Medikament mit doppelter Wirkung – Krebsmittel steigert weibliche Fruchtbarkeit

Ein zur Behandlung von Brustkrebs eingesetztes Medikament steigert die Fruchtbarkeit von Frauen, die auf natürliche Weise nicht schwanger werden können. Das zeigen Forscher des National Institutes of Health in einer aktuellen Studie. Demnach erhöht die Einnahme des Krebsmedikaments Letrozol die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft deutlich mehr als herkömmliche fruchtbarkeitsfördernde Präparate.

Das Medikament Letrozol wird seit vielen Jahren zur Behandlung von Brustkrebs eingesetzt. Nun fanden Forscher des US-amerikanischen National Institutes of Health in Bethesda heraus, dass Letrozol die weibliche Fruchtbarkeit steigert – und das sogar besser als üblicherweise bei Empfängnisproblemen verschriebene Präparate.

 

Wirkt gegen Krebs – und hormonbedingte Unfruchtbarkeit

Das Krebsmedikament hat  auf Frauen, die unter dem sogenannten Polyzystischen-Ovarial-Syndrom (PCOS) leiden, eine fruchtbarkeitssteigernde Wirkung. Diese Stoffwechselstörung erhöht bei Frauen die Produktion bestimmter Hormone, wodurch Zyklusstörungen auftreten, sich kleine Zysten an den Eierstöcken bilden und Schwangerschaften ausbleiben. PCOS ist die häufigste Ursache für weibliche Unfruchtbarkeit. Je nach Studie gehen Mediziner von fünf bis zehn Prozent aller Frauen aus, die von der Stoffwechselstörung betroffen sind.

Bisher wurde das PCO-Syndrom vor allem mit Medikamenten behandelt, die auf dem Wirkstoff Clomiphen basieren. Dieser sogenannte "selektive Östrogenrezeptormodulatoren" wurde speziell dafür entwickelt, den Eisprung einer Frau auszulösen. In der Kritik steht Clomiphen aber, da es nach Aussagen der Forscher verhältnismäßig viele Mehrlingsgeburten auslöst, nur bei jeder fünften Frau mit PCOS wirkt und für die gewünschte Wirkung eine verhältnismäßig lange Anwendungsdauer von mehr als einem Jahr benötigt.

 

Krebsmittel verbessert den Eisprung

Das Brustkrebsmedikament Letrozol wirkt dagegen als sogenannter Aromatasehemmer – blockiert also die Herstellung der relevanten, überproduzierten Hormone in Muskeln und Fettgewebe – und verbessert die Fähigkeit des Eisprungs bei Frauen um 62 Prozent.

Die an der Studie beteiligten Forscher erklären, dass durch die Einnahme von Letrozol 28 Prozent der weiblichen Probanden trotz hormonbedingter Unfruchtbarkeit spätestens nach fünf Zyklen schwanger waren. Alle Frauen litten unter dem PCO-Syndrom und galten als unfruchtbar. Die Ergebnisse zeigen, dass das vermeintliche Krebsmittel um mindestens 30 Prozent besser wirkt, als herkömmlich verschriebene fruchtbarkeitssteigernde Mittel – wie z.B. Clomiphen.

Insgesamt hatten die Forscher aus Maryland die weiblichen Probanden nach der Verabreichung von Letrozol nur ein halbes Jahr – fünf Zyklen – beobachtet. Inwieweit das Medikament die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft über diesen Zeitraum hinaus verbessert, kann deswegen nicht gesagt werden.

 

Niedriger Preis, weniger Komplikationen und einfach anzuwenden

Vorteile der Nutzung von Letrozol als fruchtbarkeitsförderndes Medikament liegen für die beteiligten Forscher auf der Hand. Das bereits zugelassen Medikament sei – mit einem Preis von rund 40 Euro pro Anwendungspackung – im Vergleich zu anderen, weniger wirksamen Präparaten sehr viel billig. Studienleiter Professor Richard Legro  von der Pennsylvania State University in Hershey hebt das Krebsmittel gegenüber Clomiphen als „einfaches, sicheres und wesentlich besser wirkendes Mittel zur Behandlung von PCOS“ hervor.

Die Studie habe gezeigt – so erklärt Professor Legro weiter –, dass Letrozol die bei anderen Präparaten bestehende Gefahr von Mehrlingsgeburten um mehr als die Hälfte verringert. Ebenso seien keine, durch das Krebsmedikament ausgelösten, Schwangerschaftsfehler nachweisbar. Nach Auswertung aller Daten, habe sich gezeigt, dass das Risiko für Komplikationen und Fehlgeburten in etwa genauso hoch sei, wie bei natürlichen Schwangerschaften.

Hamburg, 10. Juli 2014

Das könnte Sie auch interessieren
Themen
Copyright 2018 praxisvita.de. All rights reserved.