Medikamente können Impfschutz mindern

Eine Ärztin berät einen älteren Patienten
Bei Patienten, die Statine einnehmen, fällt die Schutzwirkung der Grippeimpfung schwächer aus – darauf weisen zwei Studien hin © Fotolia

Viele Menschen mit hohen Cholesterinwerten nehmen sogenannte Statine ein. Doch diese Medikamente könnten die Wirksamkeit der Grippeimpfung herabsetzen, zeigen jetzt zwei Studien internationaler Forscher.

Ein internationales Forscherteam unter Beteiligung des Pharmakonzerns Novartis untersuchte, wie sich die Einnahme von Statinen auf die Wirksamkeit der Grippe-Schutzimpfung auswirkt. Die Forscher werteten dafür Daten aus, die während der Grippewellen 2009-10 und 2010-11 für eine andere Studie erfasst wurden. Sie enthielten Informationen über die Schutzwirkung der Impfung bei rund 7.000 Erwachsenen über 65 Jahren.

Dabei stellten sie fest: Nahmen Patienten Statine ein, hatten sie drei Wochen nach der Impfung deutlich weniger Grippe-Antikörper im Blut als wenn sie keine Statine nahmen.

 

Statine verringern Wirksamkeit der Grippeimpfung

In einer zweiten Studie analysierten Wissenschaftler der Emory University in Atlanta Daten aus neun Grippesaisons (2002-2011). Ihr Interesse galt dabei der Schutzwirkung der Grippeimpfung gegen Atemwegserkrankungen bei 140.000 Probanden.

Das Ergebnis: Die Schutzwirkung war geringer, wenn Patienten Statine einnahmen, besonders wenn die Grippe weit verbreitet war.

Außer der Beteiligung von Novartis an der ersten Studie bemängeln Kritiker, dass Daten verwendet wurden, die ursprünglich für andere Zwecke erfasst wurden. Dennoch legen die beiden Untersuchungen nahe, dass Statine die Reaktion des Immunsystems auf den Grippeimpfstoff drosseln. Da gerade ältere Menschen häufig Statine einnehmen und die Grippeimpfung für diese Altersgruppe (65+) besonders wichtig ist, sollten Betroffene das Thema mit ihrem Arzt besprechen. In diesen Fällen könnten aus Sicht der Studienautoren eine erhöhte Impfdosis oder ein Wirkverstärker die Immunantwort verbessern. Andere Experten sagen dagegen, für solche Ratschläge sei es noch zu früh und es müssten erst weitere Studien abgewartet werden.

Hamburg, 29. Oktober 2015

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