Medizin-Experiment: Wenn Mäuse stottern

Maus in der Hand eines Laborarbeiters
Eine Mutation des Gens Gnptab soll für Stottern verantwortlich sein, das konnten Wissenschaftler durch einen Mäuse-Versuch zeigen © Fotolia

Durch die Veränderung eines Gens brachten Forscher Mäuse zum „Stottern“, das zeigt jetzt das Ergebnis einer aktuellen Studie.

Wissenschaftler weltweit befassen sich mit dem Thema Stottern – einer Sprachstörung, von der rund ein Prozent der Weltbevölkerung betroffen ist. Wodurch sie entsteht, ist bislang nicht vollständig geklärt. Eine Forschungsgruppe der Washington University School of Medicine baute ein verändertes Gen (Mutation), das zuvor bei stotternden Menschen identifiziert wurde, in Mäuse-DNA ein und brachte sie so zum „Stottern“.

 

 

 

Gen-Mutation mit Folgen

 

Schon seit ein paar Jahren steht das Gen Gnptab im Verdacht, am Prozess des Stotterns beteiligt zu sein. Wissenschaftler fanden heraus, dass Menschen, die eine Sprachstörung aufweisen, häufig eine Mutation des Gens haben. Gnptab steht für ein Protein, das dabei hilft, zellularen Abfall aus der Zelle zu transportieren.

In einer Mäuse-Studie untersuchte das Team um Leiterin Terra Barnes den Zusammenhang der Gen-Mutation mit Sprachstörungen genauer. Die Forscher züchteten Mäuse, denen sie das fehlerhafte Gen Gnptab einbauten. Anschließend untersuchten sie, wie sich die Ultraschall-Stimmlaute neugeborener Mäuse veränderten.

Ein Computerprogramm wurde entwickelt, das die Anzahl der Laute pro Minute und die Länge der Pausen zwischen den Lauten aufzeichnen konnte.

 

 

Software erkennt Stottern

 

Mäuse mit dem Gendefekt produzierten weniger Laute und mehr Pausen. Das war der Beweis, dass das fehlerhafte Gen Gnptab sprachliche Störungen mit sich bringt. Diese Ergebnisse veröffentlichten die Forscher der Universität Washington jetzt im Journal of Current Biology. Die Software kann auch bei stotternden Menschen eingesetzt werden. Sie erkennt 79 Prozent der Sprachstörungen auch beim Menschen richtig. Ihre Forschungsarbeit könnte beitragen, zukünftig eine Gentherapie gegen das Stottern zu entwickeln.

 

Hamburg, 16. April 2016

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