Mandelentzündung ohne Fieber: Das kann es bedeuten

Eine Mandelentzündung tritt manchmal ohne Fieber auf. Was zunächst positiv erscheint, kann in manchen Fällen auf ernste Erkrankungen hinweisen.

JW Video Platzhalter
Zustimmen & weiterlesen
Um diese Story zu erzählen, hat unsere Redaktion ein Video ausgewählt, das an dieser Stelle den Artikel ergänzt.

Für das Abspielen des Videos nutzen wir den JW Player der Firma Longtail Ad Solutions, Inc.. Weitere Informationen zum JW Player findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Bevor wir das Video anzeigen, benötigen wir Deine Einwilligung. Die Einwilligung kannst Du jederzeit widerrufen, z.B. in unserem Datenschutzmanager.

Weitere Informationen dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Mediziner sprechen von einer Mandelentzündung (Tonsillitis), wenn die Gaumenmandeln entzündet sind. Gerötete Mandeln, Halsschmerzen und Schwierigkeiten beim Schlucken sind die Leitsymptome. Und auch Fieber tritt üblicherweise auf. Doch manchmal verläuft eine Mandelentzündung ganz ohne Fieber. Nicht immer ist das ein gutes Zeichen.

Wie entsteht eine Mandelentzündung?

Bei einer Mandelentzündung handelt es sich um virale oder bakterielle Infektion. Die Erreger, die eine Mandelentzündung auslösen, haben leichtes Spiel, wenn das Immunsystem angeschlagen ist, etwa durch einen vorhergehenden Infekt. Auf den gereizten Schleimhäuten können sich die Krankheitserreger leichter ausbreiten. Oft ist eine Infektion mit Streptokokken verantwortlich für eine Tonsillitis. Kinder erkranken aufgrund ihres noch nicht voll ausgebildeten Immunsystems häufiger an Mandelentzündungen.

Hat man bei einer Mandelentzündung immer Fieber?

Eine akute Mandelentzündung geht in der Regel mit Fieber (ab 38° Celsius) einher – aber nicht immer. Bei manchen Erkrankten bleibt das Fieber aus, ohne dass sich jedoch das restliche Symptombild ändert. Mit Halsschmerzen und Schluckbeschwerden kündigt sich eine Tonsillitis an; danach können mehrere der folgenden Beschwerden dazukommen:  

  • Gerötete und vergrößerte Mandeln
  • Schmerzen beim Schlucken
  • Vergrößerte Lymphknoten im Hals
  • gelblich-weißer Belag auf den Mandeln
  • Atemnot bei stark ausgeprägter Schwellung der Mandeln

Bis zum Abklingen der Beschwerden vergehen durchschnittlich ein bis zwei Wochen. Die Mandeln können allerdings noch länger vergrößert bleiben. Schwellen die Mandeln nicht an und beschränken sich die Beschwerden nur auf Halsschmerzen und Schluckbeschwerden, kann es sich auch um eine Rachenentzündung (Pharyngitis) handeln. Die chronische Form der Rachenentzündung geht auf äußere Faktoren wie trockene Heizungsluft oder Zigarettenrauch zurück.

Wer eine Mandelentzündung mit akuten Symptomen hat, ist für andere ansteckend. Die Übertragung geschieht über Tröpfcheninfektion. Das heißt, dass die Krankheitserreger durch feine Tröpfchen beim Sprechen, Husten oder Niesen ausgestoßen werden, die andere einatmen.

Mandelentzündung oder Fieber – ist das gut oder schlecht?

Es ist in den meisten Fällen ein gutes Zeichen, wenn eine akute Mandelentzündung ohne Fieber auftritt, vor allem bei Kleinkindern. Denn eine nur leicht erhöhte Körpertemperatur macht eine Streptokokken-Infektion, die in eine Scharlach-Erkrankung münden kann, unwahrscheinlich. Laut Centor-Score – einer klinischen Bewertungsskala – stellt Fieber eines der Hauptkriterien für die Diagnose einer Streptokokken-Infektion dar. Besonders bei manchen viralen Mandelentzündungen und einer Seitenstrang-Angina muss es nicht zwangsläufig zu Fieber kommen.

Das Ausbleiben von Fieber hat aber auch einen negativen Aspekt: Das subjektiv geringere Krankheitsgefühl verleitet Betroffene dazu, die Mandelentzündung zu unterschätzen und nicht frühzeitig behandeln zu lassen. So können Antibiotika bei einer bakteriellen Infektion auch dann notwendig werden, wenn die Mandelentzündung eigentlich harmlos erscheint.

Wann muss ich bei einer Mandelentzündung zum Arzt?

Ob mit oder ohne Fieber: Halten die akuten Beschwerden länger als drei Tage an und bessern sich nicht oder verschlechtern sich sogar, sollten Betroffene einen Arzt oder eine Ärztin aufsuchen. Gegen eine virale Infektion ohne Fieber gibt es zwar keine Medikamente, die die Krankheitserreger direkt bekämpfen. Jedoch kann der Arzt leichte Schmerzmittel verschreiben. Ein Arztbesuch ist auch angeraten, um eine korrekte Diagnose zu erhalten. Eine Mandelentzündung ohne Fieber kann nämlich auf eine ernste Erkrankung hinweisen.

Angina ohne Fieber als Symptom bei sexuell übertragbaren Erkrankungen

Fieber ist immer ein sicheres Zeichen dafür, dass der Körper mit Krankheitserregern oder Entzündungen zu kämpfen hat. Je stärker das Fieber, desto schwerer der Infekt. Doch dieser Grundsatz gilt nicht immer. Bei einer Mandelentzündung kann in seltenen Fällen gerade das Ausbleiben von Fieber einen Krankheitswert haben und auf bestimmte sexuell übertragbare Erkrankungen hinweisen.  

Konkret können Tripper (Gonorrhoe) und Syphilis (Lues) hinter einer Mandelentzündung ohne Fieber stecken. Sie werden von Bakterien ausgelöst (Gonokokken und Trepomena) und über ungeschützten Oral- und Geschlechtsverkehr übertragen. Beide Erkrankungen können mit Antibiotika folgenlos geheilt werden. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass die Behandlung frühzeitig eingeleitet wird.

Eitrige Mandeln ohne Fieber – ist das möglich?

Eine eitrige Mandelentzündung ohne Fieber kommt in der Regel nicht vor. Bilden sich auf den Mandeln gelblich-weißliche Belege, ist das meist ein Zeichen für eine Streptokokken-Infektion. Deswegen wird eine eitrige Tonsillitis auch Streptokokken-Angina genannt. Diese verursacht in aller Regel Fieber über 38° Grad Celsius, wobei die Körpertemperatur bei Erwachsenen weniger stark ansteigt. Generell erkranken an dieser Form der Tonsillitis überwiegend Kinder zwischen fünf und 15 Jahren.

Vorsicht bei einer einseitigen Mandelentzündung ohne Fieber

Wenn einseitige Halsschmerzen auftreten und der Mund nur schwer geöffnet werden kann, sollten Betroffene einen Arzt oder Ärztin aufsuchen. Denn die Beschwerden können auf einen mit Eiter gefüllten Abszess (Peritonsillarabszess) hindeuten, der sich in der Regel nach einiger Zeit auflöst. Geschieht das nicht, kann sich die Entzündung ausbreiten und eine Blutvergiftung zur Folge haben.

Liegt keine Streptokokken-Infektion vor, könnte es sich bei eitrigen Mandeln ohne Fieber um ein Symptom des Pfeifferschen Drüsenfiebers handeln. Die Belege erscheinen dann jedoch nicht weiß, sondern gräulich. Welche Ursache eine Mandelentzündung ohne Fieber hat, kann jedoch nur ein Arzt sicher feststellen.

Quellen:

Mandelentzündung – Definition und Häufigkeit, in: HNO-Ärzte im Netz

Halsschmerzen / Mandelentzündung (Angina), in: Kinder- und Jugendärzte im Netz

Halsentzündung durch Streptokokken, in: Deximed