Mario Adorf: Mittlerweile trage ich das Hörgerät sogar gerne

Mario Adorf ist zufrieden mit seinem Hörgerät
Anfangs schämte der 83-jährige Schauspieler sich noch für sein Hörgerät. Heute macht Mario Adorf anderen Betroffenen Mut © Imago

Schwerhörigkeit sollten Sie nicht ignorieren. Dank moderner Geräte kann sie gut behandelt werden. Auch der Schauspieler Mario Adorf kann endlich wieder gut hören.

Bei einer Theaterprobe wurde deutlich, dass Mario Adorf schlecht hört: Eine Kollegin machte den Schauspieler darauf aufmerksam. Er selbst hatte diese Tatsache lange Zeit ignoriert. Obwohl er in Gesprächsrunden immer weniger mitbekam und seine Frau ihm vorwarf, er würde ihr nicht richtig zuhören. Neun Jahre lang wartete er. Dann legte er sich endlich ein Hörgerät zu. "Ich hatte Angst, dass es allen auffällt", gesteht der heute 83-jährige Filmstar. Mit dieser Angst ist er nicht allein. Rund 16 Millionen Deutsche leiden an Schwerhörigkeit. Viele von ihnen scheuen den Gang zum HNO-Arzt, weil sie sich nicht eingestehen wollen, dass etwas nicht stimmt.

 

Was sind die Ursachen für Schwerhörigkeit?

Die sogenannte Alters-Schwerhörigkeit entwickelt sich in der Regel langsam. Etwa ab dem 50. Lebensjahr werden die Hörzellen nicht mehr so gut mit Nährstoffen versorgt – daher sterben sie schneller ab. Außerdem äußern sich frühere Lärm-Schädigungen der Ohren oft erst im Alter. Wenn jemand regelmäßig an Geräten wie zum Beispiel Schleifmaschinen gearbeitet oder sehr laut Musik gehört hat, lässt das Hörvermögen in späteren Jahren stetig nach. Weitere mögliche Ursachen von Schwerhörigkeit sind Mittelohrentzündungen oder schwere Entzündungen im Nasen-Rachen-Raum, die auf das Ohr übergreifen. Denn diese Infektionskrankheiten können das Trommelfell schädigen. Auch ein Tumor im inneren Gehörgang kann zu Schwerhörigkeit führen, indem er auf die Stränge des Hörnervs drückt. Wenn Sie bemerken, dass Sie deutlich schlechter hören als sonst: Lassen Sie den Grund bald vom HNO-Arzt abklären.

 

Moderne Hörgeräte helfen bei einer Alters-Schwerhörigkeit

"Die Alters-Schwerhörigkeit lässt sich nicht wieder rückgängig machen", sagt Experte Dr. Ingo Todt vom Unfallkrankenhaus Berlin. Abhilfe kann nur ein Hörgerät oder ein Implantat schaffen. Je schneller das beeinträchtigte Gehör durch ein Gerät unterstützt wird, desto besser können sich Hörorgan und Gehirn an das technische Hilfsmittel gewöhnen. "Zuerst wird durch einen Hörtest und eine gründliche Untersuchung das Ausmaß der Schädigung bestimmt", erklärt Dr. Todt. "Und dann wird das Hörgerät individuell angepasst." Es gibt Modelle für geringfügige, mittlere und schwere Grade der Schwerhörigkeit. Nur wenn der behandelnde Arzt ein Gerät verordnet, zahlt die Kasse; einige Geräte werden aber nur anteilig übernommen.

 

Welche Modelle bei Schwerhörigkeit gibt es?

Für Menschen mit leichter oder mittelgradiger Schwerhörigkeit reicht oft ein Mini-Gerät aus, das hinter dem Ohr getragen wird. Dabei ist ein außen angebrachtes Mikrofon, das die Geräusche auffängt, durch einen durchsichtigen Schlauch mit dem Gehörgang verbunden. Es gibt aber auch Geräte, die direkt in der Ohrmuschel sitzen. Am besten entscheiden Sie gemeinsam mit dem Arzt, welches Gerät für Sie in Frage kommt. Die Kosten betragen je nach Modell zwischen 800 und 3000 Euro. Die Kasse trägt davon maximal 800 Euro. In schweren Fällen sind Geräte, die teilweise oder vollständig im Ohr implantiert werden, eine sinnvolle Alternative. Beispiel: Bei der sogenannten Soundbridge (Klangbrücke) sitzt auf der Kopfhaut ein kleiner Prozessor mit Mikrofon, der Tonsignale an das implantierte Teilstück im Mittelohr überträgt. Besonders stark Hörgeschädigten wird ein komplettes Implantat eingesetzt: Es wird unter der Kopfhaut platziert und reicht bis ins Innenohr. Die Kasse zahlt beide Systeme.

 

Entspannter Alltag mit Hörgerät

Mario Adorf setzt sich seit 2010 öffentlich für das Tragen von Hörgeräten ein. Sein Rat: "Machen Sie möglichst früh einen Hörtest – und haben Sie keine Scheu vor dem Gerät!" Er selbst ist das beste Vorbild: Das Gerät gehört zu seinem Alltag, er hat es Zuhause, bei Dreharbeiten und Interviews stets im Ohr.

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