Matthias Sammer – hatte er eine transitorische ischämische Attacke?

Verena Elson
Matthias Sammer
Sportvorstand Matthias Sammer pausiert für einige Zeit – Grund ist eine Durchblutungsstörung im Gehirn, eine sogenannte transitorische ischämische Attacke (TIA) © gettyimages

Vermutlich wegen einer sogenannten transitorischen ischämischen Attacke muss der Sportvorstand des FC Bayern München einige Zeit pausieren. Was steckt hinter dem „Mini-Schlaganfall“? Praxisvita beantwortet die wichtigsten Fragen.

 

Was ist eine transitorische ischämische Attacke?

Als Grund für Matthias Sammers vorübergehenden Rückzug aus dem Sportgeschäft nannte der Verein eine „winzige Durchblutungsstörung des Gehirns“. Doch was bedeutet das eigentlich?

Bei einer Durchblutungsstörung im Gehirn wird das Organ nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Ursache ist meist ein Blutgerinnsel, das ein kleines Gefäß im Gehirn oder eines, das zum Gehirn hinführt, verstopft. Hält diese Blockade nur kurzfristig (höchstens 24 Stunden) an und verschwindet von selbst wieder – wie bei Matthias Sammer –, sprechen Mediziner von einer „transitorischen ischämischen Attacke“ (TIA), auch „Mini-Schlaganfall“ genannt. Bleibt die Blutzufuhr unterbrochen, handelt es sich um einen Schlaganfall.

Auch, wenn eine TIA nicht genauso gefährlich ist wie ihr „großer Bruder“ Schlaganfall, gilt sie als medizinischer Notfall und sollte unbedingt ernstgenommen werden. Denn häufig ist die transitorische ischämische Attacke Vorbote eines echten Schlaganfalls: Experten schätzen, dass rund 40 Prozent der Schlaganfall-Patienten zuvor eine TIA hatten.

 

Wie zeigt sich eine transitorische ischämische Attacke?

Grundsätzlich unterscheiden sich die Symptome einer transitorischen ischämischen Attacke nicht von denen eines Schlaganfalls – der einzige Unterschied besteht darin, dass sie von selbst wieder vergehen. Mögliche Symptome sind unter anderem die vorübergehende Erblindung auf einem Auge, Taubheitsgefühle oder Lähmungen in einer Gesichtshälfte, einem Bein oder einer Hand oder kurzzeitige Sprachstörungen.

Bei diesen Anzeichen sollte ein Notarzt gerufen werden – auch wenn die Symptome schon wieder vorüber gegangen sind. Im Krankenhaus werden Patienten nach einer TIA für mindestens 24 Stunden überwacht. Meist bekommen sie blutgerinnungshemmende Mittel, um weiteren Blutgerinnseln vorzubeugen.

 

Welche Risikofaktoren gibt es?

Die Risikofaktoren bei einer transitorischen ischämischen Attacke sind die gleichen wie bei einem Schlaganfall: Grunderkrankungen wie Bluthochdruck, Arteriosklerose, Diabetes und Vorhofflimmern, aber auch Übergewicht, Rauchen, und Stress. Für Betroffene ist es besonders wichtig, die Ursachen zu kennen, um weiteren Attacken und möglicherweise sogar dem Schlaganfall vorbeugen zu können.

Die meisten dieser Risikofaktoren dürften bei dem ehemaligen Leistungssportler Matthias Sammer keine Rolle spielen. Ein möglicher Auslöser seiner Attacke könnte jedoch sein zeit- und stressintensiver Job sein.

Doch es gibt einen weiteren Faktor, der die TIA bei Sammer begünstigt haben könnte: Gerade bei jüngeren Betroffenen (unter 55 Jahren) kann der Vorfall in etwa einem Drittel der Fälle auf keine klare Ursache wie eine Arteriosklerose oder Durchblutungsstörungen zurückgeführt werden. Bei rund der Hälfte dieser Patienten liegt ein sogenanntes Persistierendes Foramen ovale (PFO) vor. Bei diesem Herzfehler verschließt sich bei der Geburt die Verbindung zwischen den beiden Vorhöfen nicht, wie sie es gewöhnlich bei Neugeborenen tut. Meist bekommen Betroffene davon gar nichts mit und leben beschwerdefrei – der Herzfehler betrifft immerhin rund 25 Prozent der Menschen. Doch in seltenen Fällen ist die „Lücke“ im Herzen so groß, dass sie TIA und Schlaganfälle verursachen kann.

 

Warum zieht sich Matthias Sammer jetzt zurück?

In der Zeit nach einer transitorischen ischämischen Attacke ist die Gefahr eines „echten“ Schlaganfalls besonders hoch. Laut Angaben der Deutschen Herzstiftung kommt es bei rund zehn bis 15 Prozent der Betroffenen in den ersten drei Monaten nach der TIA zu einem Schlaganfall, bei der Hälfte davon schon innerhalb der ersten 48 Stunden. Da Stress ein möglicher Risikofaktor ist, ist gerade bei einem belastenden Job wie dem von Matthias Sammer Schonung in der ersten Zeit nach der TIA unerlässlich.

Hamburg, 26. April 2016

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