Masern-Epidemie in Berlin: Impf-Debatte bei „Hart aber fair“

Frank Plasberg mit Eckardt von Hirschhausen in "Hart aber fair"
Die Sendung „Hart aber Fair" spiegelte die emotionale Debatte zwischen Impfbefürwortern und Impfgegnern wider, die zusammen mit der Masernwelle in Berlin wieder hochschwappt © Imago

Berlin bekommt die Masernwelle nicht in den Griff. Seit Ausbruch der Masern-Epidemie sind in der Hauptstadt 850 Menschen erkrankt. Der Grund: Zu viele Menschen lassen sich nicht impfen. Bei „Hart aber fair“ trafen Impfskeptiker und –befürworter jetzt aufeinander.

Ein einjähriger Junge ist bereits an einer Maserninfektion gestorben. Warum entscheiden sich Menschen dagegen, sich oder ihre Kinder impfen zu lassen? Diese und viele weitere Fragen rund um die Masernimpfung wollte Frank Plasberg Montagabend in seinem Polit-Talkmagazin „Hart aber fair“ mit seinen Gästen diskutieren – und lieferte einen Anstoß für eine hitzige Debatte.

 

Die Impfdebatte

Impfen oder nicht? Für die meisten Eltern keine Frage. Rund zwei Drittel der Deutschen sind sogar Befürworter einer Impfpflicht. Elisabeth von Wedel, Heilpraktikerin, ist anderer Meinung: „Impfungen sind keine ausreichend sichere Maßnahme, um meine Tochter vor Krankheit zu schützen“, betont sie bei „Hart aber fair“. Von Wedel hat ihr Kind nicht impfen lassen. Für Eckart von Hirschhausen ist das eine „egoistische und fahrlässige Haltung“. Auch Claudia Kleinert – ARD-Wettermoderation – schließt sich dem Arzt und Moderator an: „Sein Kind nicht gegen Masern impfen zu lassen, ist rücksichtslos den anderen gegenüber.“ Von Wedel bleibt bei ihrer Meinung. Und erklärt: Selbst in durchgeimpften Bevölkerungen wie China käme es immer wieder zu Massenausbrüchen. Zu viel  für Eckardt von Hirschhausen. Er teilte aus: „Das ist Bullshit hoch 10! Das ist eine Verschwörungstheorie, der ich hier kein Forum bieten möchte. Es sterben Menschen an Masern – das wäre verhinderbar.“

 

Erhöht fehlender Nestschutz das Masern-Risiko für Säuglinge?

Moderator Frank Plasberg geht dazwischen und fragt in die Runde: Wie ist das mit dem Nestschutz nach einer überstandenen Masernerkrankung? Hatte die Mutter bereits die Masern, genießen Babys zehn Monate lang Nestschutz. Wurde sie geimpft, sind es drei bis sechs Monate. Für Impfgegnerin Elisabeth von Wedel ein Zeichen dafür, dass geimpfte Mütter ihren Säuglingen keinen ausreichenden Nestschutz geben können. Für die Impfbefürworter ein zynisches Argument, denn das würde bedeuten, dass alle Mädchen in ihrer Kindheit die Masern durchmachen sollten. Die jüngsten Meldungen zeigen: nur eine flächendeckende Impfung bietet wirksamen und sicheren Schutz. Um Immunitätslücken möglichst schnell zu schließen, empfiehlt die Ständige Impfkommission die erste Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln im Alter von 11 bis 14 Monaten.

 

Krankheitsverlauf mit erhöhter Komplikationsrate

Skeptiker halten die Masernimpfung für riskant. Dem Paul-Erich-Institut zufolge gab es zwischen den Jahren 2001 und 2012 genau 1969 gemeldete Fälle, bei denen ein Verdacht auf Impf-Nebenwirkungen bestand. Diesen Fällen gegenüber stehen etwa 30 Millionen Impfdosen, die keine Komplikationen nach sich zogen. Die Gefahr, dass etwas passiert, beträgt damit also nur 0,0027 Prozent.

Die Erkrankung zählt noch immer zu den sogenannten Kinderkrankheiten. Anhand zahlreicher wissenschaftlicher Untersuchungen konnte jedoch bewiesen werden, dass sie zunehmend auch bei Erwachsenen auftritt und dort zu einem schwereren Krankheitsverlauf mit erhöhter Komplikationsrate führen kann.

Was sind die Masern, wie ansteckend sind sie und wie kann man Ihnen vorbeugen? Alles Wissenswerte dazu lesen Sie hier.

Hamburg, 24. März 2015

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