Medikament Bewegung: Zwillingsstudie beweist Wirkung

Redaktion PraxisVITA
Eineiige Zwillinge
Studien zeigen: Sobald eineiige Zwillinge unterschiedlich viel Sport machen, verändert sich sogar ihre jeweilige Lebenserwartung © Fotolia

Sport ist gesund. Aber wie gut er wirklich für den Körper ist, lässt sich schwer messen. Nun haben finnische Forscher eine klare Antwort gefunden.

 

Bewegung verändert den Körper

Bewegung hat in kürzester Zeit einen extrem positiven Einfluss auf unser Gehirn und unseren Körper. Dieses Ergebnis präsentieren jetzt Forscher aus Finnland in einer Studie. Das scheint auf den ersten Blick nichts Neues zu sein. Das Spannende an der Studie ist jedoch: Sie untersucht eineiige Zwillinge, die in ihrer Jugend die gleiche Art Sport in einem ähnlichen Ausmaß betrieben, dann aber später im Erwachsenenalter unterschiedliches Trainingsverhalten zeigten. Durch das Zwillings-Design können die Forscher den Einfluss von Genen und Ernährung zu einem großen Teil ausklammern – und allein die Bedeutung der Bewegung messen.

Genaue Aussagen über die exakte Wirkung von Bewegung auf unseren Körper und unser Gehirn sind erstaunlich kompliziert zu treffen. Der Grund: Viele große Studien vertrauen nur auf Fragebögen, Interviews oder medizinische Daten. Doch diese Studien können dann nur einen Zustand beschreiben, zum Beispiel: Menschen die mehr Sport machen sind gesünder – Aussagen über eine Entwicklung können sie hingegen nicht treffen. Sie können darüber nur spekulieren.

 

Einfluss der Gene

Dazu kommt noch, dass diese Studien eine weitere Sache gar nicht berücksichtigen können: Die Gene und die frühe Kindheit beeinflussen unsere Fitness extrem. Sie geben vor, wie gut wir auf spezielle Trainingsreize reagieren oder ob wir grundlegend Spaß an Bewegung haben. Diese Unterschiede verfälschen viele Studien und erschweren eindeutige Aussagen. Genau diese Schwächen verhindern die Finnen, indem sie nur Zwillingspärchen untereinander vergleichen.

Um an die Daten zu kommen, nutzten die Forscher von der Universität Jyväskylä eine umfassende Datenbank, die FinnTwin16 heißt und Daten zur Gesundheit finnischer Zwillinge sammelt. Darin suchten die Forscher nach jungen Erwachsenen, deren Trainingsroutinen lange Zeit gleich waren, sich aber stark unterscheiden, seit sie ihr Elternhaus verlassen haben. Die waren schwer zu finden. Die meisten Paare behielten auffällig ähnliche Gewohnheiten, selbst wenn sie weit voneinander entfernt lebten. Am Ende identifizierten die Forscher nur zehn Paare, bei denen der eine regelmäßig trainierte und der andere nicht. Dies war meist durch familiäre oder berufliche Verpflichtungen bedingt. Doch bei dieser kleinen Gruppe an Probanden fanden sie erstaunliche Ergebnisse.

 

Messbare Unterschiede

Sie luden die Zwillinge in ein Labor ein und untersuchten die Ausdauerleistung, den Anteil von Fett und Muskeln am gesamten Körpervolumen und die Reaktion auf Insulin (Insulinsensitivität). Dazu machten sie mit einem Magnetresonanztomograf Aufnahmen des Gehirns. Dabei kam heraus, dass diese Zwillinge unter ihrer Haut sehr unterschiedlich waren: Die unsportlichen Zwillinge hatten weit schlechtere Ausdauerwerte, einen deutlich höheren Anteil von Körperfett und zeigten stärkere Insulinresistenzen. Hinweise auf beginnende Herz-Kreislauf-Probleme und Diabetes-Typ-2. Da die Zwillinge sich noch immer sehr ähnlich ernährten, lässt sich aus dieser Studie ein klarer Schluss über den starken Einfluss von Bewegung auf die Gesundheit ziehen.

Und nicht nur die Körper der Zwillinge unterschieden sich – auch die Gehirne sahen anders aus. Die aktiven Zwillinge hatten deutlich mehr graue Substanz (ein wichtiger Grundstoff des Zentralnervensystems), als die inaktiven. Besonders in den Bereichen, die für die Bewegungskontrolle und die Koordination zuständig sind, unterschieden sie sich deutlich.

Zwei Schlüsse ziehen die Forscher aus ihren Ergebnissen: Gene und Erziehung bestimmen nicht unser Schicksal, wenn es um unsere Bewegungsgewohnheiten geht. Selbst Personen, bei denen nahezu der gesamte Hintergrund identisch ist, können sich in unterschiedliche Richtungen entwickeln – im Guten wie im Schlechten. Hinzu kommt: Ein positiver Einfluss von Bewegung auf die Gesundheit ist schon nach kurzer Zeit feststellbar. Es ist also nie zu spät, um mit dem Training anzufangen.

Hamburg, 4. März 2015

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