Macht Weinen glücklich?

Zwei Frauen weinen im Kino
Weinen führt dazu, dass wir uns hinterher besser fühlen – das zeigt eine aktuelle Studie niederländischer Wissenschaftler © Shutterstock

Das Phänomen Weinen gibt Wissenschaftlern immer noch viele Rätsel auf. Einem davon haben sich niederländische Forscher nun in einer aktuellen Studie genähert – und überraschende Ergebnisse gewonnen.

Warum weinen wir? Hat es psychologische, körperliche oder soziale Gründe? Dient das Weinen der Entspannung, Entgiftung oder Kommunikation? Zahlreiche Theorien wurden bereits zum Thema Weinen aufgestellt und noch immer herrscht unter Wissenschaftlern .

Forscher der Tilburg Universität in den Niederlanden widmeten sich in ihrer aktuellen Studie der Frage, ob wir uns nach dem Weinen besser oder schlechter fühlen. Dazu ließen sie 60 Männer und Frauen traurige Filme („Hachiko – Eine wunderbare Freundschaft“ und „Das Leben ist schön“) ansehen – dabei wurde jede ihrer Regungen aufgezeichnet. Später analysierten die Forscher, wer während der Filme geweint hatte und wer nicht.

Bei „Hachiko“ weinten 60 Prozent der Probanden, „Das Leben ist schön“ trieb 45 Prozent die Tränen in die Augen. Die Aufzeichnungen zeigten, dass mehr Frauen als Männer weinten und dass die einzelnen Frauen häufiger weinten als weinende Männer.

 

Weinen änderte die Stimmung nach dem Film

Vor und nach den Filmvorführungen wurden die Probanden nach ihrer Stimmung befragt. Dabei zeigte sich: Wer während des Films keine Tränen vergossen hatte, berichtete nach dem Film über eine unveränderte Gemütslage. Probanden, die geweint hatten, fühlten sich dagegen zunächst trauriger als vor der Filmvorführung. Das änderte sich jedoch schnell wieder: Nach 20 Minuten hatten sie wieder ihre ursprüngliche Stimmungslage erlangt. Rund eine Stunde später trat ein überraschender Effekt ein: Probanden, die geweint hatten, fühlten sich gut, sogar besser als vor dem Schauen des Films.

Welche Ursache genau hinter diesem Effekt steckt, ist den Forschern noch nicht klar. Sie halten einige Theorien für möglich: Erstens könnte das Weinen dazu führen, dass Oxytocin ausgeschüttet wird – dieses Hormon sorgt dafür, dass wir uns besser fühlen. Zweitens könnte der Film die weinenden Probanden so traurig gemacht haben, dass ihr Gehirn eine gezielte Anstrengung unternahm, um in bessere Stimmung zu kommen. Schließlich besteht laut der Wissenschaftler die Möglichkeit, dass die Probanden nach dem Weinen gar nicht glücklicher waren als zuvor, sondern es nach dem kurzen Stimmungstief lediglich so empfanden.

 

Das Rätsel des Weinens

Weinen ist eine Besonderheit des Menschen – kein anderes Lebewesen vergießt emotionale Tränen. Dennoch sind die Gründe dafür nicht geklärt. Wissenschaftler vertreten verschiedene Theorien, von denen bisher keine als sicher bewiesen gilt. Dabei verfolgen die Forscher zwei verschiedene Ansätze: Eine Gruppe geht davon aus, dass Weinen körperlichen Zecken dient – beispielsweise dem Abbau von Stress und Anspannung und der Ausscheidung belastender Stoffe. Die andere Gruppe hält Weinen für ein soziales Phänomen, das vorrangig der Kommunikation dient.

 

Warum weinen Frauen häufiger als Männer?

Bis zur Pubertät weinen Mädchen und Jungen etwa gleich häufig. Circa ab dem 13. Lebensjahr ändert sich das: Während Männer rund sechs- bis 17-mal pro Jahr weinen, vergießen Frauen im Schnitt 30- bis 64-mal jährlich Tränen. Auch in der Art des Weinens unterscheiden sich die Geschlechter: Bei rund 65 Prozent der Frauen geht das Weinen in Schluchzen über, von den Männern schluchzen nur sechs Prozent. Das Weinen von Frauen gilt darum als dramatischer und „herzzerreißender“ als das von Männern.

Doch warum kommt es bei Frauen häufiger zu Tränenausbrüchen? Experten vermuten, dass sie damit Schutzbedürftigkeit und Verletzlichkeit signalisieren, um sich vor aggressivem Verhalten zu schützen. So zeigte eine Studie israelischer Forscher 2011, dass der Geruch von Frauentränen eine besänftigende Wirkung auf Männer hat. Bestimmte in den Tränen enthaltene chemische Stoffe bewirken demnach, dass der Testosteronspiegel bei Männern sinkt.

Hamburg, 25. August 2015

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