Macht Toastbrot depressiv?

Kapitel
  1. 1. Überblick
  2. 2. Ursachen
  3. 3. Symptome
  4. 4. Diagnose
  5. 5. Behandlung
  6. 6. Vorbeugung
  7. 7. Das sagt der Experte

Wieso Burnout, Abgeschlagenheit und Depressionen nicht immer ein Fall für den Psychiater sind, erklärt Experte Dr. Jörn Reckel, Allgemeinmediziner und Nahrungsmittelexperte aus Ahrensburg.

Herr Dr. Reckel, Sie sagen, mein Toast sei schuld daran, wenn ich unter Depressionen oder einem Burnout leide?

Ja, das ist möglich. Verantwortlich dafür ist Gluten, ein Eiweißbestandteil des Getreides. Wenn Sie eine Glutenunverträglichkeit haben, kann ein Übermaß an Brot, Nudeln oder Müsli Ihre Psyche negativ beeinflussen.

Wie greift Gluten denn in das Gehirn ein?

ExperteReckel: Toastbrot kann depressiv machen
Experte Dr. Reckel: "Es ist möglich, dass Toastbrot depressiv macht."© privat

Nur eine gesunde Darmwand kann das Wohlfühlhormon Serotonin produzieren. Immerhin 95 Prozent des Hormons werden hier gebildet! Ist die Darmwand aber durch eine Glutenintoleranz irritiert, kann die Verwertung einer bestimmten Aminosäure, des Triptophans, irritiert sein. Und aus eben dieser Aminosäure produziert unser Körper in mehreren Stufen das so wichtige Serotonin.

Mit gravierenden Folgen...

Genau. Wenn wir zu wenig Serotonin produzieren, kann dies zu eingeschränkter Leistungsfähigkeit, Abgeschlagenheit und im schlimmsten Fall zu Depressionen führen. Viele Menschen glauben, sie seien aufgrund ihrer Lebenssituation in einen Burnout gerutscht. Und dann stellt sich heraus, dass die Glutenunverträglichkeit der Verursacher ist.

Dann sollte mein Hausarzt bei seelischen Tiefs auch die Glutentoleranz überprüfen?

Leider testen dies nur die wenigsten Hausärzte, weil sie einfach nicht daran denken. Und wenn sie schon eine Glutenunverträglichkeit im Verdacht haben, führen sie meist einen Bluttest durch. Dieser ist bei vielen Betroffenen jedoch unauffällig. Die Patienten werden dann mit dem Befund nach Hause geschickt: Machen Sie sich keine Sorgen, Sie haben keine Glutenintoleranz. Doch die Beschwerden bleiben.


Welche Methode ist besser?


Bei einem Großteil der Patienten 
kann die Glutenunverträglichkeit
 nur im Stuhl nachgewiesen werden. Denn auch wenn im Blut keine Antikörper gefunden werden, kann die Darmschleimhaut mit Abwehr reagieren und Antikörper produzieren. Der Körper zeigt es dann eben nur nach außen.

Gibt es neben Depressionen noch weitere Symptome einer Glutenintoleranz?


Meist kommt es zu Bauchschmerzen, einem Blähbauch und zu Unregelmäßigkeiten des Stuhlgangs.

Und was ist die Ursache?

Ein Mann sitzt erschöpft an seinem Schreibtisch
Erschöpfung, Abgeschlagenheit, Depressionen: Eine Glutenunverträglichkeit zeigt häufig ähnliche Symptome wie ein Burnout© Shutterstock

Auslöser können lang anhaltender Stress, die Einnahme von Antibiotika und vorausgegangene Infekte sein. Bei vielen Betroffenen dauern die Beschwerden bereits mehrere Jahre an, bis schließlich die richtige Diagnose gestellt wird.


Warum nimmt die Zahl der Menschen mit Glutenunverträglichkeit so stark zu?

Das liegt zum einen an der Überforderung der Verdauung. Wir essen morgens Müsli, auf der Arbeit ein Brötchen, mittags Nudeln und abends wieder Brot. Zum anderen hat die Backindustrie einen höheren Glutengehalt künstlich erzeugt. Denn dadurch geht das Brötchen besser auf und hält seine gewünschte Form.

Also lieber Biobrot?

Auch das Biobrötchen kann krank machen, wenn Ihre Darmschleimhaut das Gluten nicht verträgt. Das Problem ist, dass die Menschen denken: Bioprodukte sind in jedem Fall gesund für sie. Dann essen sie noch mehr davon.

Was ist Ihre Alternative?

Erzeugnisse aus Mais, Reis, Hirse, Buchweizen oder aus den Inkagetreiden Quinoa und Amarant.

Ist Brot ohne Gluten also für jeden gesünder?

Ja. Aber wir sollten Gluten auf keinen Fall verteufeln. Kleine Mengen werden sehr gut toleriert. Aber man sollte sich zumindest bewusst machen, dass es gesund ist, das Gluten zu reduzieren. Schränken Sie doch einfach mal ein paar Wochen den Verzehr von Weizen- und Vollkornprodukten ein, und schauen Sie, was passiert: Schlappheit, Müdigkeit und Magenbeschwerden werden in den meisten Fällen abnehmen.

Im Interview: Dr. Jörn Reckel
Allgemeinmediziner und Nahrungsmittelexperte, Praxis BIMEDICAL – Praxisgemeinschaft für ganzheitliche Medizin und Naturheilverfahren.
Website: www.bimedical.de

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