Masern-Welle: Gröhe greift zum letzten Mittel

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe will härter gegen Impfgegner vorgehen
Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe will härter gegen Impfgegner vorgehen © Imago

Die Masern sind weiter auf dem Vormarsch. Bundesgesundheitsminister Gröhe will im Bundestag über Konsequenzen für Impfgegner beraten – und orientiert sich möglicherweise an Australien. Dort drohen Verweigerern drastische Strafen.

Angesichts der nach wie vor hohen Zahl an Masern-Erkrankungen stellt Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe eine Impfpflicht in Aussicht. Ein halbes Jahr nach dem Masern-Ausbruch in Berlin sei noch immer kein Ende in Sicht. Nicht impfen sei verantwortungslos, erklärte Gröhe der Deutschen Presse-Agentur und dem NDR und ergänzte weiterhin: „Wir müssen auch der Panikmache einiger Impfgegner entgegentreten“. Der CDU-Politiker versicherte: „Wer ohne medizinische Notwendigkeit seinem Kind den Impfschutz verweigert, schadet nicht nur diesem Kind, sondern auch Kindern, die zum Beispiel zu klein sind, um geimpft zu werden, oder Kindern, die tatsächlich aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden können.“

 

Zustimmung aus Bayern

Gröhe betonte, diese Krankheit sei unnötig, weil es einen wirksamen Impfschutz gebe, und machte deutlich, dass weitergehende Schritte wie das Thema Impfpflicht kein Tabu sein dürften. „Wir werden diese Fragen sorgfältig, aber konsequent im Rahmen der jetzt anstehenden parlamentarischen Beratungen zum Präventionsgesetz debattieren und dann entscheiden.“  Zustimmung kommt aus Bayern. Der Freistaat vertraut zwar hauptsächlich auf Beratung und Aufklärung, um die Menschen zur Impfung zu veranlassen, sagte Landesgesundheitsministerin Melanie Huml von der CSU. Falls die Lage sich jedoch nicht bessern sollte, „darf die Möglichkeit einer Impfpflicht bei Masern nicht ausgeschlossen werden.“

 

 Australien kürzt Sozialleistungen

In Australien geht die Regierung drastisch gegen Impfverweigerer vor. So sollen Eltern, die ihre Kinder nicht impfen lassen, Sozialleistungen gestrichen werden. Einem Bericht des Sydney Morning Herald zufolge plant Sozialminister Scott Morison verschärfte Regeln für Steuervergünstigungen und Hilfen zur Kindesbetreuung. Wer solche Hilfen in Anspruch nehme, dürfe nicht länger Einwände gegen Impfungen aus Gewissensgründen vorbringen.

Auch in Australien haben Masern-Ausbrüche eine Impfdebatte ausgelöst. Wie Deutschland über eine Impfpflicht diskutiert, erfahren Sie hier.

Hamburg, 13. April 2015

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