Männerbrüste – ab wann sind sie ein Fall für den Arzt?

Phyllis Kuhn
Gynäkomastie
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Große Brüste – was viele Männer an Frauen schätzen, wollen sie normalerweise am eigenen Leib nicht erfahren. Und doch kann es vorkommen, dass auch Männern ein Busen wächst. Was sind die Ursachen?

Das medizinische Fachwort für Männerbrüste heißt Gynäkomastie. Es betrifft vor allem ältere Männer. In der Altersgruppe der 50- bis 69-Jährigen entwickelt etwa jeder Dritte Männerbrüste.

Eine irregulär vergrößerte Männerbrust kann verschiedene Ursachen haben. Zunächst unterscheidet man zwischen einer Pseudogynäkomastie und Gynäkomastie. Erstere ist eine Folge von Übergewicht, bei der sich im Brustbereich viel Fettgewebe angesammelt hat. Diese Art des Brustwachstums kann im Allgemeinen durch Sportübungen (etwa Bankdrücken, Liegestütz) und gesunde, kalorienarme Ernährung rückgängig gemacht werden. Andere Ursachen hat die „echte“ Gynäkomastie. Hier führt nicht Fett, sondern eine vermehrte Bildung von Brustdrüsengewebe zum Brustwachstum. Mit Ausnahme der Milchdrüsen ähnelt die Brust von betroffenen Männern somit stark einem weiblichen Busen. Dazu gehören eine größere Schmerzempfindlichkeit, Spannungsgefühle und auch ein höheres Risiko, an Brustkrebs zu erkranken.

 

Ab wann spricht man von einer Männerbrust?

Eine Gynäkomastie kann verschiedene Stadien erreichen. Bei manchen Männern bilden sich nur leichte Wölbungen um die Brustwarze, die unter Kleidung kaum auffallen. In weiter fortgeschrittenen Stadien kann auch eine Körbchengröße C erreicht werden. In einigen Fällen ist auch nur eine Brust betroffen.

 

Wer muss zum Arzt?

Eine Pseudogynäkomastie in Folge von Übergewicht lässt zwar nicht auf einen gesunden Lebensstil schließen, ist darüber hinaus jedoch medizinisch nicht bedenklich. Gynäkomastie ist jedoch meist eine Folgeerkrankung durch einen gestörten Hormonhaushalt und sollte deshalb vom Arzt begutachtet werden. Doch woran erkennen besonders leicht übergewichtige Männer, ob ihre Brust aus Fett oder Drüsengewebe besteht? Die Antwort liefert ein einfacher Zwicktest: Fettgewebe ist meistens schmerzunempfindlich, wohingegen Drüsengewebe sensibel auf äußeren Druck reagiert, Kneifen und Belastungen (etwa beim Sport) reagiert. Generell gilt: Sobald einem Mann auffällt, dass sich seine Brust ohne erkennbaren Grund stark verändert hat, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Dieser prüft dann meistens, was die Ursachen des Brustwachstums sind.

Gynäkomastie
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Ist Bier eine der Ursachen?

In fast allen Fällen ist eine Überproduktion des weiblichen Geschlechtshormons Östrogen in Verbindung mit einem verminderten Testosteronspiegel der Grund für eine Gynäkomastie. Auslöser dafür können bestimmte Medikamente sein (Protonenpumpenhemmer, Prostatamedikamente, Opioide etc.). Auch Drogenmissbrauch kann die Ursache sein. Durch übermäßigen Konsum von Alkohol oder THC (Cannabis) kann die Leber nicht mehr ausreichend Östrogen abbauen. Es gibt Mediziner, die besonders Bier für das Brustwachstum verantwortlich machen. So sollen die im weiblichen Brau-Hopfen enthaltenen Phyto-Östrogene (pflanzliche Östrogene) den Anteil der weiblichen Geschlechtshormone bei Männern vergrößern. Durch den gestiegenen Östrogenspiegel kommt es, wie bei Frauen, zur Brustvergrößerung. Ebenso kann die Umwelt für männliches Brustwachstum verantwortlich sein, etwa wenn Betroffene hohen Mengen an Phtalaten (Kunststoffweichmacher) ausgesetzt sind. Diese stehen im Verdacht, das menschliche Hormonsystem negativ zu beeinflussen und die Zeugungsfähigkeit bei Männern einzuschränken. Auch andere Erkrankungen wie eine Schilddrüsenüberfunktion, den Hormonhaushalt beeinflussende Tumoren oder eine Niereninsuffizienz können männliches Brustwachstum begünstigen.

Pseudo-Gynäkomastie
In einigen Fällen ist auch Fettleibigkeit für Ursache für Männerbrüste.© Alamy
 

Wie kann man eine Männerbrust entfernen?

Vereinzelt treten durch vorübergehende Hormonschwankungen auch Fälle von Pubertäts-Gynäkomastie bei Heranwachsenden auf. Diese verschwinden in der Regel in 90 Prozent der Fälle ohne therapeutische Maßnahmen innerhalb von zwei Jahren von allein wieder. Hält der Zustand an, sollte die Ursache des Brustwachstums behandelt werden. Medikamentös wird eine Gynäkomastie für gewöhnlich mit Präparaten behoben, die die weiblichen Sexualhormone unterdrücken. Dazu gehört Danazol, das normalerweise bei Frauen zur Behandlung einer Endometriose eingesetzt wird. Da die Hormontherapie nicht in allen Fällen erfolgreich ist, bleibt vielen Männern nur noch die Alternative des chirurgischen Eingriffs. Dabei entfernt der Chirurg das Drüsengewebe mit Hilfe einer Kanüle und modelliert die Brust anschließend zurück in eine männliche Form. Diese Operationen verlaufen in der Regel erfolgreich und hinterlassen bis auf kleine Narben keine Spätfolgen.

Untersuchung einer Gynäkomastie beim Arzt
Ein Arzt kann die Ursachen einer vergrößerten Männerbrust bestimmen.© Alamy
 

Nicht aus Scham den Arztbesuch vermeiden

Dafür müssen sich Betroffene aber erst einmal zum Arzt trauen. Tatsächlich kommen neben den gesundheitlichen Risiken, bei vielen Männern noch psychische Probleme hinzu. Aus Scham wollen sich viele Betroffene nicht mehr mit freiem Oberkörper zeigen, vermeiden Schwimmbadbesuche und sogar Arzttermine. Auch das Liebesleben kann durch eine Gynäkomastie stark beeinträchtigt sein. Dabei ist vielen Männern nicht bewusst, dass sie mit ihrem Problem nicht allein sind und ihnen medizinisch gut geholfen werden kann. Selbst wenn die vergrößerten Brüste nicht medizinisch bedenklich sind, werden bei starker psychischer Belastung der Betroffenen die OP-Kosten von der Krankenkasse übernommen.

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