Maserndebatte: Vorerst keine Impfpflicht

Ein kleines Kind wird geimpft
Politiker rufen Eltern auf, ihre Kinder gegen Masern impfen zu lassen © Shutterstock

Die Masernimpfung bleibt freiwillig – vorerst. Praxisvita verrät, wie wichtig die Masernimpfung ist, wie hoch ihre Risiken sind und wer sich alles impfen lassen sollte.

Die Bundesregierung will vorerst keine Impfpflicht gegen Masern einführen – man schließe diesen Schritt aber nicht generell aus, erklärte Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU). Er setze auf eine Impfkampagne von Ärzten, Kitas und Schulen – bliebe die ohne Erfolg, werde man auf die Impfpflicht zurückgreifen.

 

Impfpflicht in Kitas und Schulen

Hintergrund der aktuellen Debatte war die Forderung von Experten der Bundesregierung nach einer gesetzlichen Verpflichtung zur Masernimpfung. So hatte Gesundheitspolitiker Jens Spahn (CDU) gegenüber der „Welt am Sonntag“ eine Impfpflicht in Kindergärten und Schulen in Erwägung gezogen. Kritik an dieser Forderung kam aus den Reihen der Opposition: Grüne und Linkspartei sprachen sich gegen eine Impfpflicht und für bessere Aufklärung zum Thema Impfungen aus.

Der Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, Wolfram Hartmann, äußerte sich gegenüber der Zeitung „Welt“ skeptisch zu einer allgemeinen Impfpflicht, da diese sich gegen die „Widerstände in der Bevölkerung“ nicht durchsetzen lasse. Er sprach sich aber für eine Impfpflicht in Kitas und Schulen aus – Eltern müssten dann einen entsprechenden Nachweis vorlegen, um einen Platz für ihr Kind zu bekommen. Eine Verpflichtung zur Impfberatung bezeichnete er dagegen als „Augenwischerei“ – denn die erfolge bereits.

 

Masernimpfung ist sicher

Impfgegner argumentieren mit möglichen Risiken einer Masernimpfung – doch die sind nach Angaben internationaler Experten zu vernachlässigen. Das Risiko gefährlicher Nebenwirkungen ist demnach um ein Vielfaches höher. Dazu gehören lebensgefährliche Komplikationen wie eine Entzündung des Gehirns. Erst gestern wurde bekanntgegeben, dass ein Kleinkind in Berlin seiner Masernerkrankung erlegen war – inzwischen wurde die Todesursache durch die Obduktion des Jungen bestätigt.

 

Masern: Wer sollte sich impfen lassen?

Die Masernimpfung erfolgt bei Kindern zwischen dem 11. bis 14. Lebensmonat und muss zwischen dem 15. bis 23. Lebensmonat oder vier bis sechs Wochen nach der ersten Impfung aufgefrischt werden. Danach ist das Kind lebenslang immun.

Doch die meisten derzeit an Masern Infizierten sind Erwachsene. Der Grund: Sie hatten keinen ausreichenden Impfschutz. Darum rufen Mediziner vor allem Erwachsene auf, ihren Impfschutz zu überprüfen. Ist er nicht mehr nachvollziehbar, sollte man sich vorsichtshalber impfen lassen. Denn eine zusätzliche Impfung schadet nicht – eine fehlende Impfung kann jedoch lebensgefährlich werden.

Im Interview erklärt Kinderärztin Dr. Nadine Hess, wie gefährlich die Masern sind und warum die Impfung so wichtig ist.

Hamburg, 24. Februar 2015

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