Männer im Nachteil: Darum sterben sie häufiger an Corona

Susanne Petersen Medizinredakteurin

Die Überlebenschance für Männer infolge einer COVID-19 Erkrankung ist deutlich geringer als bei Frauen. Warum mehr Männer an Corona sterben, ihre Corona-Erkrankung öfter zu einer intensivmedizinischen Behandlung führt und was wirklich dahintersteckt, haben britische Forscher jetzt entdeckt. Die überraschenden Fakten!

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Inhalt
  1. Abwehr von Corona: Erworbenes Immunsystem effektiver
  2. Hormone sorgen für Vorteil der Frauen im Kampf gegen Corona
  3. Chromosomen bei Frauen mit mehr Immun-Genen
  4. Bei Autoimmunerkrankungen sind Männer besser dran

Im Fall einer Corona-Infektion haben Männer deutlich schlechtere Karten als Frauen. Britische Forscher veröffentlichten jetzt im Fachmagazin „Nature“ die Ergebnisse ihrer Studie. Dabei kam heraus: Männer haben nicht nur einen schwereren Verlauf einer COVID-19 Erkrankung, sie sterben auch häufiger an den Folgen als Frauen. Die Ursache liegt am unterschiedlich arbeitenden Immunsystem der Geschlechter. 

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Die Forscher untersuchten in einer Meta-Analyse über 3 Millionen weltweit gemeldete Corona-Infektionen. Sie entdeckten dabei, dass es bei der Infektionsrate kaum einen Unterschied zwischen Männern und Frauen gab. Bei der Schwere der Verläufe sahen sie allerdings, dass Männer fast drei Mal häufiger intensivmedizinisch behandelt werden und öfter mit dem Tod bezahlen mussten als Frauen.

 

Abwehr von Corona: Erworbenes Immunsystem effektiver

Bei der Abwehr von Erkrankungen wie COVID-19 tritt das Immunsystem bei jedem Menschen in Aktion. Es erkennt Erreger und setzt ein komplexes System zur Abwehr von Krankheiten in Gang. Der Mensch verfügt jedoch über zwei Immunsysteme – das angeborene und das erworbene.

Zunächst übernimmt das angeborene Immunsystem bei einem Kontakt mit Erregern. Seine Fresszellen vernichten Viren und Bakterien vor Ort. Wenn das nicht genügt, tritt das erworbene Immunsystem in Erscheinung. Dieses richtet sich gegen einen spezifischen Krankheitserreger und arbeitet deutlich effektiver und zielgerichteter. Das erworbene Immunsystem bildet sich erst im Laufe des Lebens aus. 

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Doch diese Immunabwehr funktioniert bei Männern und Frauen unterschiedlich. Männer greifen bei ihrer Immunantwort eher auf das angeborene Immunsystem zurück. Dies ist aber deutlich schwächer als das erworbene Immunsystem. Wie die Forscher in ihrer Studie beweisen, reagiert das erworbene Immunsystem effektiver bei der Abwehr von Corona. Nämlich in einem Verhältnis von 60 zu 40.

Das angeborene Immunsystem hingegen ist auf die spezifischen Coronaviren nicht so vorbereitet. Somit erhöht sich für Männer die Wahrscheinlichkeit, dass ihre Immunabwehr nicht ausreichend ist. Schwerere Krankheitsverläufe und eine höhere Wahrscheinlichkeit, an COVID zu sterben, sind die Folge.

 

Hormone sorgen für Vorteil der Frauen im Kampf gegen Corona

Nicht nur die unterschiedlich arbeitenden Immunsysteme lassen Männer stärker an der Pandemie leiden als Frauen. Auch die Hormone spielen eine Rolle. Warum das Immunsystem der Frauen schneller und effektiver auf Virusinfektionen als das der Männer reagiert, könnte an den Hormonen liegen. Denn das bei Frauen vorherrschende Hormon Östrogen regt das Immunsystem an. Beim männlich dominierten Hormon Testosteron ist das Gegenteil der Fall: Es hemmt die körpereigene Abwehr.

 

Chromosomen bei Frauen mit mehr Immun-Genen

Nicht nur die Hormone bieten Frauen den Vorteil im Kampf gegen Coronaviren. Auch die genetische Struktur lässt Männer schlechter dastehen. Denn Frauen besitzen das X-Chromosom zweimal, Männer haben ein Y- und ein X-Chromosom. Das ist nicht nur für die Geschlechtsbestimmung wichtig, sondern auch dafür, wie widerstandsfähig der Mensch gegen Erreger wird. Denn auf dem X-Chromosom liegen auch die Immun-Gene. Frauen mit ihrem zweiten X-Chromosomen haben also genetisch bessere Voraussetzungen, wenn es um die Bekämpfung von Krankheiten und letztendlich ums Überleben geht. 

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Bei Autoimmunerkrankungen sind Männer besser dran

Das doppelte X-Chromosom der Frauen sorgt unter anderem jedoch mit dafür, dass sie häufiger mit Autoimmunerkrankungen zu kämpfen haben als Männer. Denn statistisch betrachtet sind ungefähr vier von fünf Personen mit Autoimmunerkrankungen weiblich. Bei dieser Krankheitsform bildet der Organismus Antikörper gegen körpereigene Strukturen – er bekämpft sich also selbst und zerstört gesunde Zellen. Zum Beispiel bei Erkrankungen wie Multiple Sklerose, bei der die Schutzschicht der Nerven durch das eigene Immunsystem nach und nach zerstört werden. Die Ursachen für diese Autoimmunprozesse sind noch nicht abschließend geklärt und werden erforscht.

Quelle:

https://www.nature.com/articles/s41467-020-19741-6

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