Medizin-Nobelpreis geht dieses Jahr nach Japan

Phyllis Kuhn
Yoshinori Ohsumi
Der Zellbiologe und diesjährige Medizin-Nobelpreis-Empfänger Yoshinori Ohsumi © Tokyo Institute of Technology

Der Japaner Yoshinori Ohsumi wird für seine Erkenntnisse zur „Müllabfuhr“ im menschlichen Zellsystem ausgezeichnet.

Der Zellbiologe Yoshinori Ohsumi erhält dieses Jahr den Medizin-Nobelpreis. Das verkündete das Karolinska-Institut in Stockholm am Montag. Ohsumi beschäftigt sich mit der sogenannten Autophagie (altgriechisch für „sich selbst essen“), der „Müllabfuhr“ in menschlichen Zellen. Seit fast 30 Jahren forscht der inzwischen 71-jährige Japaner mit seiner Arbeitsgruppe an bestimmten Recyclingprozessen im menschlichen Körper. Mithilfe von Modellen aus Hefezellen konnte Yoshinori Ohsumi nachweisen, durch welche komplexen Mechanismen Zellen ihre Abfallprodukte wiederverwerten. Das Prinzip der Autophagie ist zwar seit mehr als 50 Jahren bekannt, bisher war es jedoch keinem Forscher gelungen, die Hintergründe und die Bedeutung der zellulären Abfallwirtschaft nachzuvollziehen.

 

Recycling in zwei Schritten

Yoshinori Ohsumi entdeckte, dass Zellen ihre Müllabfuhr in zwei Schritten organisieren. Proteinabfälle oder abgefangene Krankheitserreger werden zunächst wie in einem Mülleimer in Bläschen eingeschlossen. Die so entstandenen „Autophagosomen“ (mit Zellabfall gefüllte Bläschen) verbinden sich im nächsten Schritt mit sogenannten Lyosomen. In den so entstandenen „Autophagolysosomen“ wird mithilfe spezieller Enzyme der Zellmüll in Kohlenhydrate, Proteine und Fette zerlegt. Nach dem Recyclingprozess können diese Bestandteile wieder als Bauteile genutzt werden. Durch die Zersetzung überflüssiger Zellbestandteile kann außerdem neue Energie freigesetzt werden. Ohsumis wichtiger Beitrag: Er stellte den Prozess mit Hefezellen nach und konnte durch sein Modell 15 verschiedene Gene identifizieren (ATG-Gene), die die Autophagie steuern.

 

„Überraschender Anruf“ aus Schweden

Fehler im Recycling-Prozess werden für die Entstehung von Krankheiten wie Parkinson, Diabetes (Typ 2) und Krebs verantwortlich gemacht. Insofern stellt Ohsumis Forschung auch einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung möglicher Heilmittel gegen diese Erkrankungen dar. Der Zellbiologe nennt als eines seiner Forschungsprinzipien: Etwas zu tun, das niemand sonst tut. Trotz seiner Erfolge sei Ohsumi „sehr überrascht“ gewesen, als er den Anruf aus Schweden erhalten habe.

Hamburg, 04. Oktober 2016

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