Meditation bei Depression: eine Ergänzung zur Therapie

Julia Klinkusch Medizin- und Wissenschaftsjournalistin

Meditation kann bei einer Depression als ergänzende Behandlung eine medikamentöse und psychotherapeutische Therapie begleiten. Untersuchungen legen nahe, dass meditatives Training bei einer Depression langfristig das Risiko für einen Rückfall senkt.

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Meditation soll dabei helfen, die innere Mitte zu finden Foto:  iStock/rgstudio
Inhalt
  1. Kann man mit Meditation eine Depression behandeln?
  2. Welchen Zweck hat Meditation bei einer Depression?
  3. Ist die Wirksamkeit von Meditation bei einer Depression belegt?
 

Kann man mit Meditation eine Depression behandeln?

Viele Psychotherapeuten greifen heutzutage auf ergänzende Entspannungsübungen wie Yoga oder Meditation zurück, um eine Depression zu behandeln. Die Meditation kann helfen, Stress abzubauen, ruhiger zu werden und zu lernen, sich selbst wieder bewusst wahrzunehmen. Klinische Depressionen sind jedoch eine schwerwiegende Erkrankung und nicht nur eine kurze Phase der Niedergeschlagenheit.

Wer eine echte Depression hat, kann sich von der Antriebslosigkeit, der Freudlosigkeit und den negativen Gedanken in der Regel ohne medizinische Unterstützung kaum befreien. Wie jede andere Erkrankung auch, sollte eine Depression medizinisch behandelt werden. Das passiert vor allem durch Psychotherapie und Medikamente (Antidepressiva). Depressive können den Heilungsverlauf jedoch positiv unterstützen, beispielsweise durch Sport – und durch Meditation.

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Welchen Zweck hat Meditation bei einer Depression?

Meditation soll bei der Therapie der Depression vor allem dabei helfen, das Gedankenkarussell anzuhalten. Denn sich wiederholenden Gedankenschleifen sind ein typisches Symptom. Das Achtsamkeitstraining zielt darauf ab, die Regulierung der eigenen Emotionen zu beeinflussen. Bei der Meditation lernt man, die eigenen Empfindungen wahrzunehmen und zu bewerten. Man lernt auch, zu beobachten und direkt wieder loszulassen.

Das Hier und Jetzt ist wichtig, nicht die negativen Gefühle aus der Vergangenheit. Wer es schafft, seine Beobachtungen direkt wieder freizugeben, kann auf diese Weise auch negative Gedankenspiralen durchbrechen. So kann Meditation bei einer Depression zwar nicht als alleinige Behandlung dienen, aber unterstützend wirken.

 

Ist die Wirksamkeit von Meditation bei einer Depression belegt?

Die Wirkung von Meditation bei einer Depression wurde mehrfach wissenschaftlich untersucht. Die Ergebnisse einer kleineren Studie der Universität Gießen ergaben, dass meditatives Achtsamkeitstraining im Vergleich zum klassischen Stressmanagement eine bessere Wirkung bei Angstzuständen hatte, die Depressionen häufig begleiten.

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Eine weitere Studie mit US-amerikanischen Veteranen, die unter einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) litten, ergab ebenfalls Hinweise auf eine positive Wirkung. Meditation führte in diesem Fall zu einem subjektiv empfundenen verbesserten Selbstwertgefühl, durch das sich die Symptome der PTBS und damit einhergehender Depressionen linderten.

Auch eine kleinere Studie der Universität von Südkalifornien konnte eine Wirkung der Meditation bei Depressionen feststellen. Die Teilnehmer der Studie absolvierten ein dreimonatiges Yoga- und Meditationstraining. Depressive und ängstliche Symptome verringerten sich deutlich. Weitere Studien deuten vor allem darauf hin, dass Meditation bei einer Depression vor Rückfällen schützen kann.

Eine Studie zeigte, dass Meditation sogar im Vergleich zur medikamentösen Therapie beim Schutz vor einem Rückfall gleichwertig war. Weitere Studien, die die Grenzen und Möglichkeiten von Meditation bei Depression untersuchen, wären nach Aussage der Experten wünschenswert.

Quellen:

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