Medizinische Sensation: Ein Baby, zwei Mütter, KEIN Vater

Redaktion PraxisVITA

Chinesischen Forschern ist ein großer medizinischer Durchbruch gelungen: Im Labor haben sie Mäuse aus einer weiblichen Eizelle und einer Stammzelle eines anderen Weibchens gezeugt. Bedeutet das, dass künftig zwei Frauen zusammen ein Kind kriegen können, ohne auf eine Adoption oder Samenspende angewiesen zu sein?

Zwei Mütter mit einem Kind
Könnten in Zukunft zwei Frauen ein Kind bekommen? © iStock/kali9

Zur Zeugung eines Kindes sind bisher zwei Menschen unterschiedlichen Geschlechts notwendig – denn um sich normal zu entwickeln, brauchen Kinder das Erbgut einer Frau und das eines Mannes. Doch in Experimenten mit Mäusen ist es chinesischen Forschern jetzt gelungen, dieses Naturgesetz zu umgehen.

 

Hindernis „genomische Prägung“

Die meisten unserer Körperzellen (außer Spermien und Eizellen) haben einen doppelten Chromosomensatz – das bedeutet, dass jede dieser Zellen Erbinformationen sowohl von unserer Mutter als auch von unserem Vater enthält. Bei bisherigen Versuchen, Mäuse mit gleichgeschlechtlichen Eltern zu zeugen, stießen Wissenschaftlern bisher immer auf ein bestimmtes Problem: Viele unserer Gene unterliegen der sogenannten genomischen Prägung – das heißt, dass nur die vom Vater oder der Mutter stammende Ausprägung des Gens aktiv ist, die andere ist deaktiviert.

Gelang es Forschern in früheren Experimenten dennoch, Nachkommen von zwei Tieren desselben Geschlechts zu züchten, fehlte diese „Mischung“ aus dem Erbgut der beiden Geschlechter – die Folge waren Fehlbildungen bei den neugeborenen Tieren, die in der Regel schnell verstarben.

 

Gesunde Mäusebabys mit zwei Müttern

Maus und Mäusebabys sitzen auf der Haut
Diese Maus hat zwei Mütter – und inzwischen selbst Babys bekommen

Wissenschaftlern um Qi Zhou an der Chinese Academy of Sciences in Peking ist es jetzt gelungen, dieses Hindernis zu umgehen. Dazu erzeugten sie zunächst sogenannte haploide embryonale Stammzellen eines Mäuseweibchens – das sind Vorstufen von Körperzellen, die nur einen halben Chromosomensatz besitzen, so wie es auch bei Spermien und Eizellen der Fall ist. Solche Stammzellen haben nur wenige Regionen, die der genomischen Prägung unterliegen. Diese machten die Forscher ausfindig und deaktivierten sie.

Die so manipulierten Stammzellen injizierten die Forscher anschließend in die Eizelle eines anderen Mäuseweibchens, wo sie den „Job“ eines Spermiums übernahmen und die Eizelle befruchteten. So entstanden gesunde weibliche Mäusebabys, die keinerlei Fehlbildungen zeigten und später – gepaart mit „normalen“ Mäusemännchen – sogar selbst gesunde Nachkommen zeugten.

Bei männlichen Mäusen gestaltete sich das Experiment komplexer und verlief weniger erfolgreich: Die Forscher injizierten Spermien eines Mäusemännchens gemeinsam mit manipulierten Stammzellen eines anderen Männchens in eine entkernte Eizelle – die so entstandenen Mäusebabys überlebten jedoch nicht länger als zwei Tage.

 

Funktioniert das auch bei Menschen?

Bedeutet das, dass in Zukunft lesbische Paare eigene Kinder zeugen können? Davon ist die Wissenschaft noch weit entfernt – aber die Studie zeigt, dass es diese Möglichkeit theoretisch gibt. Die genomische Prägung fällt jedoch bei Mäusen und Menschen unterschiedlich aus, sodass bei Menschen andere „Manipulationen“ an den Stammzellen notwendig wären. Dazu kommen hohe ethische Hürden, die vor entsprechenden Experimenten mit menschlichen Embryonen genommen werden müssten.

Quelle:
Zhou, Qi et al. (2018): Generation of Bimaternal and Bipaternal Mice from Hypomethylated Haploid ESCs with Imprinting Region Deletions, in: Cell Stem Cell.

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