Mediziner bekämpfen „Krebs-Bakterien“ mit Pflanzenöl

Öl gegen Magenkrebs
Ein Heilmittel gegen einen der gefährlichsten Erreger der Welt ist zehntausend Mal kleiner als ein Staubkorn und steckt in jedem Pflanzenöl © Fotolia

In Deutschland leidet jeder Dritte unter einem Bakterium, das tödliche Krankheiten im Magen-Darm-Bereich auslösen kann. Die Behandlung gestaltet sich zunehmend schwierig – doch jetzt entdeckten US-amerikanische Forscher ein natürliches Heilmittel. Praxisvita hat die Fakten.

Das den Darm befallende Bakterium Helicobacter pylori ist eine der am weitesten verbreiteten und gefährlichsten Infektionskrankheiten weltweit.

Normalerweise behandeln Ärzte diese Infektion – die z.B. Darmkrebs oder Magengeschwüre auslösen kann – mit einem Antibiotikum. Das Problem: Immer mehr Bakterienkulturen sind resistent gegen antibiotische Wirkstoffe. Zudem verursacht die Anwendung von Antibiotika Nebenwirkungen, da z.B. auch andere, für den Verdauungstrakt wichtige Bakterien abgetötet werden.

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Die „Krebs-Bakterien“

Helicobacter-pylori-Bakterien lassen sich bei rund 50 Prozent der Weltbevölkerung nachweisen. Der Erreger ist Auslöser für Magenschleimhautentzündungen, für 75 Prozent aller Magengeschwüre und wahrscheinlich für fast alle Zwölffingerdarmgeschwüre. Außerdem wird es von der Weltgesundheitsorganisation als krebserregend (karzinogen) eingestuft. Typische mit dem Helicobacter-pylori-Bakterium auftretende Krebssorten sind Magenkrebs oder Magenschleimhautkrebs. Die genaue Übertragung des Erregers ist umstritten, eine Übertragung der Fäkalbakterien über die Nahrung und Wasser gilt aber am wahrscheinlichsten. Eine Studie der Universität Leipzig zeigte zudem, dass infizierte Kinder im Schnitt 1,4 Zentimeter kleiner und 1,3 Kilogramm leichter sind als Altersgenossen.

 

Winziges Teilchen leistet großes für die Gesundheit

Eine mögliche Lösung des Problems entdeckte nun ein Forscherteam der University of California. In einer aktuellen Studie zeigen die Mediziner, dass mithilfe sogenannter LipoLLA-Partikel – Fett-Teilchen, die aus Linolensäure (dreifach ungesättigte Fettsäure) bestehen und aus Pflanzenöl isoliert werden – Helicobacter-pylori-Bakterien erfolgreich behandelt werden können.

Da das aus dem Pflanzenöl gewonnene LipoLLA-Teilchen eine Größe von nur rund einem Millionstel Millimeter hat, gehört es aus wissenschaftlicher Sicht in den Bereich der sogenannten Nanopartikel. Doch trifft dieses winzige Fett-Teilchen im Darm auf einen Helicobacter-pylori-Erreger, verschmilzt es mit dessen äußerer Membran, setzt Linolensäure frei und zerstört so das Bakterium.

Für die Untersuchung bekamen Mäuse, die mit den gefährlichen Darmbakterien infiziert waren, über die tägliche Nahrung fluoreszierende LipoLLA-Partikel verabreicht. Anhand dieser Leuchtmarkierung stellten die Forscher fest, dass sich die Nano-Teilchen ­– so wie gewünscht – nur im Darm anreichern. Um die Wirkung zu überprüfen wurde bei den Tieren vor und nach der Pflanzenölbehandlung die bakterielle Belastung im Magen-Darm-Bereich gemessen.

 

Besser als jedes Antibiotikum

„Unsere wichtigsten Ziele waren, einen Wirkstoff auf Nanoebene zu entwickeln, der nicht durch die Magensäure zerstört wird und in der Lage ist, Helicobacter pylori effektiv zu zerstören“, erklärt Studienautor Professor Liangfang Zhang.

Tatsächlich habe die Studie ergeben, dass die LipoLLA-Teilchen den gefährlichen Darm-Erreger sogar effektiver bekämpfen als jedes bekannte Antibiotikum – und das ohne Nebenwirkungen. Ein weiterer Vorteil der Pflanzenöl-Therapie ist, dass die Helicobacter-Pylori-Bakterien keine Resistenzen gegen die kleinen Fett-Teilchen zeigen.

In Zukunft wollen die Wissenschaftler auf Grundlage dieser Studie ein Medikament entwickeln, mit dem Menschen schonend von dem Erreger befreit werden können.

Hamburg, 27. November 2014

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