Macht Süßstoff unfruchtbar?

Phyllis Kuhn
Süßstoff
Welchen Effekt hat künstlicher Zucker auf die Fruchtbarkeit? © Alamy

Eine Studie aus den USA legt nahe, dass Frauen, die häufig mit Süßstoff versetzte Diät-Softdrinks konsumieren, größere Probleme haben, schwanger zu werden. Was steckt dahinter?

Synthetische Süßstoffe sind umstritten: Einerseits sind sie in der Regel kalorienfrei, andererseits stehen sie im Verdacht, einige Krebsarten zu begünstigen und Heißhunger-Attacken zu fördern. 
Eine Studie aus den USA schürt jetzt noch einen weiteren Verdacht: Kann künstlicher Zucker unfruchtbar machen?
Die Studie wurde unter den Patientinnen einer Fruchtbarkeitsklinik durchgeführt. Dabei gaben die 524 teilnehmenden Frauen über einen Zeitraum von zwei Jahren Auskunft zu ihren Ernährungsgewohnheiten. Außerdem wurden ihnen Eizellen entnommen und untersucht. Die Forscher stellten fest, dass diejenigen Frauen, die angegeben hatten Diät-Limonaden mit künstlichem Zucker zu trinken, häufig schadhafte Eizellen produzierten. Auch bereits befruchtete Eizellen dieser Frauen entwickelten häufiger Defekte und konnten schlechter in den Mutterleib eingesetzt werden. „Patientinnen sollten darüber aufgeklärt werden, dass Zucker aber auch künstliche Süßstoffe den Erfolg einer künstlichen Befruchtung verhindern können“, erklärt die Studienleiterin Gabriela Halpern.

 

Gesunde Ernährung ist wichtig, damit sich Eizellen gut entwickeln können

Professor Adam Balen, Vorsitzender der Britischen Fertilitätsgesellschaft ergänzt: „Die Umgebung, in der sich die Eizelle entwickelt, reagiert sehr empfindlich auf äußere Einflüsse. Wir sollten die möglichen Effekte von Lebensmittelzusatzstoffen auf unsere reproduktive Gesundheit nicht unterschätzen. Paare – Männer und Frauen – mit Kinderwunsch sollten sich der Wichtigkeit gesunder Ernährung bewusst sein.“

Allerdings weisen unabhängige Experten daraufhin, dass die Süßstoffe nicht zwangsläufig für die verminderte Fruchtbarkeit verantwortlich sind. Vielmehr könnte es auch so sein, dass die Teilnehmerinnen der Studie ohnehin bereits übergewichtig waren – was erwiesenermaßen die Fruchtbarkeit einschränkt – und Getränke mit Süßstoffen konsumierten, um abzunehmen. Die Ernährungswissenschaftlern und Sprecherin der britischen Ernährungsgesellschaft Catherine Collins sagte gegenüber der britischen ‚Daily Mail’, dass zwar ein möglicher Zusammenhang aber keine Kausalität zwischen Süßstoffen und Fruchtbarkeit in den Studiendaten gefunden werden könne. „Übergewichtigen Frauen wird empfohlen abzunehmen, um die Fruchtbarkeit zu erhöhen. Und künstliche Süßstoffe werden von Übergewichtigen nun mal genutzt, um die Kalorienaufnahme zu beschränken und abzunehmen.“

 

Freispruch für Süßstoffe oder nicht?

Insgesamt lässt sich festhalten: Die Ernährung auf gesunde Art und Weise umzustellen, ist hilfreich, um die Fruchtbarkeit zu verbessern. Künstliche Süßstoffe sind zwar generell nicht die beste Alternative, um Zucker zu ersetzen. Ob sie aber wirklich die Fruchtbarkeit einschränken, muss noch näher untersucht werden.

 

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