormediziner – weil er eigenen Impfstoff herstellte
  3. Winfried Stöcker: Kein Profit an Impfstoff-Entwicklung

Bereits im vergangenen Jahr sorgte Labormediziner Winfried Stöcker in Deutschland für Schlagzeilen. Er hat im Alleingang einen eigenen Corona-Impfstoff entwickelt und sich zunächst selbst und daraufhin vier weiteren Probanden, darunter Familienmitglieder, das Mittel gespritzt. 

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Eigens hergestellter Corona-Impfstoff zeigt Wirkung

Laut „Spiegel-Recherchen“ hätten bei den ersten fünf Probanden, den Mediziner eingeschlossen, alle Geimpften Antikörper gegen das Coronavirus gebildet. Winfried Stöcker selbst gab seine positiven Ergebnisse über das von ihm selbst entwickelte „rekombinative Antigen“ bereits im September vergangenen Jahres dem Paul-Ehrlich-Institut (PEI) weiter.

Auf seiner Homepage erklärt der Mediziner: „Ich habe das Paul-Ehrlich-Institut um die Genehmigung gebeten, diese bagatellartige Immunisierung umgehend mit einer größeren Zahl Freiwilliger nachvollziehen zu dürfen, um festzustellen, ob sie ebenso gut funktioniert wie bei mir und meiner Familie.“

Unter anderem die führenden Virologen Christian Drosten und Hendrik Streeck bestätigten dessen Wirksamkeit. Und dennoch hat sein „ganz privater“ Impferfolg einen ziemlich faden Beigeschmack. 

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Klage gegen Labormediziner – weil er eigenen Impfstoff herstellte

Denn das Pau-Ehrlich-Institut selbst meldete die Verabreichung eines Antigen-Serums in Eigenregie dem Landesamt für soziale Dienste in Kiel, welches nun Strafanzeige erstattete. „Es bestehe Verdacht strafbaren Handelns“, da eine Studie mit „experimentellen Arzneimitteln“ stattgefunden habe, ohne dass diese zuvor geprüft wurde. Winfried Stöckers Verteidiger FDP-Politiker Wolfgang Kubicki beantragte gegenüber der Staatsanwaltschaft, das Verfahren einzustellen. Winfried Stöcker brauche als Arzt keine Erlaubnis für die Herstellung eines Impfstoffs, da er das Antigen im Rahmen „individueller Heilversuche“ gespritzt habe.

Im Gegensatz zu den mRNA-Impfstoffen von z.B. Biontech oder der Firma Moderna nutzt der von Stöcker entwickelte Impfstoff ein technisch hergestelltes Antigen, ein sogenannter „Totimpfstoff“. Eigenen Angaben zufolge habe er sich und den fünf Probanden das Mittel in den Oberschenkel gespritzt. 

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Winfried Stöcker: Kein Profit an Impfstoff-Entwicklung

Laut Informationen des Spiegels habe der Mediziner und Gründer des Unternehmens EUROIMMUN Medizinische Labordiagnostika AG aktuell bereits über 60 Freiwillige mit seinem Impfstoff geimpft. „Mehr als 90 Prozent haben demnach Antikörper entwickelt.

Als nächsten Schritt kündige der Labormediziner an, die Rezeptur seines Antigens zu veröffentlichen. Er wolle keinen Profit daraus schlagen und möglichst viele Menschen vor dem Coronavirus schützen.

Quellen:

Der Corona-Tüftler und sein Impfstoff im Marmeladenglas, in: Spiegel.de
Labormediziner entwickelt im Alleingang Corona-Impfstoff, in: t-online.de
Klage gegen Mediziner, der „beste Impfung gegen COVID-19“ getestet hat, in: euronews.com

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