Malaria durch Impfung?

Stephanie Pingel Medizinredakteurin
Kind wird geimpft
Nach vier Jahren ist die Wirkung des Malaria-Impfstoffes vollkommen abgeklungen, so eine neue Studie © Fotolia

Eine Impfung mit dem weltweit ersten Malariaimpfstoff verhindert die Krankheit nicht auf lange Zeit – das ist das Ergebnis einer neuen Studie. Stattdessen tritt häufig der sogenannte Rebound-Effekt auf. Praxisvita erklärt, was dahintersteckt.

Es war eine Sensation: Nach jahrzehntelanger Forschungsarbeit konnte 2009 endlich der erste Impfstoff gegen Malaria am Menschen getestet werden. Das Mittel namens RTS,S basiert auf einem Oberflächenprotein, das von Mücken übertragen wird und Malaria auslösen kann. Durch eine Impfung soll das Immunsystem entsprechende Abwehrmechanismen aufbauen können. Jetzt, also sieben Jahre später, wurde das erste Fazit für die Langzeitwirkung der Impfung gezogen. Die Ergebnisse der Studie sind ernüchternd: Zwar kann eine Impfung mit RTS,S Malaria für vier Jahre verhindern, danach steigt das Risiko einer Erkrankung aber im Vergleich zu nicht geimpften Patienten deutlich an.

 

Der Rebound-Effekt: Die Krankheit kommt später

Insgesamt wurden den getesteten südafrikanischen Kindern im Jahr 2009 jeweils drei Dosen des Impfstoffes verabreicht. Die Forscher erhofften sich dadurch eine vollständige Immunisierung. Tatsächlich ließ die Wirksamkeit von RTS,S aber von Jahr zu Jahr weiter nach und war nach vier Jahren meist vollständig abgeklungen. Das Risiko, an Malaria zu erkranken, stieg anschließend sprunghaft an: Insgesamt bekamen 43,5 Prozent der behandelten Kinder ab dem fünften Jahr nach der Impfung Malaria. Forscher bezeichnen das Phänomen als Rebound („Rückprall“)-Effekt. Der Malaria-Ausbruch wurde durch RTS,S nicht verhindert, sondern es wurde lediglich der Zeitpunkt für die höchste Anfälligkeit verschoben. Die Ergebnisse der Studie wurden im „New England Journal of Medicine“ veröffentlicht.

 

Weniger Risiko durch höhere Dosen?

Dass die Wirksamkeit des Impfstoffes über die Zeit nachlässt, war bereits nach den ersten zwei Jahren absehbar. Um den Schutz zu erhöhen, wurde daher schon während der Laufzeit der Studie empfohlen, die Dosis auf vier zu erhöhen. Das Problem: Mögliche Langzeitnebenwirkungen des Impfstoffes wurden noch nicht hinreichend untersucht. Und es steht auch noch nicht fest, ob der Rebound-Effekt durch die Verabreichung von vier Dosen verhindert werden kann.

Eine weitere Frage, die von den Forschern nicht beantwortet werden kann, ist, ob das Alter Einfluss auf die Schwere einer möglichen späteren Infektion hat. „Macht es einen Unterschied, ob ein Kind früh Malaria bekommt, oder ob die Infektion durch eine Impfung nur verschoben wird? Die Wahrheit ist, dass wir das nicht genau wissen“, so Phillip Bejon, Epidomologe des „KEMRI-Wellcome Trust Research Program“ in Kenya, wo die Studie durchgeführt wurde.

 

Empfehlung für die Impfung wurde zurückgezogen

Bereits im Herbst 2015 trat ein Expertenteam im Rahmen eines Panels der „World Health Organisation“ zum Thema Immunisierung zusammen. Aufgrund der nachlassenden Wirkung von RTS,S und der Erhöhung der benötigten Dosis empfehlen die Experten die Verwendung des Impfstoffs nicht mehr länger. Es müsse erst weitere Forschung zur Wirksamkeit und möglichen Nebenwirkungen geben.

Hamburg, 30. Juni 2016

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