Medikament Arbeit – welche Dosis ist notwendig?

Verena Elson

Britische Forscher haben untersucht, welche „Dosis“ an Arbeit notwendig ist, um unser psychisches Wohlbefinden zu stärken. Die Antwort überrascht.

Eine Frau arbeitet im Team
Arbeiten tut der Psyche gut – für diesen Effekt reicht schon ein Tag pro Woche aus Foto:  mixetto/iStock

Arbeiten ist für die meisten von uns eine finanzielle Notwendigkeit – wir arbeiten, um unseren Lebensunterhalt zu sichern. Doch ohne Job fehlt uns nicht nur Geld: Auch unser psychisches Wohlbefinden profitiert von der Arbeit, unter anderem in Form eines stärkeren Selbstbewusstseins und eines sozialen Zugehörigkeitsgefühls. Doch wie viel müssen wir arbeiten, um diesen Effekt zu erreichen?

 

Arbeitslosigkeit mindert Selbstwertgefühl

Dieser Frage ging ein Team aus Forschern an den Universitäten Cambridge und Salford nach. Für ihre Studie zum optimalen Arbeitspensum für die Psyche begleiteten die Wissenschaftler 71.113 Personen im Alter zwischen 16 und 64 für neun Jahre. Unter anderem wurden die Probanden zu Beschwerden wie Angst- und Schlafstörungen befragt.

„Wir wissen, dass Arbeitslosigkeit häufig schädlich für das Wohlbefinden der Menschen ist – sie wirkt sich negativ auf Identität, Status, das Empfinden, seine Zeit sinnvoll zu verbringen, sowie das Zugehörigkeitsgefühl aus“, erklärt Co-Autor Dr. Brendon Burchell, Soziologe an der Cambridge University. „Jetzt haben wir auch eine Idee davon, wie viel bezahlte Arbeit notwendig ist, um die psychosozialen Vorteile einer Anstellung zu erhalten – und das ist gar nicht so viel.“

Drei Generationen
Service In diesem Alter ist das Selbstbewusstsein am höchsten

 

Arbeit für eine gesunde Psyche: Ein Tag pro Woche reicht aus

Die Analysen von Burchell und seinen Kollegen ergaben: Begeben sich Menschen aus der Arbeitslosigkeit oder Elternzeit in bezahlte Arbeit für acht Stunden pro Woche, sinkt ihr Risiko für psychische Probleme um 30 Prozent. Alles, was an Arbeitszeit darüber hinaus geht, bringt laut der Studie keine weiteren Vorteile für die psychische Gesundheit.

„Wir haben effektive Dosierungsrichtlinien festgelegt für alles von Vitamin C bis Schlafdauer (…), aber dies ist das erste Mal, dass diese Frage in Bezug auf bezahlte Arbeit gestellt wurde“, so Burchell.

Quelle: 
Kamerāde, D., et al. (2019): A shorter working week for everyone: how much paid work is needed for mental health and well-being?, in: Social Science and Medicine.

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