Mann schwimmt 16 Stunden - und rettet sich so selbst das Leben

Als Konrad wieder Land unter seinen Füßen hat, ist er 16 Stunden geschwommen
Als Konrad wieder Land unter seinen Füßen hat, ist er 16 Stunden geschwommen © Fotolia

Der Ex-Football-Profi Rob Konrad stürzt vor der Küste Floridas von seinem Boot, als er einen Fisch an Deck ziehen will. 16 Stunden schwimmt er um sein Leben! Teil fünf unserer Reihe.

Es ist halb eins am Nachmittag, als Rob Konrad mit seinem Fischerboot unterwegs ist. Er zieht gerade einen besonders großen Fisch an Bord, als eine hohe Welle ihn trifft und er in den atlantischen Ozean geschleudert wird. Sein Verhängnis: Das Boot fährt auf Autopilot und ist längst außer Reichweite, als er aus dem Wasser auftaucht.

Er befindet sich zu diesem Zeitpunkt 15 Kilometer vor der Küste Floridas. Und das ohne Rettungsweste und ohne die Möglichkeit einen Notruf abzusetzen: „Ich wusste sofort, dass meine Lage katastrophal war“, erzählt er später auf einer Pressekonferenz.

Schnell entscheidet er sich, zur Küste zu schwimmen, obwohl er schätzt, mehr als 10 Stunden zu brauchen. Die Angst, spätestens nach zwei oder drei Stunden zu unterkühlen und Krämpfe zu bekommen, begleitet ihn. Der Atlantik ist zu diesem Zeitpunkt zwar immerhin 20 Grad warm, doch der Körper kühlt bei einer Wassertemperatur von unter 25 Grad schnell aus.

Wenn der Körper längere Zeit mehr Wärme abgibt, als er produziert, entsteht eine sogenannte Hypothermie (Unterkühlung). Zunächst werden Atmung und Herzschlag schneller, der Betroffene zittert. In einem späteren Stadium ist die Atmung verlangsamt, die Muskeln werden starr und Schmerzen nicht mehr gespürt. Das Bewusstsein ist stark eingetrübt.

Konrad zieht sein T-Shirt aus und schwimmt. Und das abwechselnd in Brust- und Rückenlage, um so wenig wie möglich an Kraft zu verlieren. Nach fünf oder sechs Stunden glaubt er daran, es vielleicht an die Küste schaffen zu können.

Sein Bewusstsein schwindet mehr und mehr. Was er jedoch noch wahrnimmt: Die Lichter der Küste kommen immer näher. Irgendwann hat er es geschafft und spürt den Strand unter seinen Füßen: „Das Problem war, dass ich nicht laufen konnte. Mein Körper schüttelte sich unkontrolliert. Ich bin den Strand hochgekrochen und habe mich so lange selbst gewärmt, bis ich in der Lage war, zu gehen.“ Als er es schafft, sich zum nächsten Haus zu schleppen, hat er – von der Strömung immer wieder abgetrieben – etwa 43 Kilometer im Wasser zurückgelegt. Es ist 4.30 Uhr am Morgen.

Rob Konrad ist unfassbare 16 Stunden um sein Leben geschwommen. Er ist dehydriert, unterkühlt und seine Muskeln sind stark überansprucht. Aber er lebt.

 

Survival-Tipps auf dem offenem Meer

Survival-Experten raten zu folgenden Verhaltensweisen, um sich im Wasser am Leben zu halten.

 

An geliebte Menschen denken

Wenn Müdigkeit und Kälte immer größer werden, sollte man an geliebte Menschen denken, um neue Kraft zu schöpfen.

Rob Konrad tat genau das: Er dachte an seine beiden Töchter, acht und zehn Jahre alt.

 

Sich bemerkbar machen

Besonders wichtig ist es, auf sich aufmerksam machen zu können, wenn Schiffe in Sicht sind. Hat man sonst keine Möglichkeit, sollte man mit Kleidungstücken in der Luft wedeln.

Sowohl ein Hubschrauber der Küstenwache, der nach Konrad suchte, als auch ein Fischerboot, das in etwa 50 Meter Entfernung an ihm vorbeifuhr, konnten den 38-Jährigen im Wasser nicht ausmachen.

 

Keine Angst vor Haien zeigen

Sollten Haie in der Nähe sein, sollte man auf keinen Fall seine Angst zeigen, da die Tiere sehr vorsichtig sind. Es ist besser, auf sie zu zuschwimmen und sie anzuschreien, als zu flüchten.

Auch Konrad wird von einem Hai umkreist, lässt sich aber seine Angst nicht anmerken und schwimmt weiter. Er überlebt.

 

Kein Meerwasser trinken

Damit der Mund nicht austrocknet, kann man mit Meerwasser gurgeln, sollte es aber nicht trinken, da es die Nieren kollabieren lässt.

 

An Land schwimmen

Ist Land in Sicht, sollte man auf jeden Fall versuchen, dorthin zu schwimmen. Sieht man nichts, kann man sich eventuell an typischen Landvögeln orientieren, was natürlich gewisse Kenntnisse voraussetzt.

Als die Dunkelheit nachts über das Meer hereinbrach, orientierte sich Konrad an den Sternen, bis er auch an der Küste Lichter wahrnehmen konnte.

 

Kleidung nicht ausziehen

Um nicht auszukühlen, sollte man seine Klamotten weiterhin tragen, da sich darunter ein Wärmemantel bildet. Ist das Wasser jedoch über 20 Grad warm und man hat eine absehbare Strecke zurückzulegen, kann man die Kleidung ausziehen, um die Geschwindigkeit beim Schwimmen zu erhöhen.

 

Schwimmstile abwechseln

Kraulen ist der Schwimmstil, mit dem es möglich ist, am meisten Kraftreserven einzusparen und am schnellsten voranzukommen. Um jedoch nicht ständig die gleichen Muskeln zu beanspruchen, sollte man zur Abwechslung auch mal in Brust- oder Rückenlage schwimmen.

Hamburg, 19. November 2015

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