Maternal Gatekeeping: gestörte Mutter-Kind-Bindung

Julia Klinkusch Medizin- und Wissenschaftsjournalistin

Maternal Gatekeeping: Was tun, wenn eine Bindungsstörung zwischen Mutter und Kind dazu führt, dass die Mutter den Vater von der Erziehung ausschließt.

Mutter umarmt fest ihre Tochter
Maternal Gatekeeping: ein gestörtes Bindungsverhältnis zwischen Mutter und Kind Foto:  istock/ Geber86
Inhalt
  1. Was ist Maternal Gatekeeping?
  2. Welche Gründe gibt es für die Bindungsstörung zwischen Mutter und Kind?
  3. Welchen Einfluss hat eine Trennung auf Maternal Gatekeeping?

Beim Maternal Gatekeeping ist die Bindung zwischen Mutter und Kind gestört. Jedoch nicht dahingehend, dass sich die Mutter nicht kümmert – im Gegenteil. Sie kümmert sich zu viel und ausschließlich. Der Vater wird von der Erziehung zum größten Teil ausgeschlossen.

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Was ist Maternal Gatekeeping?

Maternal Gatekeeping ist eine psychische Störung bei Müttern. Es handelt sich um eine Bindungsstörung zwischen Mutter und Kind. Das Kind steht völlig im Fokus der Mutter, sie akzeptiert keine andere Bezugsperson. Die Störung wird selten als solche erkannt, da es in der heutigen Gesellschaft nach wie vor meist die Mutter ist, die sich intensiv um das Kind kümmert. Der Grad zu einer gestörten Mutter-Kind-Bindung ist schmal, doch beim Maternal Gatekeeping kümmern sich die Mütter bewusst zu einhundert Prozent um ihre Kinder und befassen sich ausgiebig mit jedem Thema, das die Kinder betrifft. Der Vater kommt in dieser Planung nicht vor. Die betroffenen Frauen überlassen ihrem jeweiligen Partner das gemeinsame Kind nur widerwillig, trauen ihm nicht zu, den Nachwuchs richtig zu betreuen. In extremen Fällen lassen sie nicht einmal mehr zu, dass der Vater das Kind auf den Arm nimmt.

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Welche Gründe gibt es für die Bindungsstörung zwischen Mutter und Kind?

Dass Frauen in der ersten Zeit nach der Geburt auf ihr Baby fixiert sind, ist normal. Diese Bindung löst sich etwa zum Ende des ersten Lebensjahres. Doch es gibt Frauen, denen das nicht gelingt. Betroffene Mütter sind in der Regel nicht in der Lage, sich auf eine Bindung mit mehr als einem Menschen einzulassen. Meist haben sie es in ihrer Kindheit selbst nicht anders kennengelernt. Wird in die Zweier-Konstellation Mann und Frau nun ein Baby geboren, kommen die betroffenen Frauen mit dieser neuen Situation nicht zurecht. Die Dreier-Konstellation ist ihnen unbekannt und unheimlich. Sie drängen eine Person aus dieser Konstellation heraus, und das ist im Fall von Maternal Gatekepping der Vater. Einer US-Studie zufolge sind 25 Prozent aller Frauen von dieser Bindungsstörung zwischen Mutter und Kind betroffen. Meist sind es Frauen, die erst in höherem Alter ihr erstes Kind bekommen.

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Welchen Einfluss hat eine Trennung auf Maternal Gatekeeping?

Waren Väter vor 50 oder 60 Jahren vielleicht froh, dass sich die Mutter um alles gekümmert hat, wollen sich Väter heute oft in die Erziehung einbringen. Besteht jedoch eine gestörte Bindung zwischen Mutter und Kind, die den Vater ausschließt, kann das zur Trennung führen. Das Maternal Gatekeeping hat bei einer Trennung einen noch größeren Einfluss auf das Kind als ohnehin schon.

Ein Kind, dessen Mutter unter dieser Bindungsstörung leidet, lernt in der Regel kein modernes Rollenverständnis kennen. Hat die Mutter dem Vater schon während der Beziehung das Kind vorenthalten, wird sich dies nach der Trennung noch verschlimmern. Unter Umständen versucht die Mutter, den Vater vor dem Kind in ein schlechtes Licht zu setzen. Doch auch Väter sind wichtig für die emotionale Entwicklung von Kindern. Suchen sich die Betroffenen keine Hilfe, wird das Maternal Gatekeeping auf diese Weise auf die Nachfolgegeneration übertragen.

 

Quellen:

Maternal Gatekeeping: Mothers' Beliefs and Behaviors That Inhibit Greater Father Involvement in Family Work, in: Journal of Marriage and Family

Maternal gatekeeping, coparenting quality, and fathering behavior in families with infants, in: Journal of Family Psychology

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